Vorhersagen lassen hoffen

Frost und Kälte bringen uns verfrüht in die Heizzeit

von Björn Alexander und Oliver Hantke

Der September war so kalt wie schon seit Jahren nicht mehr. Und das ausgerechnet in dieser schwierigen Zeit, in der uns das Heizen und die Gaspreise mehr beschäftigen denn je. Zumindest aber lassen die aktuellen Trends aufhorchen.

Oben im Video: Ab wann wird es in einer unbeheizten Wohnung ungemütlich?

Kälteres Wetter bedeutet mehr Heizen. Konnten wir im letzten Jahr länger auf das Heizen verzichten?

Wetter.de-Meteorologe Björn Alexander: „Eindeutig. Denn der September 2021 brachte eine mittlere Temperatur von knapp 15,2 Grad. Der September 2022 verlief mit gut 13,4 Grad im deutschlandweiten Durchschnitt fast zwei Grad kälter.”
Damit ist der September 2022 der kühlste Septembermonat seit 2017. Wie unterschiedlich die Luftmassen insbesondere zwischen 2021 und 2022 hierbei waren, zeigt laut Alexander ebenfalls der Blick auf Deutschlands höchsten Berg auf knapp 3000 Meter Seehöhe: „Die Zugspitze vermeldete im September 2021 nur 10 Frosttage. In diesem Jahr waren es 22. Zudem brummte die Sonne im letzten Jahr im Mittel fast 175 Stunden lang.”

 Zugspitze, Zugspitzbahn, Grainau. Im Bild: Schneeferner, Munchner Haus
Auf der Zugspitze brachte der September im Vergleich zum Vorjahr 12 Frosttage mehr

Wie viele Sonnenstunden waren es denn im September 2022?

Alexander: „Da waren es nur um die 150 Stunden. Auch das bedeutet unterm Strich weniger natürliche Energie. Abgerundet wurde das herbstliche Bild, gegen das wir anheizen mussten, dadurch, dass es im Vergleich zum Vorjahr mehr als doppelt so viel geregnet hat; nämlich 37 Liter pro Quadratmeter in 2021 gegenüber gut 100 Litern pro Quadratmeter in 2022. Nach dem Dürresommer 2022 war das immens wichtig, hat aber die Heizsituation sicherlich nochmals verschärft.”

Was lässt sich denn über die Trends und Prognosen in Richtung Spätherbst und Winter sagen?

Alexander: „Derzeit bewerten die experimentellen Langfristvorhersagen des Amerikanischen Wetterdienstes NOAA die kommenden sechs Monate nach wie vor durchweg zu warm bis deutlich zu warm. In Zeiten des Klimawandels ist das ein gleichermaßen wenig überraschender wie glaubwürdiger Trend der Computerberechnungen. Denn zu kalte Monate oder gar Jahreszeiten erleben wir ja kaum noch. Allerdings können auch zu warme Winter natürlich kalte bis eisige Abschnitte beinhalten – wie im Februar 2021.”

Welche Entwicklung zeigt sich bei Regen beziehungsweise Schnee?

Auch hier sieht der Wetterexperte „die Prognosen im durchschnittlichen bis leicht zu nassen Bereich”. Unterm Strich gelte somit das Fazit: „Sowohl für den Wasserhaushalt als auch fürs Heizen eine gute Gemengelage - wenn es denn tatsächlich so kommt.”
Dann hoffen wir mal und drücken die Daumen, dass uns nicht ausgerechnet im Winter 2022/2023 Frau Holle und Väterchen Frost eiskalt erwischen.

Lese-Tipp: Mehr zu den Prognosen und Vorhersagen für den Winter 2022/2023

Entwicklung des Polarwirbels - Wintergigant bringt sich in Position

In der Vorhersage wird die Temperatur in einigen Kilometern Höhe dargestellt. Je gleichförmiger die blauen, also kalten Bereiche zusammenhängen, umso stärker ist der Polarwirbel. Werden hingegen große Lücken und mildere Einschübe in Richtung Nordpol berechnet, dann ist der Wirbel instabiler. Bei einem Polarwirbelsplit teilen sich die blauen Flächen in zwei Teile auf und könnten dadurch eisige Winterluft bis zu uns nach Deutschland kommen lassen.

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(bal, oha)