Noch steuern wir auf 3 Grad Erwärmung zu

Grüne Ökonomie kann riesiger Wirtschaftsfaktor werden

Schulstreik für Klimaschutz: Mehrere hundert Schüler und Schülerinnen protestieren vor dem Reichstagsgebäude in Berlin
Im Kampf gegen den Klimawandel: Die EU will die Treibhausgasemissionen um 55 Prozent im Vergleich zum Jahr 1990 reduzieren. © imago/Christian Mang, Christian Mang, imago stock&people

Darum ist die CO2-Reduzierung so wichtig

Am Mittwoch erschütterte ein Bericht der Vereinten Nationen einmal mehr die Welt: Wir steuern bis Ende des Jahrhunderts auf eine Klimaerwärmung von drei Grad zu. Ein solcher Klimawandel würde nicht mehr zu beherrschende Folgen für die Menschheit und unzählige Tier- und Pflanzenarten haben. Allerdings könnten mit einiger Anstrengung die Ziele des Pariser Klimaabkommens noch erreicht werden.

Und ist die Europäische Union vorangegangen und hat bei ihrem Treffen in Brüssel eine Reduzierung der Emissionen von 55 Prozent im Vergleich zum Jahr 1990 bis 2030 beschlossen. Es ist ein wichtiger Schritt hin zum Europäischen Green Deal, den EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen letztes Jahr ankündigte.

EU kann Vorreiterrolle in Sachen Klimaschutz übernehmen

Vor 5 Jahren feierte die Welt das Pariser Klimaabkommen. Zum ersten Mal hatten sich die Staaten vertraglich verpflichtet, Klimaschutz zu leisten. Das Pariser Abkommen will die Erderwärmung auf 1,5 bzw. deutlich unter 2 Grad begrenzen. Nun gilt es – so ist es im Vertrag vorgesehen – nachzubessern. Das Treffen in Brüssel ist die letzte Möglichkeit dazu. International würde der Beschluss eines neuen, ambitionierten EU-Klimaziels eine Vorreiterrolle der EU in Sachen Klimaschutz bedeuten.

Es ist schon viel geschehen, bzw. es ist viel angeschoben worden. So geht etwa die Kohleverstromung weltweit zurück. Kohle ist die schmutzigste aller Energieformen.

Grüne Ökonomie kann ein riesiger Wirtschaftsfaktor werden

Windraeder zeichnen sich ab im Abendlicht bei Oschersleben
Es gibt viele Wege, CO2 einzusparen. © imago images/photothek, Florian Gaertner/photothek.de via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Allein der Wahlsieg von Joe Biden und die damit verbundene Ankündigung der USA in das Klimaabkommen zurückzukehren, hat der Bewegung eine neue Dynamik verliehen. Länder wie China, Japan, Südafrika, Südkorea und Kanada haben sich wie die EU der Klimaneutralität bis 2050 verschrieben und unzählige Unternehmen sehen im Klimaschutz nicht mehr eine Wachstumsbremse.

Im Gegenteil: Mehr als 200 Unternehmen und Investoren in ganz Europa stehen voll hinter dem 55-Prozent-Ziel. Dazu zählen global Player wie Microsoft, IKEA, H&M, Google und Apple. Auch Regionen und Städte haben sich diesem Ziel verschrieben. Denn: Eine grüne Ökonomie kann ein riesiger Wirtschaftsfaktor werden. So könnten im kommenden Jahrzehnt 35 Millionen neue Arbeitsplätze in dieser Sparte entstehen, wie die Unternehmensberatung SYSTEMIQ berechnet hat.

Auch positiv: Bis 2030 könnten 70 Prozent der aktuellen Emissionen in Industrie, Verkehr und Landwirtschaft durch Niedrig- und Nullemissionstechnologien ersetzt werden. Momentan sind dies nur etwa 25 Prozent.

"Ein Großteil der deutschen Wirtschaft möchte diese Chance ergreifen"

Michael Otto, Vorstandsvorsitzender der Otto Group
Auch große Unternehmen wie die Otto Group stehen hinter dem Klimaplan der EU. © dpa, Maurizio Gambarini

Laurence Tubiana, die Architektin des Pariser Klimaabkommens von 2015, nimmt die EU in die Pflicht: "Die Zeit ist gekommen. Wir müssen zeigen, dass Europa dem Geist des Pariser Abkommens verpflichtet ist. Die Augen unserer Bürger und der Welt richten sich auf Europa.“

Auch die deutsche Wirtschaft steht hinter den Reduktionsplänen: „Klimaneutralität made-in-Europe als neues Qualitätssiegel einer Innovations- und Wachstumsstrategie im globalen Wettbewerb: Ein Großteil der deutschen Wirtschaft möchte diese Chance ergreifen“, sagte Michael Otto, Präsident der „Stiftung 2 Grad“ und Aufsichtsratsvorsitzender der Otto Group.

Und Lidia Wojtal vom Thinktank Agora Energiewende bekräftigt: „Es steht außer Frage, dass die Umsetzung des Europäischen Green Deals weitergeht - unabhängig davon, was das Ergebnis dieses Europäischen Rates sein wird. Der Plan steht, und die Mehrheit der Mitgliedstaaten ist entschlossen, in die Umsetzung zu gehen und damit den Boden für einen grünen und robusten Wiederaufbau zu bereiten."