RTL-Wetterexperte über das erste richtige Sommerhoch 2020

Hitzefahrplan: Der Sommer 2020 legt groß auf

Sommer 2020: Vom Schaukelsommer zum Hochsommer

Es ist bislang ein wahrer Schaukelsommer. Der Süden hatte dabei in Sachen Sommer aber die Nase immer ganz weit vorn, während der Norden zum Teil sogar ganz auf den Sommer verzichten musste. Hitzetage jenseits der 30 Grad gab es bei den Nordlichtern verbreitet noch gar nicht. Und auch bei den Sommertagen mit über 25 Grad sind die Küstenregionen weit unten im einstelligen Bereich. Doch das wird sich nun ändern. Denn die Hundstage 2020 drehen auf und es kommt das erste richtige Sommerhoch mit hochsommerlichen Aussichten bis rauf in den Norden. Hier gibt’s alle Fakten im Check mit unserem RTL-Meteorologen Björn Alexander. Außerdem sehen Sie oben im Video die Hitze-Ralley durch alle Bundesländer mit den Vorhersagen für unser schweißtreibendes Wochenende.

Nachdem der Sommer 2020 bisher oft ungerecht verteilt war, scheint sich das jetzt zu ändern, oder?

Björn Alexander: „So ist es. Inmitten der Hundstage, also der klimatologisch heißesten Zeit des Jahres, will es der Hochsommer jetzt mal richtig wissen. Erst sorgt Hoch „Detlef“ für ganz viel Sonne und anschließend folgt ein Schwall mediterraner Heißluft bis rauf in den Norden unseres Landes. Und das zum ersten und wahrscheinlich auch letzten Mal in diesem Jahr.“

Für Werte bis an die 40 Grad wird es nicht reichen. Aber hochsommerlich wird es ganz bestimmt.
Die Sommerhitze beschränkte sich im Sommer auf den Süden. Doch nun wird es bald auch im Norden hochsommerlich. © dpa, Frank Rumpenhorst, fru

Das heißt: Es ist das einzige deutschlandweite Gastspiel des Hochsommers im Jahr 2020?

„Das wird wohl so sein. Ab der Monatsmitte mehren sich die Anzeichen, dass es mit der Hitze zu Ende geht. Kurzum: Gut eine Woche gibt der Hochsommer im ganzen Land jetzt alles, und anschließend dürfte sich vor allem der Norden schon mal Richtung Frühherbst orientieren.“

11.07.2020, Niedersachsen, Norderney: Ein Holzpfahl mit der Aufschrift ·Wanderweg· steht in der Dünenlandschaft am Ostende der Insel. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Sommer auf Norderney? Bislang zeigte sich sich Wärme im Norden sehr zurückhaltend. Doch ein Aufwärtstrend ist in Sicht. © dpa, Hauke-Christian Dittrich, hcd jai

Wie sieht der Hitze- und Hochsommer-Fahrplan denn konkret aus?

„Von lokalen Hitzegewittern über den Bergen abgesehen geht es bis etwa Mitte nächster Woche verbreitet sonnig weiter. Eincremen dabei auf gar keinen Fall vergessen! Bei 11 bis knapp 14 Sonnenstunden liegen die UV-Werte nämlich oft bei 5 bis 7 Grad, teilweise sogar darüber. Das entspricht einer hohen bis sehr hohen Belastung. Gleichzeitig steigen die Temperaturen häufiger auf Spitzenwerte von 29 bis 35 Grad. Zum Teil geht es auch rauf auf 36 bis 38 Grad.“

24.07.2019, Nordrhein-Westfalen, Bielefeld: Ein Mann duscht sich im Gegenlicht der Sonne unter einer Brause in einem Freibad. Foto: Friso Gentsch/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Die Hundstage 2020 wollen sich nicht geschlagen geben. Und Abkühlungen werden wir in nächster Zeit häufiger brauchen. © dpa, Friso Gentsch, frg wst

Wann erwartet uns der heißeste Tag?

„Das wird nach jetzigem Stand der Samstag werden. Dann klettern die Höchstwerte am Rhein und seinen Nebenflüssen auf bis zu 38 Grad. Ansonsten verteilen sich die Temperaturen wie folgt:

  • Freitag 26 Grad an der See und 36 Grad an Rhein und Ruhr.
  • Samstag 28 Grad an den Alpen und bis zu 38 Grad im Westen.
  • Und der Sonntag hat 26 Grad an der Ostsee und 36 Grad im Rhein-Main-Gebiet

im Programm.“

Wie sieht es in der kommenden Woche aus?

