Ich reise gerne mit dem Flugzeug - und tue der Umwelt damit weh!

Laura Waßermann in Barcelona
2018 habe ich in Barcelona studiert und bin deshalb ziemlich oft geflogen. Sollte ich ein schlechtes Gewissen haben? © RTL.de

von Laura Waßermann

Als ich ein kleines Mädchen war, wusste ich: Ich will die Welt sehen. Inspiriert von Sonntagabendlichen Fernsehsendungen wie "Traumschiff" oder "Klinik unter Palmen" saß ich eines Abends auf unserem Sofa und teilte diesen Willen meiner Mutter stolz mit. Sie schaute mich an, halb amüsiert, halb ernst und sagte: "Das ist schön, aber erstens nicht so einfach, wie du denkst, und zweitens sehr, sehr teuer." 

Gute 20 Jahre später ist Reisen weniger teuer und sehr viel einfacher geworden. Doch es gibt einen Preis, der durch unser Reise-Verhalten immer höher wird: die Schäden, die wir der Umwelt hinzufügen. Denn: Jedes Mal, wenn wir fliegen, wird Kerosin - das Benzin für Flugzeuge - in die Umwelt gebracht. Das wiederum erhöht den Ausstoß von schädlichen Gasen wie Kohlendioxid, kurz CO2.

Hier ermahne ich mich selbst am stärksten. Deshalb habe ich mir meine Flugreisen in 2018 angeschaut und ausgerechnet, wie viel Umweltschaden ich angerichtet habe. Das Ergebnis ist erschreckend - aber es gibt einen Weg aus dem Schlamassel.

Flugreisen 2018 Laura Waßermann
Das sind meine Flugreisen 2018 © Canva

Ich bin 17 Mal geflogen - das liegt weit über dem Durchschnitt

Nachhaltig resien
Nachhaltig reisen - eine Herausforderung? © iStockphoto

Jeder Vierte hat im vergangenen Jahr mindestens eine Flugreise gemacht. Warum auch nicht? Mit dem Billigflieger kann man schon mal für unter 20 Euro nach London, Mallorca oder Griechenland reisen! Immer mehr Menschen steigen deshalb öfter ins Flugzeug statt mit dem Zug oder dem Auto zu fahren.

Ich gehöre zu diesen Menschen. 2018 bin ich insgesamt 17 Mal geflogen. Obwohl im vergangenen Jahr mehr Deutsche als je zuvor verreist sind, liegt diese Zahl deutlich über dem Durchschnitt. Das hat zwei Gründe: Erstens habe ich bis September nicht in Deutschland gewohnt. Ich habe in Barcelona studiert und musste somit für jeden Besuch nach Hause fliegen. Zweitens war ich nicht bereit, genau darauf sowie Urlaub im Allgemeinen zu verzichten. Trotz Fernstudium wollte ich Zeit mit meiner Familie und meinen Freunden verbringen, mal in der Heimat und mal in einer anderen Stadt in Deutschland.

Atmosfair: Es geht um ein größeres Bewusstsein

Infografik mit Tipps zum klimaschonenden reisen.
Drei Tipps, wie man klimaschonend reisen kann. © RTL Interactive

Wie ich kürzlich von RTL Aktuell-Moderator Maik Meuser gelernt habe, der sich nachhaltig ernährt und plastikfrei einkauft, geht es beim Umweltschutz in erster Linie nicht um Verzicht. Es geht um Bewusstsein.

Das meint auch Dietrich Brockhagen, Geschäftsführer von Atmosfair, einer Plattform, auf der man seinen CO2-Ausstoß ausrechnen kann. "Die Welt, in der wir leben, sendet widersprüchliche Signale. Einerseits können wir überall hinreisen, andererseits haben wir diese Rechnung eben ohne das Klima gemacht." Er plädiert deshalb dafür, bewusst zu reisen: "Wenn Ihnen Flugreisen wichtig sind, verzichten Sie nicht, aber tun Sie es nur alle paar Jahre."

Sein Punkt ist berechtigt: Laut Zahlen des Bundesumweltamtes verbraucht jeder Deutsche knapp neun Tonnen CO2 im Jahr. Der drittgrößte Verursacher dafür ist Verkehr, vor allem Flug-Verkehr. "Zum Vergleich: Für die Umwelt verträglich wären 2,3 Tonnen pro Kopf pro Jahr", sagt Brockhagen.

Wie groß ist mein schlechtes Gewissen?

Atmosfair
So sieht der CO2-Rechner von Atmosfair aus. © Atmosfair

Atmosfair bietet eine Möglichkeit an, seinen CO2-Ausstoß "wiedergutzumachen". "Kompensieren" heißt das im Fachjargon. Das Unternehmen ist aus einem Forschungsprojekt des Bundesumweltministeriums entstanden und hat einen sogenannten Flug-Emissionsrechner entwickelt. Der funktioniert ganz einfach: Man trägt seinen Hin- und Rückflug ein und der Rechner spuckt die entsprechende CO2-Emission aus. 

Mit einem Flug Barcelona-Düsseldorf, Economy, Linien-Flug habe ich 566 Kilogramm CO2 verbraucht. Das heißt: Mit nur zwei meiner insgesamt 17 Flüge habe ich etwa ein Viertel meines Umweltverträglichen CO2-Ausstoßes pro Jahr verbraucht. Das verursacht in mir ein schlechtes Gewissen, das einmal um die ganze Welt reicht. 

17 Flüge kosten mich 192 Euro - das ist viel Geld

Nun kann ich dieses schlechte Gewissen stillen, indem ich meine Flugreisen kompensiere. Pro Flug Barcelona-Düsseldorf schulde ich der Umwelt 14 Euro. Für alle Flüge in 2018 bin ich bei 192 Euro. Das ist sehr viel Geld. Vor allem, wenn man bedenkt, dass Deutsche laut des Instituts für Zukunftsfragen pro Person im Schnitt 1.250 Euro für einen Urlaub ausgeben.

In meinem Fall hilft es nichts: Ich wollte nicht auf Familienzeit und den einen oder anderenKurztrip verzichten und habe deshalb soeben eine Online-Überweisung an Atmosfair ausgestellt. Das Geld fließt fast vollständig an klimafreundliche Projekte in Ländern wie Ruanda oder Indien, da Atmosfair laut eigenen Angaben 90 Prozent seiner Einnahmen spendet.

"Sie kommen in die ganze Welt, ohne zu fliegen"

Atmosfair
192 Euro fürs Klima? Zahle ich! © Atmosfair

In Zukunft will ich mir öfter die Frage stellen: Muss ich wirklich fliegen? Beispielsweise plane ich für Juli einen Kurztrip nach Italien, den ich von München aus entweder mit dem Auto oder noch besser mit dem Zug machen werde.

Dietrich Brockhagen von Atmosfair hat es vorgemacht: 1997 ist der mit Zug nach Japan gefahren und wieder zurück. 20 Tage war er insgesamt unterwegs - nur für den Weg. Und genau diese Erfahrung wolle er nicht missen, sagt er. "Sie kommen im Prinzip in die ganze Welt, ohne zu fliegen. Wenn Sie nur wollen." Ich will.