Lawine aus Geröll und Wasser

Himalaya-Gletscher abgebrochen: Sturzflut in Indien kostet vermutlich 150 Menschen das Leben

Schweres Unglück am Himalaya in Nordindien

Sie wurden von der Flutwelle überrascht: Bei einem Gletscherabbruch in Nordindien mit anschließender Sturzflut sind vermutlich 150 Menschen ums Leben gekommen. Ein riesiger Gletscher brach von einem Teil des Himalaya ab, rauschte in einen Damm und löste eine Lawine aus Geröll und Wasser aus, berichteten Zeugen vor Ort. Videos in sozialen Medien zeigten die massiven Sturzfluten, die sich ihren Weg durch das Tal brechen.

Flutwelle reißt Kraftwerk und Brücke mit, vermutlich auch Menschen am Fluss

Die tatsächliche Anzahl der Toten ist bislang unklar – denn in dem Katastrophengebiet ist es momentan unmöglich, jemanden zu bergen. 100 bis 150 Menschen würden für tot gehalten, sagte Om Prakash, ein Regierungsvertreter des Bundesstaates Uttarakhand. Die Flutwelle riss eine Brücke mit und traf auf ein Kraftwerk, in dem Dutzende Arbeiter beschäftigt waren und hinterließ Verwüstung aus Wasser und Schlamm. Dort konnten zwei Männer tot geborgen werden, der Rest wird vermisst. Auch Dorfbewohner, die in der Nähe des Flusses auf der Suche nach Feuerholz waren oder ihr Vieh weideten, sollen mitgerissen worden sein.

Angst vor weiteren Fluten in Indien: Dörfer werden evakuiert

07.02.2021, Indien, Reni: Schlamm und Schmutz fließen im Dhauliganga-Fluss. Nachdem ein Teil des Nanda-Devi-Gletschers im nördlichen Bundesstaat Uttarakhand abgebrochen und in einen Fluss gefallen ist, kam es zu einer massiven Sturzflut im Chamoli-Di
Gefährliche Fluten durch Gletscher in Indien. © dpa, Uncredited, aju

Mittlerweile bewegt sich der Gletscher nach Behördenangaben flussabwärts. Wegen der Wassermassen werden weitere Fluten und Erdrutsche erwartet Man habe deshalb bereits tieferliegende Dörfer gewarnt und eine Evakuierung in die Wege geleitet, sagte SN Pradhan, Vorsitzender des indischen Katastrophenschutzes. Teams des indischen und lokalen Katastrophenschutzes, sowie Mitglieder der Grenzpolizei und der Armee sind auf dem Weg in die betroffene Gegend. Indiens Innenminister Amit Shah kündigte umfassende Hilfen für die betroffene Region an.

Klimawandel lässt Gletscher schmelzen

Wie es zum Gletscherabbruch kam, ist noch unklar. Doch Wissenschaftler warnen seit Jahren vor den Folgen des Klimawandels, die dort besonders drastisch zu sehen sind. Gletscher schmelzen, Schnee bleibt aus und der Permafrost, die ewig gefrorene obere Gesteins- und Bodenschicht, taut. Es kann zu Gesteins- und Eisabbrüchen kommen. Bei den 31 weltgrößten Gletschern hat der Schwund in den vergangenen zwei Jahrzehnten stark zugenommen. Betroffen sind der Mount Everest im Himalaya, Mont Blanc, Kilimandscharo, Matterhorn und viele andere Gipfel im Hochgebirge.