Schulsenator Ties Rabe sauer auf Hersteller

Hamburger Behörde warnt: Finger weg von diesen Tests

17.01.2022, Hessen, Frankfurt/Main: Ein positiver Corona-Schnelltest (l) liegt auf einem Tisch neben einem Corona-Schnelltest, der schwach eine positive Linie hat. Frankfurt hat als erster Kreis in Hessen eine Sieben-Tages-Inzidenz von Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner von 1000 übersprungen. Foto: Sebastian Gollnow/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Coronavirus - Positiver Schnelltest

Isolierte Kinder, genervte Eltern. Ständig fielen bei Hamburger Kita-Kindern und Schülern Corona-Tests positiv aus, obwohl tatsächlich gar keine Viren vorhanden waren. Nun hat der Hersteller reagiert und die Behörden warnen. Schulsenator Ties Rabe (SPD) schäumt vor Wut, der Senat zieht juristische Konsequenzen in Betracht.

Hamburg bekam über vier Millionen Mangel-Tests

Der Ärger über die Corona-Tests, die in den Hamburger Schulen verwendet werden, schwelt schon länger. Nun hat der Hersteller nach Angaben der Gesundheitsbehörde fehlerhafte Chargen zurückgerufen; die Hansestadt sei über einen Rückruf des Herstellers ebenfalls informiert worden. Dabei handele es sich um den Test „Genrui SARS-CoV-2 Antigen Test Kit (Colloidal Gold)“ mit den Chargennummern 20211008 und 20211125. Das teilte die Behörde am Dienstag mit. Restmengen der betroffenen Charge seien gesperrt worden. Grund für den Rückruf: die Vielzahl an falsch-positiven Ergebnissen. Der Senat prüft nun rechtliche Schritte gegen den Hersteller.

Von einer der beiden Chargen (Nr.: 20211008) seien von Oktober 2021 an rund 4,1 Millionen Schnelltests nach Hamburg geliefert und in Schulen und behördlichen Dienststellen auch verwendet worden. Vor allem an den Schulen kam es zu erheblichen Beschwerden von Eltern, Lehrkräften und Schülern. Viele Tests zeigten eine Corona-Infektion an – tatsächlich waren gar keine Viren vorhanden.

Teilweise 19 von 20 Ergebnissen falsch positiv

Nach Angaben der Schulbehörde waren an einzelnen Schulen von 20 Corona-Meldungen 19 falsch-positiv. Die Folgen für die betroffenen Schüler sowie deren Familien waren massiv: So mussten die Kinder abgeholt, isoliert und PCR-Tests gemacht werden. Erst nach einem negativen Testergebnis durften die Kinder zurück in die Schule.

Insgesamt hat Hamburg nach Angaben der Gesundheitsbehörde knapp 11,7 Millionen Tests des Herstellers beschafft, von denen rund vier Millionen in den Schulen eingesetzt wurden. Die Behörde begründete die Wahl des Herstellers damit, dass der Test unter anderem vom Paul-Ehrlich-Institut mit gut bewertet worden sei. Seit Januar setzt die Hansestadt nun auf den Schnelltest „CLINITEST“ von der Firma Siemens.

Senator Rabe erbost über "schnodderige Mail" des Herstellers

„Die fehlerhaften Tests haben Kosten in Millionenhöhe verursacht und zahllose Schulgemeinschaften und Familien mit falschen Corona-Meldungen in Angst und Schrecken versetzt“, ärgerte sich Schulsenator Ties Rabe (SPD). Es sei nicht nachvollziehbar, „dass der Hersteller nach diesen gewaltigen Problemen jetzt lediglich eine schnodderige E-Mail in alle Welt verschickt“. Er hätte eine Entschuldigung und eine faire Wiedergutmachung erwartet. „Wir werden uns mit einer lapidaren E-Mail nicht zufrieden geben“, kündigte Rabe an. Fortsetzung folgt. (dpa/nfi)