Guterres: Die Klimakrise bringt uns um

Dürren, Fluten, Luftverschmutzung: So bedroht der Klimawandel unsere Gesundheit

von Oliver Scheel

Hitze, Dürre, Überschwemmungen und vieles mehr. Die Erderhitzung hat schon jetzt drastische Auswirkungen auf die Gesundheit. „Die Klimakrise bringt uns um.“ Mit diesen drastischen Worten beschrieb kein Geringerer als UN-Genrealsekretär Antonio Guterres die Situation, in die Mensch sich durch das Verfeuern der fossilen Brennstoffen selbst gebracht hat. Anlass seiner flammenden Rede war der 7. Jahresbericht des „Lancet Countdown on Health and Climate Change“, den 99 Wissenschaftler erstellt haben.

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Die Autoren betonen aber auch, dass es noch nicht zu spät sei, einen weiteren Anstieg der durch den Klimawandel bedingten Todesfälle und Krankheiten zu verhindern.

Dennoch schickte Guterres eindringliche Warnungen an die Regierungen: Die Krise untergrabe nicht nur die Gesundheit unseres Planeten, sondern auch die Gesundheit der Menschen auf der ganzen Welt: „Durch giftige Luftverschmutzung, immer weniger Ernährungssicherheit, höhere Risiken für den Ausbruch von Infektionskrankheiten, extreme Hitze, Dürre, Überschwemmungen und vieles mehr.“

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Tatsächlich zeichnet der seit 2015 erscheinende Bericht ein düsteres Bild der gesundheitlichen Folgen des Klimawandels. Eine unmittelbare Gefahr sieht der aktuelle Bericht, der von 99 Fachleuten aus 51 Institutionen und UN-Organisationen erstellt wurde, bei der globalen Ernährungssicherheit: Einer Analyse von 103 Ländern zufolge nehmen Tage mit extremer Hitze aufgrund des Klimawandels an Häufigkeit und Intensität zu. Als Folge daraus habe dort die Zahl der Menschen, die von Ernährungsunsicherheit betroffen sind, 2020 um 98 Millionen Menschen höher gelegen als im Schnitt der Jahre von 1981 bis 2010.

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Somalia Hungersnot
In Somalia regnet es wegen des Klimawandels kaum mehr. Die Menschen leiden Hunger, Millionen Kinder in Ostafrika sind unternährt und drohen zu verhungern.

Im Zeitraum 2012 bis 2021 sei die jährlich von extremer Dürre betroffene weltweite Landfläche zudem durchschnittlich um 29 Prozent größer gewesen als von 1951 bis 1960. Vor allem für vulnerable Bevölkerungsgruppen würden nahrhafte Lebensmittel künftig nur noch eingeschränkt verfügbar und zugänglich sein, prognostiziert Umweltökonomin Elizabeth Robinson von der London School of Economics in einer Mitteilung: „Dies ist besonders besorgniserregend, wenn man bedenkt, dass sich die globalen Lebensmittelversorgungsketten in diesem Jahr erneut als äußerst schockanfällig erwiesen haben, was sich in rapide steigenden Lebensmittelpreisen und einer entsprechenden Zunahme der Ernährungsunsicherheit niederschlägt.“

Extreme Hitze stelle jedoch auch eine unmittelbare Gefahr für die Gesundheit dar, indem sie etwa Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen verschlimmere, negative Auswirkungen auf Schwangerschaften habe und zu Hitzschlag, verschlechtertem Schlafverhalten und schlechter psychischer Gesundheit führe. Darüber hinaus schränke sie die Arbeits- und Bewegungsfähigkeit der Menschen ein, so der Bericht. Insgesamt sei die Zahl hitzebedingter Todesfälle im Zeitraum von 2017 bis 2021 im Vergleich zu den Jahren 2000 bis 2004 um 68 Prozent gestiegen. Und schließlich fördere der Klimawandel die Ausbreitung von Infektionskrankheiten wie Malaria und Dengue.

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Ausbau der Erneuerbaren erreicht Rekordnivaeu - trotzdem Zunahme klimaschädlicher Emissionen

Der Report sieht indes auch Hoffnungsschimmer: Die Erzeugung erneuerbarer Energien sei zwar noch unzureichend, habe 2020 aber ein Rekordniveau erreicht. Parallel seien die Investitionen in Stromerzeugungsmethoden mit kohlenstofffreien Quellen gestiegen.

Aber fast zeitgleich erreichte uns folgende Nachricht aus Brüssel: Die wirtschaftliche Erholung nach dem schlimmsten Jahr der Corona-Pandemie hat in der Europäischen Union eine Zunahme klimaschädlicher Emissionen mit sich gebracht. Vorläufigen Daten zufolge stieg der Treibhausgasausstoß in der EU 2021 im Vergleich zum Vorjahr um schätzungsweise fünf Prozent, lag damit aber etwa sechs Prozent unter dem Niveau von 2019. Das geht aus dem Bericht der EU-Umweltagentur EEA hervor. Auch der Energieverbrauch nahm zu.

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Nichts zu tun ist das Teuerste, was wir machen können

Hohe Verkehrsdichte auf der Berliner Stadtautobahn A100 nahe der Autobahnausfahrt Kurfuerstendamm. Berlin, 09.10.2017. Berlin Deutschland *** high Traffic density on the Berlin City highway A100 near the Motorway exit Kurfuerstendamm Berlin 09 10 201
Der Verkehr hat seit Corona wieder zugenommen und so sind in der EU die Emissionen gestiegen, anstatt gesunken.

Zum Erreichen der Klimaziele 2030 müssen die 27 EU-Mitgliedstaaten deutlich mehr tun, wie der Bericht zeigt. Der Fortschritt müsse mehr als verdoppelt werden, schrieben die Experten. Entscheidende Maßnahmen seien in den kommenden Monaten und Jahren nötig, um sicherzustellen, dass die Mitgliedstaaten ehrgeizige Emissionsminderungspläne aufstellen könnten, um die Ziele zu erreichen, erklärte EEA-Exekutivdirektor Hans Bruyninckx.

Vor allem beim Verkehr, in der Industrie und der Energieversorgung nahm der Ausstoß nach EEA-Angaben wieder zu. „Der Countdown läuft. Gesunde Menschen gibt es nur auf einer gesunden Erde. Und das Teuerste, das wir gerade tun können, ist: Nichts!“, sagte der Mediziner Eckart von Hirschhausen in einem Kommentar.

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(osc)