Hitzewelle in Deutschland: Trockene Wälder und enorme Probleme bei der Ernte

Wenn die Höchsttemperatur über einen Zeitraum von mehr als 5 Tagen die 30-Grad-Marke überschreitet, sprechen wir per Definition von einer Hitzewelle. Nun stecken wir also in der ersten des Sommers 2018. So weit, so normal. Nur: Unser Wetter ist mehr oder weniger seit April viel zu warm und zu trocken. Deshalb hat diese Hitzewelle nun womöglich sehr schlimme Auswirkungen. Wir zeigen, wo und wann es echte Probleme geben kann. 

Die Wälder leiden: Besonders in Nordrhein-Westfalen hat der Wald "Trockenstress", wie es ein  Sprecher des Landesbetriebs Wald und Holz NRW formulierte. Das betreffe vor allem junge Bäume im Alter bis zu zehn Jahren. Die Wurzeln reichten nicht tief genug, um noch an Wasser heranzukommen. Das gelte vor allem für Standorte in Gebieten mit sandigen Böden wie am Niederrhein. Auch Felder sind so trocken, dass schnell ein Feuer entstehen kann. So hat selbst im Kölner Stadtgebiet schon ein Stück Wald gebrannt. 

Probleme bei der Ernte: Felder können in Brand geraten - auch durch die Ernte. "Wir haben ein Niederschlags-Defizit von etwa 200 Litern pro Quadratmeter, in einigen Regionen sind es auch 300 Liter. Boden und Vegetation sind völlig ausgetrocknet", sagte Kai-Hendrik Howind von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Bei den Erntearbeiten mit großen Maschinen komme es auf dem Feld oft vor, dass etwa ein Schneidemesser auf einen Stein treffe und so Funkenschlag entstehe. Auch sei das Maschinenöl sehr heiß und die Staubentwicklung hoch. All dies erhöhe das Brandrisiko. "Ein Funke kann genügen, damit sich ein Feuer entwickelt."

Trinkwasserversorgung gesichert

Stauseen/Trinkwasser: Unsere Reservoirs sind gut gfüllt, das ist die wichtigste Erkenntnis. "Deutschland ist ein wasserreiches Land. Wasserstress ist in Deutschland nicht zu befürchten", so das Umweltbundesamt. Dennoch ist sorgsamer Umgang mit der Ressource Wasser ratsam. Tägliches Rasensprengen, Autowaschen, häufige Poolwasserwechsel - all das sollte bei der Hitzewelle zumindest eingeschränkt werden. Das Trinkwasser kommt zu großen Teilen aus dem Grundwasser. In diesen tiefer liegenden Erd- und Gesteinsschichten sind die Reaktionen träger und die Zyklen länger. Sprich: die Niederschläge und das Tauwasser aus dem Winter spielen eine maßgebliche Rolle. Da war bis Anfang April alles im grünen Bereich. 

Flüsse: An etlichen Bächen und Nebenflüssen nähern wir uns in Sachen Niedrigwasser Allzeitrekorden. Bäche trocknen aus, sogar kleinere Seen. Flüsse kämpfen gegen das Niedrigwasser, die Flussschifffahrt ist mancherorts eingestellt oder auf der Kippe.

Fischsterben/Algen: Wird die Hitzewelle länger andauern, kann es zu massiven Fischsterben kommen. Vorkommen von Blaulagen in Gewässern nehmen zu, ebenso Kolibakterien. Es kann zu Fischsterben bei weiter steigenden Wassertemperaturen und damit abnehmendem Sauerstoffgehalt des Wassers kommen. Seen können dadurch "umkippen", dann ist ein Großteil des Lebens darin verloren.

Schwimmen: Wasserpflanzen, die nach langanhaltender Hitze nun verstärkt wuchern, können das Schwimmvergnügen verleiden. So wuchert nach Angaben des Ruhrverbands derzeit die sogenannte Wasserpest, botanisch Elodea genannt, in einigen Stauseen des Landes besonders üppig. "Das Pflanzenwachstum ist weniger an den Schwimmstellen, sondern eher für die anderen Wassersportler ein Problem: Segler und Ruderer verheddern sich mit ihren Rudern", sagte Ruhrverbandssprecher Markus Rüdel. Am Baldeneysee in Essen ist deshalb von früh bis spät ein Mähboot im Einsatz, das schon in den ersten Wochen mehr als 400 Tonnen Wasserpflanzen aus dem See geholt hat. 

Übrigens: Auch Vögel und Insekten haben Durst. Stellen Sie doch einfach eine Schale Wasser auf das Fensterbrett, den Balkon oder in den Garten.

Andere Gefahren: Die Ozonbelastung in der tropisch anmutenden Luftmasse wird wohl in "kritische Bereiche" ansteigen, vor allem in Nordrhein-Westfalen bzw. im Ruhrgebiet. Auch der UV-Index sollte beim Baden nicht in Vergessenheit geraten. Vorsicht beim Schwimmen im Niedrigwasser: Es besteht Lebensgefahr beim Baden und Planschen in schiffbaren Flüssen und Kanälen! Vorbeifahrende Schiffe sorgen für eine gewaltige Sogwirkung bei Niedrigwasser und können selbst geübte Schwimmer in die Flussmitte reißen.

Klimawandel nicht zu vernachlässigen

Klimawandel spielt eine Rolle: Lange Dürrezeiten, kaum Schnee im Winter und stärkere Hochwasser sieht man auch bei den Harzwasserwerken als Anzeichen für den Klimawandel. Im Sommer 2017 wurde ein Füllstand bei den Harztalsperren von 49 Prozent gemessen - ein historischer Tiefststand seit Bestehen des Talsperrenverbundes Anfang der 1970er Jahre. Diskutiert werden Langzeitstrategien. Durch den Klimawandel könne man sich nicht mehr auf stets gut gefüllte Talsperren im Harz verlassen, hieß es.