Neue Ursache für schweren Verlauf entdeckt

Immunthrombose: Ist DAS der Grund, warum Menschen an Covid-19 sterben?

Covid-19-Patienten auf der Intensivstation
Warum haben manche Covid-19-Patienten so einen schweren Verlauf? Forscher wollen darauf nun eine Antwort gefunden haben! © iStockphoto

Warum haben manche einen so schweren Verlauf?

Auch wenn uns die Pandemie nun schon seit vielen Monaten begleitet, gibt es immer noch offene Fragen rund um das Coronavirus. Eine davon ist, warum genau die durch das Virus ausgelöste Krankheit Covid-19 bei einem Teil der Infizierten so schwer verläuft, dass sie sogar zum Tod führen kann. Darauf könnten Forscher jetzt eine neue Antwort gefunden haben.

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Was steckt hinter einer Immunthrombose?

Ein Team der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) glaubt, dass das Immunsystem eine Rolle dabei spielen könnte, ob die Krankheit schwer verläuft. Die Forscher untersuchten Covid-19-Patienten, die auf der Intensivstation behandelt werden mussten und fanden heraus, dass diese eine höhere Zahl bestimmter Immunzellen, der neutrophilen Granulozyten, aufwiesen. Das Coronavirus scheint diese Art von weißen Blutkörperchen also stark zu aktivieren.

Dadurch sollen sich den Forschern rund um Moritz Leppkes zufolge netzähnliche Strukturen in den Blutgefäßen bilden. Eigentlich werden diese Netze (NET, für Neutrophil Extracellular Traps) Eindringlinge wie Bakterien und Viren einfangen, damit diese gezielt bekämpft werden können. Im Falle von Covid-19 könne es aber häufiger dazu kommen, dass die Netze die feinen Blutgefäße der Lunge verstopfen. Sie sorgen dann – ähnlich wie eine Thrombose – dafür, dass der Körper nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird. Daher sprechen die Forscher in der im Fachmagazin "EBioMedicine by The Lancet" veröffentlichten Studie von einer Immunthrombose.

Bisher kaum therapierbar

Diese Thrombosebildung wurde in der bisherigen Behandlung bei schweren Covid-19-Fällen nicht bedacht. Doch wie wie das „Ärzteblatt“ berichtet, könnte die Erkenntnis der Forscher Auswirkungen auf die zukünftige Therapie haben: „Die Forscher sehen einen Behandlungsansatz bei schweren COVID-19-Fällen darin, die Zusammenballung der neutrophilen Granulozyten zu hemmen und die vermehrte NET-Bildung zu verhindern.“ Dabei könnten zum Beispiel die Arzneimittel Dexamethason oder Heparin helfen. „Heparin wird bereits bei COVID-19-Patienten zur Prävention von Thrombosen eingesetzt. Es sei jedoch möglich, dass die Standarddosis nicht ausreicht, um eine Thrombosierung durch die NET zu verhindern.“

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