Medizinsensation aus Hamburg

Bio-Chip soll Krebstumore erkennen, bevor sie entstehen

Thomas Wüstefeld will Medizindiagnose schneller und Einfacher machen.
Thomas Wüstefeld will Medizindiagnose schneller und einfacher machen. © RTL Nord

Krebsvorsorge und Diagnostik könnte revolutioniert werden

Ein Bio-Chip aus Hamburg soll die Aktivität einer Krebszelle screenen bevor sie zur Tumorzelle wird. Das allein ist schon genial, aber es kommt noch besser. Eine Tumorzelle könnte sogar, zwei Jahre bevor sie überhaupt entsteht, erkannt werden. „Da forschen schon einige, aber wir sind ziemlich weit vorne“, erklärt Thomas Wüstefeld, Geschäftsführer der Medizintechnik-Firma MEDsan auf Anfrage von RTL.

Mammographie hinfällig

ARCHIV - Auf der Bildschirmdarstellung einer Magnetresonanz-(MR)-Mammographie ist am 04.07.2007 ein winziger Tumor in der Brust einer Patientin zu sehen. (zu dpa
Mammografie-Screening © dpa, Jan-Peter Kasper, lrei_kd_dt tba fdt fux lof

Das Projekt trägt den ambitionierten Namen „Tumor-2Y“ (Tumor minus zwei Jahre). Künstliche Intelligenz soll hierbei im Körper erkennen, wo sich eine Tumorzelle entwickelt. Schon im nächsten Herbst rechnet der Geschäftsführer mit den ersten Prototypen. „In der Regel dauert es dann noch sechs Monate bis so ein Gerät dem Patienten dienen kann“, so Wüstefeld. Fügt aber einschränkend hinzu: „Wenn wir keinen Rückfall in der Forschung bekommen.“ Das würde die Krebsvorsorge in Deutschland revolutionieren und teure und aufwendige Vorsorge-Termine wie Mammographie oder Darmspiegelung sogar unnötig machen.

Blutbild beim Arzt in 48 Minuten

Schon jetzt soll der Bio-Chip Außergewöhnliches leisten: Er erkenne alle Vitalfunktionen des Körpers, dazu gehören Blutbild, Vitaminmangel oder Hormonstatus. So soll dieser eine schnelle Analyse über den Zustand eines Körpers bieten, ein Bodycheck ganz unkompliziert ohne Labor und das in nur 48 Minuten! Ähnlich wie ein EKG, direkt in einer Arztpraxis. Dafür würde nur eine Speichel- oder Blutprobe gebraucht. Das sei bisher einzigartig in Deutschland und wahrscheinlich auch in der Welt.

Der Auslöser der ganzen Forschung ist die prädiagnostische Krebserkrankung, mit der sich das Unternehmen seit Jahren beschäftigt. Eine Alpha-Version dies Bio-Chips soll im Frühjahr nächsten Jahres kommen. Er soll neue Maßstäbe setzen. Die Zulassung dauert dann allerdings noch.

Labore nicht mehr nötig

„Und wir können dann noch sagen um welche Art der bakteriellen Infektion es sich handelt“, erklärt Wüstefeld. Damit sei eine gezielte und schnelle Diagnostik direkt beim Arzt möglich ohne dass ein Labor zwischen geschaltet sei, das noch sechs Tage für die Auswertung braucht. Das Ergebnis gebe es dann unter 30 Minuten, sagt der Geschäftsführer. So könnte auch schnell eine Blutvergiftung erkannt werden. Immerhin sterben pro Jahr fast 100.000 Patienten an einer Sepsis. „Weil man sich eine Vergiftung holt und nicht reagiert“, erklärt Wüstefeld. Den Ärzten fehle die entsprechenden Analytiken. In der Diagnostik wird es kein Qualitätsverlust geben, das Gerät sei genauso gut, wie Labore. „Vielleicht sogar besser, wegen der Reduzierung manueller Bearbeitung.“ Also mögliche Fehler im Labor durch die menschliche Bearbeitung, wie zum Beispiel eine Kontaminierung, kann verhindert werden.

Diagnostik der Zukunft

Jetzt wird das neue PCR-Gerät auf Messen, Seminaren und in der Fachpresse beworben. „So ein Gerät wird unter 10.000 Euro kosten“, sagt Wüstefeld. „Wir planen die ersten Auslieferungen Ende November.“

Patienten dürfen sich also auf eine bessere und schnelle Diagnose durch die innovativen Produkte des Hamburger Unternehmens freuen. Erst im Oktober besuchte Hamburgs Wissenschaftssenatoren Katharina Fegebank die Firma und lobte, dass forschende Unternehmen, wie MEDsan Biotech, wichtige Impulsgeber für Hamburgs Innovationsfähigkeit seien. Auch Innovationssenator Michael Westhagemann erklärte dazu: „Hier bei MEDsan Biotech sehen wir die Zukunft der Diagnostik und Wirkstoffherstellung.“ (nid)