Großer Gletscherrückgang in den Alpen: Skigebiet am Kitzsteinhorn verliert massiv Eismasse

Gletscherrückgang am Kitzsteinhorn 2017: zwei Meter Eismasse

Der Gletscherrückgang macht den Skigebieten in den Alpen zu schaffen. "Wir haben im Jahr 2017 über unser gesamtes Gletschergebiet circa zwei Meter an Eismassen eingebüßt", erklärt Günther Brennsteiner, Technischer Leiter am Kitzsteinhorn im Interview. Der 3.203 Meter hohe Gipfel im Skigebiet Zell am See (Kaprun) war über Jahrzehnte als ganzjähriges Skifahrer-Mekka bekannt. Bereits seit 2008 stehen die Ski-Lifte wegen des massiven Gletscherrückgangs in den Sommermonaten still.

"Wir wünschen uns ganz viel Schnee in den Herbstmonaten"

Am Kitzsteinhorn wird der Gletscher von einem umfangreichen Forschungsprojekt beobachtet. Der Gletscherhöchststand sei um das Jahr 1850 zu verzeichnen gewesen, erklärt Günther Brennsteiner. "Der Gletscherrückgang ist besonders in den letzten 40 Jahren sehr markant." Dafür ist nach Angaben des Technischen Leiters am Kitzsteinhorn der Klimawandel verantwortlich, der sich besonders durch verstärkte Sonneneinstrahlung und Regen- statt Schneefälle bis in die höchsten Lagen bemerkbar macht.

Die Skisaison hat am Kitzsteinhorn Ende Oktober begonnen. "Wir wünschen uns ganz viel Schnee jetzt in den Herbstmonaten", sagt Brennsteiner. Jetzt helfe Neuschnee für das ganze Jahr am meisten gegen die Gletzerschmelze.

Gletscher in der Schweiz sind nicht mehr zu retten

In der Schweiz hat der Gletscherrückgang dramatische Ausmaße: Experten rechnen damit, dass bis zum Jahr 2100 80 bis 90 Prozent der Eismassen schmelzen. Die Gletscher in der Schweiz sind demnach nicht mehr zu retten. "Eine Verlangsamung der Erderwärmung kommt für die Schweizer Gletscher zu spät", sagte Glaziologe Matthias Huss dem 'Tages-Anzeiger'.

Das Schweizer Bundesamt für Umwelt (Bafu) erklärte, in der Schweiz sei der Klimawandel besonders stark zu spüren. Die Durchschnittstemperatur ist laut Bafu seit 1984 um zwei Grad gestiegen. Das sei mehr als doppelt so stark wie im weltweiten Durchschnitt, erklärte Bafu-Direktor Marc Chardonnens. "Die Alpengletscher schmelzen, der Permafrost wird durch Erwärmung instabiler und Hitze- und Trockenperioden werden häufiger", so Chardonnens. Direkte Folge davon sind Berg- und Felsstürze, wie im August, als dabei Wanderer getötet und Häuser verschüttet wurden.