Jetzt jährt sich der Hitzehammer

Hitzewelle Juli 2019: Als die Hitze Deutschland fest im Griff hatte

Juli 2019 im Check: Rekorde bei Höchst- und Tiefstwerten

Der Juli 2019 war definitiv ein Monat für die Geschichtsbücher. Das zeigt schon der Blick in die Wetter-Statistik. Denn einerseits ist er natürlich mit der Mega-Hitzewelle im letzten Monatsdrittel und massenhaft neuen Temperatur-Rekorden vertreten. Eine bisher beispiellose Hitzewelle. Andererseits gab es auch neue Rekorde für die kühlste Juli-Nacht im ersten Monatsdrittel. Der Juli 2019: Ein Sommermonat der absoluten Extreme.

Auf den ersten Blick ein ganz normaler Juli

Betrachtet man die Eckdaten des Juli 2019, dann fällt kaum auf, wie historisch er war. Denn maximal um die 10 Hitzetage bei knapp 2 Grad Temperaturabweichung lassen für sich alleine nicht auf einen solchen Sommermonat schließen. Hier schlägt das Wesen der Statistik ganz ordentlich durch. Denn der unterkühlte Start gleicht die Hitze-Rallye am Ende schon etwas aus. Doch die Details im Juli 2019 sahen da ganz anders aus.

Aus dem Kühlschrank in den Backofen

Die erste Juli-Hälfte war durch kühle Nordwinde zum Teil 2 Grad zu kalt und brachte sogar neue Negativ-Dekadenrekorde mit gelegentlichem Bodenfrost, bevor es in eine sogenannte Omega-Wetterlage ging. Und die brachte die beispiellose Hitzewelle 2019. Im Zentrum der Hitze lag dabei vor allem der Westen Deutschlands. Hier wurde auch der deutschlandweite Allzeit-Temperaturrekord förmlich pulverisiert

Eiskristalle glitzern in der Morgensonne
Ein kurzer Wintergruß: Zu Beginn sorgte Kaltluft im Juli 2019 sogar für örtlichen Bodenfrost. Am Ende öffnete sich dann der mediterrane Glutofen bei über 40 Grad. © dpa, Julian Stratenschulte

42,6 Grad - Hitzespitze mit Diskussionsbedarf

Am Abend des 25.07.2019 um kurz nach 20 Uhr wurden die Höchsttemperaturen des Tages aus dem Messnetz des Deutschen Wetterdienstes offiziell verkündet: Lingen in Niedersachen mit 42,6 Grad, Tönisvorst und Duisburg-Baerl mit 41,2 Grad, Köln-Stammheim mit 41,1 Grad oder Kleve und Bonn-Roleber mit 40,9 Grad. Und diese Liste ließe sich mit rund 50 weiteren Orten ergänzen, an denen die 40 Grad-Marke am 25.Juli 2019 erreicht oder überschritten wurde. Das gab es seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in solch einer Ausdehnung noch nie. 

Seit ein paar Wochen liegt der Hitzerekord von Lingen allerdings auf Eis. Der Deutsche Wetterdienst will die Wetterstation bis zum Jahresende kritisch überprüfen.Aber selbst die nachfolgenden Stationen an diesem denkwürdigen Tag liegen locker über dem vorherigen Allzeit-Rekord: Der letzte Temperaturrekord vor dieser Hitzewelle im Juli 2019 lag bei 40,3 Grad aus dem August 2015.

Wetterstation Lingen
Wetterstation in Lingen an der Ems. Der Fabelrekord von 42,6 Grad stand rasch in der Diskussion. © Wikipedia, Ramsch

Krass heiß und ganz schön lang

Doch nicht nur die Temperaturspitzen des 25.07.2019 waren außergewöhnlich. Auch die Dauer der Hitzewelle war ein absolutes Novum. Die Temperaturen erreichten an drei aufeinanderfolgenden Tagen in Deutschland die 40 Grad-Marke. Das alleine war zuvor eigentlich unvorstellbar gewesen. Denn wenn es mal auf über 40 Grad raufging, dann war es in der Regel eine Eintagsfliege.

ARCHIV - Ein Mann wischt sich am 02.08.2013 in Hannover (Niedersachsen) mit einem Stofftuch über den Kopf. 2013 sind alle denkbaren Wetterextrema aufgetaucht - ein Zusammenhang mit dem Klimawandel lässt sich nach Angaben der Meteorologen mit dem Wett
Eine Affenhitze war das im Juli 2019. Den Höhepunkt erlebte Deutschland am 25.07.2019. Vor allem im Westen war bei 40 Grad und mehr Schwitzen angesagt. © dpa, Sebastian Kahnert

Fazit: Das kommt nur einmal, das gibt’s nie wieder

Der ein oder andere hat es sicherlich bemerkt: Bei der Überschrift haben wir ein Stück Liedtext von Lilian Harvey aus dem Jahr 1931 bedient. Weiter geht der Text übrigens mit: „… das ist zu schön, um wahr zu sein.“ Jedoch sind solche Ereignisse natürlich alles andere als schön, sondern sie dürften die meisten unter uns nachdenklich stimmen. Auf der anderen Seite kann so etwas in der Meteorologie tatsächlich mal passieren. Erst eine Häufung zeigt dann auch längerfristige Trends

Unabhängig davon und von den nachfolgenden Diskussionen um die Lage der Wetterstation in Lingen gilt: In der Fläche und Dauer gab es noch niemals eine derartige Hitze. Und auch die Trockenheit war zu diesem Zeitpunkt so schlimm wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Denn auch der Juli 2019 brachte nur 2/3 des ansonsten üblichen Regensolls. Eine Kombination, die uns hoffentlich nie wieder treffen wird. Damit setzte sich nämlich die Trockenheit, die im Dürrejahr 2018 ihren Grundstein hat, auch im Sommer 2019 fort. Und selbst jetzt ist der Wasserhaushalt in den tiefer gelegenen Bodenschichten und im Grundwasser noch gestört.

Hierzu auch RTL-Meteorologe Björn Alexander: „Unabhängig davon, dass sich ein solches Hitze-Ereignis natürlich theoretisch tatsächlich wiederholen könnte, ist die Wahrscheinlichkeit aufgrund der Heftigkeit, der Fläche und der Dauer glücklicherweise eher gering. Insofern haben wir ein historisches Ereignis erlebt, das sich in der Kombination aus lang anhaltender Dürre und extrem heftiger Hitze, hoffentlich ein Einzelfall bleibt.“

ARCHIV - 25.04.2019, Niedersachsen, Laatzen: Auf einem sehr trockenen Feld in der Region Hannover sind Risse im Boden zu sehen. (zu dpa:
Ein Bild, das sich in den letzten Sommer erschreckend oft wiederholte: Die Böden litten unter der Dürre. Zusätzlich dörrte die Hitze die Vegetation ebenfalls aus. © dpa, Julian Stratenschulte, jst lop jol

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