Hoffen auf Regen

Sonnen- oder Regenschirm - was bringt uns der Herbst?

von Letizia Vecchio und Martin Pscherer

Die Trockenheit hat Deutschland, aber auch ganz Europa fest im Griff, fast die Hälfte des gesamten Kontinents ist von Dürre bedroht. Die EU-Dürre-Beobachtungsstelle spricht sogar von der schlimmsten Dürre seit einem halben Jahrtausend – auch wenn dies erst abschließend am Ende der Saison beurteilt werden kann. Viele von uns hoffen deswegen auf einen richtig nassen Herbst, nicht nur auf das ein oder andere Gewitter-Intermezzo, das höchstens punktuell Beruhigung bringt, aber keine wirkliche Abhilfe schafft. Kann der kommende Herbst diesen hohen Erwartungen gerecht werden?

September startet trocken und warm

10.08.2022, Niedersachsen, Hannover: Eine von der Rosskastanienminiermotte befallene Kastanie trägt aufgrund der Trockenheit und direkter Sonneneinstrahlung besonders trockene Blätter. Nach Angeben des Dürremonitors des Helmholtz-Zentrum für Umweltfo
Schon zur Mitte des Sommers sah es wegen dem fehlenden Regen mancherorts nach Herbst aus .

Ab September nehmen die Temperaturen in der Regel kontinuierlich ab – der meteorologische Herbstfang (01.09) fällt völlig zurecht auf diesen Monat. Leider geht es das aber nicht automatisch mit stärkeren Regenmengen einher – zumindest nicht in diesem Jahr. Denn die Prognosen sehen für den Anfang des neunten Monats keinen flächendeckenden und lang anhaltenden Regen voraus. Immerhin kann man hie und da aber mit einzelnen Schauern rechnen, die auch kräftiger ausfallen können – viel nützen tut das aber erst einmal kaum.

Langzeitprognose macht etwas Hoffnung

Die Graphik zeigt den 42-Tage-Wettertrend für Köln
Der 42-Tage-Wettertrend am Beispiel von Köln - es ist noch nicht der große Wurf, aber wechselhafte Phasen sind möglich.

Dennoch geben die Mittelfrist- und Langzeitprognosen vom europäischen und vom amerikanischen Wettermodell Grund zur Hoffnung. Denn die erwarten durchschnittlich nasse, teilweise sogar leicht zu nasse Herbstmonate. Damit könnte die Dürre nach und nach nach und nach zumindest etwas gelindert werden, auch wenn solche Langzeitvorhersagen natürlich immer mit großen Unsicherheiten verbunden sind. In diesem Fall hoffen wir natürlich, dass sich die Prognosen bewahrheiten.

Wie viel Regen wäre eigentlich normal?

Der Blick auf die Verteilung der Niederschläge übers Jahr gesehen zeigt schnell, dass die Herbstmonate nicht die nassesten Monate des Jahres sind. Die Sommermonate können mit Gewittern deutlich mehr Wasser bringen. Dennoch sind im langjährigen Mittel im September um die 60 bis 65 Liter pro Quadratmeter möglich. Der Oktober und der November bringen es für gewöhnlich jeweils auf 55 bis 60 Liter je Quadratmeter.

Bis November zu warm

Goldener Oktober mit sommerlich warmen Temperaturen im Park Englischer Garten in München, Bayern, Deutschland: Personen in einem Boot auf dem Kleinhesseloher See und herbstlich gefärbte Ahornblätter.  Golden October with warm summer temperatures in t
Der Herbst könnte was die Temperaturen anbelangt, eine Fortsetzung des Sommers werden (Symbolbild).

Was die Temperaturen angeht, könnte sich der Trend der vergangenen Monate (leider) fortsetzen. Laut Langzeitprognose sollten die beiden ersten Herbst-Monate September bis Oktober überdurchschnittlich warm ausfallen, was natürlich nicht wirklich zur Beruhigung der Dürre-Situation beiträgt. Schließlich führen warme Temperaturen zu schnellerer Verdunstung – und damit letztendlich für zu wenig Wasser für die Vegetation. Erst im November normalisiert sich die Lage dann wieder und wir könnten mit „angemessenem“ Wetter rechnen.

Klimakrise fühlbar geworden

Auch wenn wir es uns nicht gerne eingestehen, 2022 war ein Jahr der Wetter-Extreme. Das haben viele Menschen in diesem Jahr nicht nur theoretisch, sondern auch am eigenen Leib erfahren. Die Hitze und Trockenheit hat uns und der Natur richtig zu schaffen gemacht, kaum einer sprach noch von einem „Super-Sommer“, oder freute sich über den x-ten Tag Sonne und Hitze am Stück.Leider werden diese Extreme, sollten wir das Problem nicht in den Griff bekommen, sehr wahrscheinlich weiter zunehmen.

Unsere Wettertrends und Themenseiten

Sollten Sie Interesse an weiteren Wetter-, Klima- und Wissenschaftsthemen haben, sind Sie bei wetter.de bestens aufgehoben. Besonders ans Herz legenkönnen wir Ihnen auch den 7-Tage-Wettertrend mit der Wetterprognose für die kommende Woche. Dieser wird täglich aktualisiert. Falls Sie weiter in die Zukunft schauen möchten, ist der 42-Tage-Wettertrend eine Option. Dort schauen wir uns an, was auf uns in den kommenden Wochen zukommt. Vielleicht interessiert Sie eher wie sich das Klima in den vergangenen Monaten verhalten hat und wie die Prognose für das restliche Jahr aussieht. Dafür haben wir unseren Klimatrend für Deutschland.

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(eve, mps)