Überschwemmungen im Yellowstone-Nationalpark

Extremwetter USA 2022: Flut, Hitze-Schock, Dürre – Klimakatastrophe?

von Silvia Soyter und Björn Alexander

Deutschland bereitet sich gerade auf die erste so richtig schweißtreibende Hitzewelle des Jahres 2022 vor. Doch nicht nur Deutschland und Europa kämpfen mit dem Extremwetter – ein Blick über den Atlantik zeigt: Hitze ist nur eines der vielen Extremwetterphänomene der USA.

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Rekord-Überschwemmungen im Yellowstone Nationalpark

Der wohl berühmteste Nationalpark der USA ist für Besucher bis auf Weiteres gesperrt. Nach Angaben der Parkverwaltung haben „Rekord-Überschwemmungen“ nach heftigen Regenfällen, Straßen und Brücken des Yellowstone-Nationalparks weggespült. Zahlreiche Besucher seien in Sicherheit gebracht worden, da sie durch herabstürzende Felsen und Schlammlawinen in Gefahr gewesen seien. Die Parkbetreiber warten derzeit darauf, dass das Hochwasser zurückgeht, um die Schäden auf dem Areal zu begutachten.

Starkregen unüblich im Juni

Ursache für den Starkregen ist das Klimaphänomen des „atmosphärischen Flusses“. Dabei handelt es sich um einen Strom von feuchter Luft, der aus der warmfeuchten Äquatorregion in nördliche Breiten fließt. Diese haben ihren Ursprung oftmals südwestlich von Hawaii und fließen dann in Richtung der nördlichen US-Westküste und Kanada.

Der „atmosphärische Fluss", der seit vergangener Woche für Rekord-Regenmengen sorgte, wurde vom „Center for Western Weather and Water Extremes“ mit Stufe 5 von 5 bewertet. Ein Feuchtband der höchsten Stufe im Juni zu verzeichnen, sei laut Aussagen der US-Forscher äußerst ungewöhnlich.

Den starken Regenfällen ging ein für die Jahreszeit ungewöhnlich warmes Wetter voraus, das nach Angaben des Nationalen Wetterdienstes dazu führte, dass der Schnee in den hochgelegenen Gebieten schmolz und zusätzlich die Pegel der Flüsse und Bäche steigen ließ.

Heiß, heißer, USA

Die aktuelle Hitzewelle ist verantwortlich für zahlreiche neue Hitzerekorde im ganzen Land.
Die aktuelle Hitzewelle ist verantwortlich für zahlreiche neue Hitzerekorde im ganzen Land.

Ähnlich wie in Deutschland erwarten weite Teile der USA, von Kalifornien bis nach Texas, eine Hitzewelle, die sich bis in den Osten erstrecken wird. Am vergangenen Freitag wurden in den großen Ballungszentren des Südwestens, darunter Houston, Las Vegas und Phoenix Hitzerekorde aufgestellt. Im Death-Valley Nationalpark wurden sogar 50 Grad gemessen. Der Nationale Wetterdienst bezeichnete die Hitze als „extrem und tödlich“. Rund ein Drittel der US-amerikanischen Bevölkerung ist von der extremen Hitze betroffen.

Tropische Nächte

Vor allem in den US-amerikanischen Metropolen fühlen sich Höchsttemperaturen von 35 bis 37 Grad aufgrund der drückenden Luftfeuchtigkeit wie bis knapp 44 Grad an. Damit steigt das Risiko hitzebedingter Erkrankungen warnen Experten des Wetterdienstes.

Zusätzlich zu den Tagesrekorden wurden an zahlreichen Orten der USA auch Temperaturrekorde in der Nacht aufgestellt. In Phoenix wurden am Samstag um Mitternacht immer noch 37 Grad gemessen. Ab einer Temperatur von über 20 Grad in der Nacht spricht man von sogenannten „tropischen Nächten“.

Bei Hitzewellen sind vor allem die warmen Temperaturen der Nächte gefährlich, da sich der Körper in der Zeit nicht von der Hitze des Tages erholen kann. Ohne die nächtliche Abkühlung kann es vermehrt zu Hitzeerschöpfung und Hitzschlägen kommen.

Ist die Hitzewelle in den USA bald vorbei?

Ja und nein. Während sich die Hitze in Teilen des Landes im Laufe der Woche etwas abschwächen wird, kehrt die verantwortliche Hochdruckzone, der sogenannte „Hitzedom“, bis zum nächsten Wochenende in den Süden und die Mitte der Vereinigten Staaten zurück. Mit anderen Worten: Ein Ende der anomal hohen Temperaturen in weiten Teilen des Landes ist nicht in Sicht. Experten gehen davon aus, dass der vom Menschen verursachte Klimawandel verstärkt Hitzewellen wie diese intensiver und lang anhaltender machen wird.

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Drei Jahre Dürre in Kalifornien

Die USA ist das Land der Extreme – auch Wetter-technisch. Vor allem der Westen kämpft mit neben Starkregen und Hitze seit drei Jahren mit extremer Dürre. Kalifornien hat einen trockenen Frühling hinter sich und der Blick auf die Wetterkarte verrät, dass es auch weiterhin trocken bleibt. Die Landwirtschaft und Bevölkerung werden dazu aufgefordert Wasser zu sparen, doch reicht das?

Experten sagen, dass man schon im März hätte anfangen müssen, Wasser zu sparen.Der Sommer steht vor der Tür, doch die Wasserreservoirs sind nicht annähernd gut gefüllt. Die Seen Kaliforniens sind normalerweise die Wasserspeicher des Bundesstaates. Nach einem zu trockenen Frühling fehlt ihnen das Wasser: Die Wasserversorgung steht auf der Kippe.

Angst vor der Hurrikan-Saison 2022

Während sich der Westen dringend eine nasse Abkühlung von oben wünscht, sieht es im Osten des Landes anders aus: Forscher befürchten, dass den Vereinigten Staaten 2022 eine besonders schlimme Hurrikan-Saison bevorsteht. Laut ihrer Prognose wird es zwischen 14 und 21 benannte Stürme geben, von denen sechs bis zehn zu Hurrikanen werden könnten. Darunter können sich, so befürchten die Forscher, auch drei bis sechs schwere Hurrikane der Kategorien 3, 4 oder 5 befinden. Zum Vergleich: Der Hurrikan Katrina, der als einer der verheerendsten Naturkatastrophen der USA gilt, erreichte zeitweise die Hurrikan-Stufe 5.

Wie entwickelt sich das US-Wetter im Laufe der kommenden Woche?

Wie es in den USA in der nächsten Woche um Dürre und Hitze steht, weiß RTL-Meteorologe Björn Alexander: „Bis Mitte nächster Woche ist leider kaum oder kein Regen in den Dürre-Gebieten in Sicht. Weite Teile des Landes werden mit einer massiven Hitzewelle zu kämpfen haben, die vom Golf von Mexiko kommend über Texas bis nach Kanada reicht. Man muss mit Spitzen zwischen 30 und teilweise über 40 Grad rechnen.“

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(sso mit dpa)