Hochwasser und Corona: Schimpanseninsel in Gefahr

von RTL-Afrikakorrespondentin Nicole Macheroux-Denault

50 Schimpansen leben auf der von der berühmten Verhaltensforscherin Jane Goodall mitgegründeten Insel Ngamba Island in Uganda - und normalerweise kommen jedes Jahr tausende Forscher und Touristen auf die Insel, um die Tiere zu bewundern. Doch die Insel ist wegen der Corona-Krise geschlossen, weswegen momentan die Besucher ausbleiben - und damit das Geld. Nicht nur das Coronavirus macht dem Park zu schaffen - auch ein schweres Hochwasser hat die Region getroffen. Die Schimpansen drohen zu vereinsamen. Wie es für sie weitergehen soll, zeigen wir im Video.

400.000 Menschen in Uganda sind obdachlos

In Zeiten von Corona fühlt man sich als Afrika-Korrespondentin wie ein Fisch ohne Wasser – genauer gesagt: Wie ein Reporter ohne Flugticket. Es ist unmöglich, meinen Arbeitsort Südafrika zu verlassen, um zum Beispiel von vor Ort über die verheerenden Überschwemmungen in Ostafrika zu berichten.

400.000 Menschen sind derzeit allein in Uganda obdachlos. Der Wasserspiegel des zweitgrößten Süßwassersee der Welt, des Viktoriasees, ist um 2 Meter angestiegen. Mein geschätzter Kollege Henry Wasswa in Kampala, mit dem wir bei jedem unserer zahlreichen Drehs in Uganda zusammenarbeiten, hat für uns Kameraleute organisiert, die in überschwemmten Gebieten filmen. Gebiete, die wir selbst oft besucht haben. So konnten wir authentisch berichten, auch zu Corona-Zeiten.

Schimpansen können nicht schwimmen

Während eines Telefonats fragte ich Henry, ob er wisse, wie die Lage in dem Schimpansen-Reservat auf der Ngamba Insel im Viktoriasee sei. Vor einigen Jahren hatten wir dort zusammen eine Geschichte über die Affen gedreht. Besonders im Gedächtnis blieb mir damals die Tatsache, dass Schimpansen nicht schwimmen können. Deshalb ist eine Insel ein perfekter Ort für ein Reservat. Damals erzählte man uns, einer der Affen habe jahrelang illegale Fischer vor der Insel beobachtet. Eines Tages hat er eines ihrer an Land geparkten Boote gestohlen und versucht, von der Insel wegzurudern. Das endete in einer extrem wackeligen Fluchtaktion. Der Schimpanse wurde gerettet. Meine Frage an Henry war: Wie geht es den Ngamba Schimpansen im Hochwasser zu Corona-Zeiten? Nach einem Anruf beim Direktor der Stiftung entschieden Henry und ich: Diese Geschichte müssen wir erzählen. Hier ist sie.