Spielt eine einfache Erkältung eine Rolle?

Immun gegen Corona: Darum infizieren sich manche Menschen gar nicht

Gewährt die Zelle dem Virus Zugang, kommt es zur Infektion.
Gewährt die Zelle dem Virus Zugang, kommt es zur Infektion. © iStockphoto, iStock/1821Studio, 1821Studio

Suche nach dem Super-Impfstoff

Nicht alle Menschen, die Sars-CoV-2 ausgesetzt sind, erkranken - das ist bekannt. Britische Forscher haben jetzt eine Reihe von Krankenhausmitarbeitern untersucht, die sich auf der Arbeit zumindest mit dem ursprünglichen Wildtyp des Coronavirus nie infiziert haben. Die Studie könnte bei der Suche nach dem Super-Impfstoff helfen.

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Forscher untersuchten Blut von 58 Menschen

Eine Infektion mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 kann von symptomlos bis hin zu schwerster Erkrankung verlaufen. Manche Mitarbeiter im Gesundheitswesen waren dem Virus von Anfang an stark ausgesetzt. In Großbritannien haben Forscher 58 Menschen identifiziert und untersucht, die sich trotz ihrer Arbeit auf Covid-Stationen nie infizierten: Alle PCR- und Antikörper-Tests waren stets negativ - obwohl sich neben ihnen die Kollegen trotz Schutzmaßnahmen reihenweise ansteckten. Die Forschungsergebnisse dazu erschienen kürzlich in einer bisher ungeprüften Veröffentlichung im Fachmagazin „Nature“.

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Erhöhte Werte bestimmter T-Zellen

Bei der Untersuchung stellten die Forscher laut „ntv“ fest, dass sich in 20 Blutproben erhöhte Werte bestimmter T-Zellen befanden. „Ich habe so etwas noch nie gesehen. Es ist wirklich überraschend, dass die T-Zellen eine Infektion so schnell kontrollieren können“, wird Shane Crotty, Immunologe am La Jolla Institute for Immunology in Kalifornien, der nicht an der Forschung beteiligt war, bei „Nature“ zitiert. Es scheint so zu sein, dass das Immunsystem dieser Menschen in der Lage ist, das Virus zu bekämpfen, bevor es sich festsetzen und weiterverbreiten kann. Ein solcher Vorgang wird in der Fachsprache als „abortive infection“, also abgebrochene Infektion bezeichnet.

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Immunsystem dieser Menschen bereits vorbereitet

Die schnelle und effektive Abwehr könnte durch diese spezifischen T-Zellen, die auch als Gedächtniszellen bezeichnet werden, zustande kommen. Es könnte sein, dass das Immunsystem dieser Menschen bereits darauf vorbereitet war, die neue Krankheit zu bekämpfen, erklärt Leo Swadling vom University College London, der an der Studie beteiligt war, laut BBC.

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Die T-Zellen sind laut Forscher in der Lage, den Komplex aus mehreren Virus-Proteinen zu erkennen und zu bekämpfen, sodass die Vermehrung des Virus, der sogenannte Replikationskomplex, deaktiviert und damit völlig eingestellt wird. Die Forscher fanden diese T-Zellen nicht nur häufiger im Blut bei denjenigen, die keine Anzeichen für eine Infektion gezeigt hatten, sondern auch in Proben, die bereits vor der Pandemie genommen worden waren.

Kreuzimmunität: T-Zellen durch Erkältungsviren?

Denkbar ist deshalb, dass diese T-Zellen schon vor der Pandemie durch Infektionen mit einem der vier bekannten humanen Coronaviren, die Erkältungssymptome auslösen, im Körper entstanden sind. So könnte es zu einer sogenannten Kreuzimmunität gekommen sein. Solange man jedoch nicht weiß, wann und wodurch die wirksamen T-Zellen aktiviert wurden, kommen auch andere Infektionen oder Ursachen infrage.

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Bei den Untersuchungen fiel bei 19 Proben zusätzlich das Vorhandensein eines sogenannten Immunproteins auf, das mit IFI 27 bezeichnet wird und das für die Forscher um Leo Swadling einen Hinweis auf den direkten Kontakt mit Sars-CoV-2 darstellt. Ein Beweis für einen direkten Kontakt mit dem Coronavirus sei das allerdings nicht, wie Experten, die nicht an der Studie beteiligt waren, betonten.

Neuer Impfstoff: Replikationskomplex statt Spike-Protein im Visier

Eindringlich warnen die Autoren selbst davor, falsche Rückschlüsse zu ziehen. Die Ergebnisse zeigten nicht, dass Menschen, die eine Erkältung hatten, vor Covid-19 geschützt seien. Und es sei sogar zu früh, auf Grundlage der Ergebnisse mit Sicherheit zu sagen, dass das Immunsystem eine Infektion von Anfang an verhindern könnte. Unklar ist außerdem, ob die gleichen Mechanismen des Immunsystems auch bei der derzeit dominierenden Delta-Variante greifen.

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Obwohl durch die Studie viele Fragen nicht beantwortet werden können, gibt sie doch einen Hinweis darauf, an welcher Stelle Sars-CoV-2 noch angreifbar sein könnte. Bisher hat man sich bei der Entwicklung der Impfstoffe vor allem auf das Spike-Protein des Virus konzentriert, mit dem das Virus in die Zelle eindringt. Nun könnte man sich auf die Proteine, die den Replikationskomplex zur Vermehrung steuern, fokussieren, denn dieser Komplex ist bei vielen Coronaviren gleich. (jas/ija)

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