Hochwasser Venedig: Meeresspiegel steigt weiter an - ist die Lagunenstadt noch zu retten?

Schwere Zeiten für Küstenbewohner

Die verheerenden Hochwasser, die Venedig überfluteten und die Stadt tief ins Mark trafen, waren eine Art Blick in die Zukunft für die Lagunenstadt. Denn der steigende Meeresspiegel wird solche Fluten häufiger ermöglichen. Was heißt das für die Lagunenstadt? Und was heißt das generell für die Menschen, die in Küstenregionen wohnen?  

Venedig sackt ab

18.11.2019, Italien, Venedig: Touristen stehen auf dem überschwemmten Markusplatz. Der Hochwasserstand hat heute eine neue Spitze erreicht. Venedig ist zum dritten Mal innerhalb einer Woche überflutet worden. Am Sonntag sei das Wasser auf 150 Zentime
Überschwemmungen in Venedig 2019 © dpa, Claudio Furlan, mark avery fdt

Das Hochwasser richtete schwere Schäden an den UNESCO-Weltkulturerbestätten Venedigs an. Das Meersalz greift die Substanz der Bauten an. "Langsam, aber unerbittlich", wie es ein Kurator der Stadt formulierte. Die Stadt lebt vom Tourismus, aber sie ist im wahrsten Sinne des Wortes dem Untergang geweiht. Denn es steigt nicht nur der Meeresspiegel, Venedig sackt auch ab - und zwar enorm. Vor hundert Jahren lag die Lagunenstadt noch 25 Zentimeter höher. Der Prozess wurde zwar durch die bessere Regulierung der Grundwasserentnahme etwas verlangsamt, aber nicht gestoppt. 

Außerdem steigt der Meeresspiegel in Venedig schneller an als in anderen Küstenregionen. Was kann die Stadt also tun? Seit vielen Jahren arbeitet die Verwaltung am sogenannten Mose-Projekt. Das sind Fluttore, die im Boden vor der Stadt verankert liegen und im Falle eines Hochwassers die Stadt vom Meer abriegeln sollen. Das milliardenteure Bauprojekt wird aber von Korruptionsskandalen überschattet. Ob es wirklich 2022 fertig sein wird, steht in den Sternen.

Rotterdam und St. Petersburg könnten Vorbilder für Venedig sein

ARCHIV - Die Maeslant-Flutwehr im New Water Way bei Rotterdam (undatiertes Archivbild). In den Niederlanden ist in der Nacht erstmals das Maeslant-Flutwehr wegen einer Sturmflut geschlossen worden. Das gigantische Bauwerk soll die Stadt Rotterdam vor
Das Maeslant-Sperrwerk bei Rotterdam schützt eine Million Menschen. © dpa, A1820 epa anp Mulder

So steht es also schlecht um das berühmte Venedig. Wird die Stadt, die dem Meer ihren Aufstieg zur Seemacht verdankte, nun ausgerechnet vom Meer gefressen? Ein Blick nach St. Petersburg könnte helfen. Dort wurde der 25 Kilometer lange Petersburger Damm 2011 fertig gestellt - für "nur" drei Milliarden Euro. In Venedig hat man angeblich schon das Doppelte verbaut. Seitdem ist die Stadt von Hochwassern verschont geblieben.

Auch Rotterdam hat die Zeichen der Zeit früh erkannt und arbeitet an einem Plan, wie man die Stadt vor dem steigenden Wasser schützen kann. Dort schützt das Maeslant-Sperrwerk eine Million Menschen vor Fluten. 

Jakarta wird versinken - 40 Prozent unter dem Meeresspiegel

An Indonesian woman carries her daughter as she wades through a flooded residential area in Jakarta, Indonesia, 19 February 2010. Floodwater from the overflowing Ciliwung River has inundated a number of areas in Southern and Eastern parts of the capi
Überschwemmungen in Jakarta - die indonesische Hauptstadt versinkt im Meer. © dpa, Mast Irham

Allerdings ist das für diese Städte keine Garantie, im Klimawandel auch tatsächlich zu überleben. Denn irgendwann stellen auch diese Dämme für das Wasser kein Hindernis mehr dar. Es gibt düstere Prognosen, die vor allem Asien betreffen. Die großen schnell wachsenden Metropolen Asiens am Meer könnten unbewohnbar werden. Bangladesch, Indonesien und Vietnam werden vom steigenden Wasser gandenlos getroffen. 

In Indonesien gibt es Pläne, die Hauptstadt Jakarta aufzugeben. Sie wird im Meer versinken. Präsident Joko Widodo stellte schon die Pläne für die neue Kapitale auf der Regenwaldinsel Borneo vor. Die jetzige Hauptstadt liegt schon zu 40 Prozent unter dem Meeresspiegel. Die Zahlen sind eklatant: Bis zu 25 Zentimeter im Jahr sacken manche Teile der Stadt ab. Jakarta wird von einem brüchigen Damm geschützt, aber die 25-Millionen-Metropole ist nicht mehr zu retten. Sie wird bald unbewohnbar werden. 

So schlimm steht es um Venedig noch nicht, aber die Zeiten sind dramatisch und wer nicht handelt, geht unter.