Herbst und Winter 2019 wohl zu warm - Langfristprognose bis zum Jahresende

02.05.2020, Nordrhein-Westfalen, Gelsenkirchen: Regentropfen treffen auf die Wasseroberfläche eines Gartenteiches. Das wechselhafte Wetter mit Regen und Sonnenschein soll auch in den nächsten Tagen anhalten. Foto: Caroline Seidel/dpa +++ dpa-Bildfunk
Regen in NRW © dpa, Caroline Seidel, cas

Die Wahrheit über Langfristprognosen

Wie das Wetter an Heiligabend oder Silvester im Detail sein wird, das sagen uns Langfristprognosen definitiv nicht. Und das werden Vorhersagen über Wochen oder Monate niemals können. Hierzu ist das System Erde-Atmosphäre viel zu komplex und zu chaotisch. Man denke beispielsweise an ein Bild der Chaostheorie, nach dem der Schlag eines Schmetterlingsflügel auf der anderen Seite der Welt für einen Tornado sorgen könnte. 

Das ist natürlich eine kaum nachvollziehbare Ereigniskette. Jedoch soll damit eigentlich auch nur gesagt werden, dass kleine Veränderungen beim Anfangszustand am Ende der Vorhersage große Auswirkungen haben kann.

Das sollten Sie beachten!

Eine langfristige Urlaubsplanung sollte eher nicht auf der Basis von derartigen Daten gemacht werden. Hierfür gibt es beispielsweise Klimatabellen, die uns zeigen, welches durchschnittliche Wetter es zu einem bestimmten Termin am gewünschten Ort gab. Und das alleine ist für viele Urlaubsdestinationen auch gar nicht so schlecht. 

Doch es gibt eben auch die experimentellen Berechnungen, die uns einen Überblick über mehrere Monate verschaffen können. Nicht in allen Details. Aber zumindest Aussagen wie „zu warm“ oder „zu kalt“ lassen sich machen. Und nimmt man eben diese Witterungsvorhersagen für den Rest des Jahres, dann zeigt sich ein eindeutiger Trend: bis einschließlich Dezember geht es zu warm, teils auch deutlich zu warm weiter. Eine detaillierte Erläuterung zum Herbsttrend finden Sie oben im Video.

November fast normal

Bei der Einzelbetrachtung von Oktober bis Dezember fällt zumindest der November als nahezu durchschnittlich temperiert auf. Hier scheinen bei den Berechnungen die Luftmassen aus südlichen Breiten somit wohl eine weniger große Rolle zu spielen oder es gibt zwischen eher milder Luft auch mal Vorstöße von kühlerer Luft aus nördlichen Breiten. Fakt ist aber: nach den Computern des amerikanischen Wetterdienstes, die diese Daten ausgeben, halten sich die Niederschläge insgesamt leider weiter in Grenzen. 

Das sah bei älteren Prognosen zwar schon mal anders aus. Oktober und November könnten nach jetzigem Stand zumindest im Normalbereich bleiben. Der Dezember würde aber vor allem in der Nordhälfte mal wieder eher zu trocken ausfallen. Insgesamt würde damit die Trockenheit somit nicht wesentlich verschlimmert werden. Zumal wir die Wachstumsphase der Vegetation natürlich überschritten haben. Allerdings wäre eine deutliche Verbesserung des mitteleuropäischen Wasserhaushalts hiermit nicht zu erwarten.

Welche Wetterlagen könnten dahinter stecken?

Scheinbar handelt es sich mal wieder eher um hochdruckdominierte Lagen oder Wetterlagen mit eher schwachem Tiefdruckeinfluss. Besonders im November könnten hiermit ebenfalls Nebel- oder Hochnebellagen mit übersichtlichen Sonnenanteilen einhergehen. Im Vorteil in Sachen Sonne hätten zumindest die Berge, die bei solchen Inversionslagen gerne mal mild und schön aus dem Hochnebel heraus ragen. 

Es könnten also schwierige Zeiten für die Ski- und Winterfreunde unter uns werden. Und auch die „weiße Weihnacht“, die die Meteorologen unseres Landes ja in der Adventszeit zusehends beschäftigt, ist anhand dieser Berechnungen zumindest nicht das wahrscheinlichste Szenario.

Mal wieder kein Schnee zu Weihnachten

Für Schneefälle sieht es nicht gut aus
Für Schneefälle sieht es nicht gut aus © dpa, A1885 epa Keystone Peter Schneider

Die Frage nach dem weißen Fest lässt sich am besten nach Weihnachten beantworten. So viel ist sicher. Aber natürlich lassen sich bereits jetzt schon manche Wahrscheinlichkeiten zuordnen. Die beruhen auf dem Wetter der Vergangenheit. Die Hochlagen der Alpen liegen bei über 70%. Die Hochlagen der Mittelgebirge bei rund 50%. Und je weiter es runter geht, umso seltener gab es in der Vergangenheit Schnee zum Fest. Am schlechtesten sieht es historisch in den Tiefen Lagen im Westen aus. Hier ist die „weiße Weihnacht“ ein Ereignis, mit dem wir alle 10 bis 20 Jahre rechnen können. 

Ändern die längerfristigen Berechnungen etwas an dieser Wahrscheinlichkeit? Eigentlich nur wenig. Hier greift nämlich die eingangs beschriebene Ungenauigkeit solcher Vorhersagen. Es geht gar nicht darum, das Wetter für ein paar Tage genau zu prophezeien. Vielmehr werden langfristige Trends und Mittelwerte für ganze Monate aufgezeigt. Ob es nach einer sehr milden ersten Dezemberhälfte anschließend winterlich weitergeht, das können Langfristprognosen nicht und das werden sie auch niemals können.

Fazit: zu mild und teils zu trocken

Dass es in Zeiten der ansteigenden Temperaturen in unseren Wintern auch eher vergleichsweise mild weitergeht, ist wenig überraschend und insofern auch plausibel. Auch wenn natürlich keine Aussage über der konkreten Wetterlagen möglich ist. 

Wesentlich brisanter sind allerdings die Prognosen in Sachen Regen. Denn wir brauchen dringend nennenswerte und damit auch deutlich überdurchschnittliche Niederschläge. Bleibt zu hoffen, dass gerade beim Regen die Realität viel nasser ausfällt als es die experimentellen Prognosen derzeit versprechen.