„Zunächst ebenfalls vielfach um die 30 Grad mit einer Spanne von 26 bis 34 Grad am Montag und 27 bis 35 Grad am Dienstag. Der Mittwoch zieht dann nochmals auf 26 bis 36 Grad. Jedoch nimmt hierbei die Schwüle allmählich zu, so dass zum Donnerstag Schauer und Gewitter häufiger und intensiver werden dürften. Spätestens zu Ende der Woche heißt es dann Abschied nehmen vom Hochsommer 2020. Temperaturen von 30 Grad und mehr haben die Wettercomputer nach derzeitigem Stand dann kaum noch in den Berechnungen.“

Im Badesee ist es dabei wahrscheinlich sowieso viel besser auszuhalten, oder?

 Brandenburg, Sonnenuntergang hinter Bäumen Deutschland, Brandenburg - 28.07.2020: Im Bild ist der Sonnenuntergang von einem Feld in Brandenburg aus zu sehen. Brandenburg Deutschland *** Brandenburg, sunset behind trees Germany, Brandenburg 28 07 202
Die Zeit der lauen Sommerabende kommt - Auch herauf bis in den Norden. Allerdings bleiben die Nächte am Wochenende immer öfter tropisch. © imago images/Christian Spicker, Christian Spicker via www.imago-images.de, www.imago-images.de

„Ich denke schon. Die Wassertemperaturen in einem Meter Tiefe bewegen sich in den Seen meistens bei 20 bis 27 Grad. Nord- und Ostsee liegen bei etwa 19 bis 20 Grad. Tendenz in den kommenden Tagen: ansteigend.“

Wie schlaffeindlich werden denn unsere Nächte?

„Zunächst ist die Hitze insgesamt noch relativ angenehm, denn die Luft ist zu Beginn recht trocken. Mit der zunehmenden Schwüle in der kommenden Woche und der andauernden Hitze tagsüber wird es besonders in den Ballungsräumen, also im Bereich von viel Beton, schon ziemlich unangenehm und am Wochenende kann es dort teilweise tropisch warm bleiben (also mit Tiefstwerten nicht unter 20 Grad). Ansonsten kühlt es sich aber noch ganz gut ab, so dass wir die frühen Morgenstunden noch zum Durchatmen und durchlüften nutzen können.“

Gute Bedingungen also auch zum Sternschnuppen-Zählen?

„Auf jeden Fall. Pünktlich zum Höhepunkt der Perseiden, die uns ja alljährlich im Juli und August heimsuchen, sieht es richtig gut aus. Der Himmel klar, der Wind nimmt immer weiter ab und die Nächte bleiben lau. Besser kann es kaum sein. Das Maximum des Sternschnuppen-Regens ist übrigens in der Nacht vom 12. auf den 13.August. Und dann sausen hunderte von Sternschnuppen über den Himmel.“

Das ist dann aber auch der einzige „Regen“ für die kommende Zeit. Wie sieht es mit der Trockenheit aus?

Beantwortete unsere Fragen: RTL-Meteorologe Björn Alexander
Beantwortete unsere Fragen: RTL-Meteorologe Björn Alexander © wetter-ressort

„In den meisten Landesteilen ziemlich problematisch. Denn mal abgesehen vom Süden Deutschlands und dem Alpenraum, wo es zuletzt teilweise über 100 Liter pro Quadratmeter mit Überschwemmungen und Hochwasser an der Donau sowie Neuschnee auf der Zugspitze gab, hielten sich die Regenfälle zuletzt oft sehr in Grenzen. Gerade in den tieferen Bodenschichten von ein bis zwei Metern ist die Dürre dementsprechend nach wie vor extrem. Insbesondere für unsere Wälder ist das leider weiterhin sehr bedrohlich. Hinzu kommt in den nächsten Tagen eine stark ansteigende Waldbrandgefahr.“

Fakten-Check des Hochsommers in der Übersicht

  • Die erste richtige Hochdrucklage des Sommers 2020 bahnt sich an
  • Verbreitet gibt es sommerliche bis hochsommerliche Temperaturen
  • Häufig erwarten uns zwischen 25 und 34 Grad, stellenweise mehr
  • Ab dem Wochenende drohen besonders in den Ballungsräumen tropische Nächte
  • Eincremen nicht vergessen: 11 bis 14 Sonnenstunden sorgen für hohe bis sehr hohe UV-Werte
  • Den Sprung ins kühle Nass bekommt man an den Küsten bei Wassertemperaturen von 18 bis 20 Grad. In den Badeseen ist es wärmer mit bis zu 25 Grad
  • Der Hochsommer bleibt bis mindestens nächste Woche Mittwoch oder Donnerstag

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