Das bedeutet ein trockener Herbst für uns

Dramatische Trockenheit: Der Altweibersommer lässt uns austrocknen

Sinkende Flusspegel, Laub fällt immer früher, Wintergemüse braucht Wasser

Der September ist zu zwei Dritteln rum und bringt eine ziemlich ernüchternde Halbzeitbilanz - zumindest in Sachen Regen. Ein enormes Problem, denn flächendeckender und intensiver Landregen ist auch im weiteren Verlauf des Septembers nicht in Sicht. Es wird immer trockener, die Pegelstände an den Flüssen sinken weiter und die Natur schaltet in den Herbst-Modus. Frühestens der Oktober 2020 macht in Sachen Regen etwas mehr Hoffnung. 

Oben im Video: Das sind die schlimmen Schattenseiten des langen Sommers


Mehr zum Hintergrund:

Die Böden sind zum Teil knochentrocken

Vor allem in den tieferen Bodenschichten zwischen ein und zwei Metern Tiefe ist die Dürre oft noch extrem. Und daran konnten auch die ersten zwei Septemberwochen nichts ändern. Zum einen weil der September per se ein eher trockener Monat ist. Zum anderen liegt der September 2020 auch noch deutlich unterm Durchschnitt. Dass es dabei auch für die Landwirtschaft weitere Einbußen geben dürfte, das zeigt der Blick auf die Felder. Das Wintergemüse wartet teilweise noch auf die Ernte. Außerdem ist das Mais-Häckseln bereits in vollem Gange oder sogar schon ganz beendet. Wesentlich früher als sonst und mit vielen Abstrichen bei den Erntemengen.

Die Trockenheit in den Böden
Die Trockenheit in den Böden ist zum Teil extrem. Hier die Verhältnisse in 1,80 Meter Bodentiefe. Quelle: Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung GmbH - UFZ © wetter-ressort

September 2020: Bisher sind keine 15 Liter auf den Quadratmeter gefallen

Wir tragen das Thema Trockenheit mit uns wie einen Rucksack voller Wackersteine, den wir einfach nicht ablegen können. Es belastet uns und es belastet ebenso die Natur. Seit dem Dürrejahr 2018 wird es in vielen Regionen einfach nicht mehr besser. Einen weiteren Sargnagel hat nun der September 2020 hinzugefügt. Bisher sind im deutschlandweiten Durchschnitt im September kaum 13 Liter pro Quadratmeter gefallen. Das entspricht gerade mal 20 Prozent des Monatsdurchschnitts. Und natürlich gibt es dabei auch Regionen, in denen im September 2020 so gut wie nichts gefallen ist. Beispielsweise im Südwesten, wo es im Gegenzug mit bislang über 130 Sonnenstunden und mehr als zehn Sommertagen am meisten Sommerfeeling gab.

 Bonn, Nordrhein-Westfalen, Deutschland - Waldsterben im Kottenforst, Trockenheit und Borkenkäfer schädigen die Fichtenbäume im Nadelwald. Bonn Nordrhein-Westfalen Deutschland *** Bonn, North Rhine-Westphalia, Germany Dying forest in the Kottenforst,
In der Nähe von Bonn: Borkenkäfer haben zugeschlagen. An der Dürre ist zwar nicht der September 2020 schuld, aber die Regenbilanz trug auch nicht zur Verbesserung bei. © imago images/Rupert Oberhäuser, Rupert Oberhäuser via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Flüsse in Deutschland: Die Pegelstände sinken immer weiter

Die niedrigsten Wasserstände an unseren Flüssen haben wir häufig am Ende des Sommers und zum Beginn des Herbstes. So dürften sich beispielsweise noch viele von uns an den Herbst 2018 erinnern. Damals ging der Rhein auf einen neuen Rekordwert in Sachen Niedrigwasser runter. Der Kölner Rheinpegel sank am 23. Oktober 2018 auf nur 67 Zentimeter. Die Schifffahrt kam größtenteils zum Erliegen und bei der Verteilung der Güter kam es zu massiven Problemen. Das betraf unter anderem auch die Verteilung von Benzin und Diesel. Ganz so dramatisch sieht es am Rhein derzeit (noch) nicht aus. So vermeldet Köln einen Stand von knapp 1,50 Meter. Tendenz aber weiterhin sinkend. Erst nennenswerte Niederschläge könnten dieses Damoklesschwert über uns entfernen. Und das gilt natürlich ebenfalls für unser Grundwasser. Solange die Böden nicht einmal komplett durchnässt sind, solange wird kaum neues Grundwasser nachgebildet.

Regen bleibt Mangelware

5 TAge Regen-Vorhersage - der September 2020 ist trocken
Die Regenmengen, die uns bis Ende dieser Woche noch erwarten, sind übersichtlich verteilt. Von lokalen Gewittern mal abgesehen bleibt es trocken. © wetter-ressort

Auch die Natur schaltet schon mal auf den Herbstbetrieb

Den Wechsel der Jahreszeiten sehen wir auch bei der Natur. Beispielsweise gehören die Blattverfärbung und das Abwerfen der Eicheln zum Herbst. Doch ähnlich wie im Frühjahr, das ja durch den Klimawandel immer früher loslegt, macht die Natur schon deutlich früher auf Herbst. Angetrieben durch die Trockenheit. Denn der Wassermangel bedeutet Trockenstress für die Bäume. Und darauf reagieren sie dadurch, dass sie immer früher anfangen, alles Brauchbare aus den Blättern zu entfernen und diese dann abzuwerfen.

 Rhein Clean Up Mülheimer Brücke Köln Deutschland 12.09.2020 *** Rhein Clean Up Mülheimer Bridge Cologne Germany 12 09 2020
Rhein Clean Up an der Mülheimer Brücke in Köln am 12.09.2020. Gerade im Spätsommer und Herbst angesichts der niedrigen Wasserstände eine tolle Aktion. Aber allzu viel sollten unsere Pegelstände nicht mehr fallen. © imago images/Eduard Bopp, Eduard Bopp via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Ausblick für den Altweibersommer: Dürre bleibt, Sonne ebenfalls 

Der Altweibersommer zeichnet sich vor allem durch eine gewisse Beständigkeit von Hochdruckgebieten aus. Daran möchte der September 2020 leider vorerst gar nichts ändern. Der September könnte - wenn es so läuft, wie es manche Wettercomputer momentan sehen - auch weiterhin kaum nennenswerten Regen bringen. Am Ende wird er also sehr wahrscheinlich deutlich zu trocken und zu warm ausfallen. Gleichzeitig überwiegen die Hochdrucklagen. Ganz im Sinne des Altweibersommers also und ganz schön schlecht für die Natur und unsere Flüsse. Denn Regen wäre in Deutschland vielerorts mehr als nötig. Ein wenig Hoffnung macht da der Blick auf die experimentellen Langfristvorhersagen des Amerikanischen Wetterdienstes. Die berechnen derzeit nämlich den Oktober 2020 in Deutschland verbreitet zu nass. Insbesondere im Westen und Norden unseres Landes. 

Herbst am Bodensee
Der Altweibersommer ist eigentlich eine tolle Zeit zum Genießen der Natur. Wenn da nur nicht die zunehmende Dürre wäre. © picture alliance/dpa, Felix Kästle, lix hjb

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