"ICARUS-Projekt": Antenne zur Tierbeobachtung an Raumstation ISS installiert

Tiere mit Mini-Sendern übermitteln ihre Position

An der internationalen Raumstation ISS haben die russischen Raumfahrer Oleg Artemjew und Sergej Prokopjew in der Nacht zu Donnerstag in einem mehr als siebenstündigen Einsatz eine Antenne installiert, mit der in Zukunft Tiere beobachtet werden können. Im Rahmen des "Icarus"-Projektes sollen zum Beispiel Vögel mit daumennagelgroßen und nur fünf Gramm schweren Mini-Sendern ausgestattet werden. Dadurch wird es möglich, die Wanderungen der Tiere besser nachzuvollziehen.

Für den Bordingenieur Prokopjew war es der erste Außeneinsatz, seit er im Juni mit dem deutschen Astronauten Alexander Gerst am Außenposten der Menschheit rund 400 Kilometer über der Erde eingetroffen ist. Gerst überwachte den Außeneinsatz seiner russischen Kollegen vom Inneren der Raumstation.

"Icarus": Frühwarnsystem für Naturkatastrophen

"Icarus" soll in der Zukunft unter anderem als Frühwarnsystem für Naturkatastrophen wie Erdbeben und Vulkanausbrüche dienen.  Das Projekt könnte die These stützen, dass Tiere etwa vor dem Ausbruch von Naturkatastrophen unruhig werden oder ihr Verhalten ändern.

Auch Schädlingsplagen könnten wirksamer bekämpft werden. Störche rasten auf ihrem Zug nach Süden etwa in der Nähe von großen Heuschreckenschwärmen. Mit Hilfe von "Icarus" sollen diese lokalisiert werden.

Fledermäuse, Meeressäuger, Fische und Schmetterlinge

Wissenschaftler erhoffen sich Aufschluss etwa über Wanderungen von Zugvögeln. "Wir erhoffen uns Klarheit darüber, welchen Zugweg die heimischen Vögel wählen, damit wir unsere Schutzbemühungen an den Rastplätzen gezielt ausrichten und wissenschaftlich abgesicherte Vogelschutzforderungen an die EU-Kommission stellen können", sagte Nabu-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. Die Naturschützer haben gemeinsam mit einem maltesischen Partnerverband Turteltauben mit Sendern ausgerüstet, die mit der Antenne auf der ISS interagieren sollen.

Der Nabu erhofft sich ferner, etwa Auswirkungen des Klimawandels auf Zugtiere beobachten zu können und Erkenntnisse etwa zur Übertragung von Krankheiten zu gewinnen. Neben Vögeln sollen auch Fledermäuse, Meeressäuger, Fische und Schmetterlinge beobachtet werden.

Die Vorbereitungen dauerten fast zwei Jahrzehnte

Das eigentliche Projekt soll Anfang 2019 starten. Die Vorbereitungen dafür dauerten fast zwei Jahrzehnte. Beteiligt sind neben Roskosmos (Weltraumorganisation der Russischen Föderation) vor allem die Max-Planck-Gesellschaft, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und die Universität Konstanz. Die deutschen Partner finanzieren die Entwicklung der Technik, die Russen kümmern sich um den Transport und die Installation im All.