Anwohner sind schockiert

Mysteriöses Massensterben von Meerestieren - Tausende an Nordost-Küste geschwemmt

Eine Spaziergängerin hatte am Strand von Teesside diese Aufnahmen gemacht. Seit Wochen schon werden Anwohnern zufolge jeden Tag weitere Tiere angespült.
Eine Spaziergängerin hatte am Strand zwischen Marske und Saltburn diese Aufnahmen gemacht. Seit Wochen schon werden Anwohnern zufolge jeden Tag weitere Tiere angespült. © Facebook/Sharon Bell

Tote Meerestiere türmen sich "hüfthoch" am Strand

Tote und lebende Krebse, Hummer, Seesterne, Fische und viele verschiedene Arten von Krustentieren sind an den Stränden zwischen Marske und Saltburn (Großbritannien) angespült worden. Die Umweltbehörde hat eine Untersuchung des Vorfalls eingeleitet, um zu prüfen, ob womöglich Umweltverschmutzung schuld an dem Massensterben sein könnte.

Bewohner der Küstengegend geschockt und wütend

Anwohnerin Sharon Bell, die den Strandabschnitt bei Marske-by-The-Sea täglich in Richtung Saltburn abläuft, sagte dem „Daily Mirror“, die Zahl der angespülten Tiere sei in den vergangenen zwei Wochen stetig gestiegen. Dies sei der schlimmste Fall, den sie je erlebt habe.

Am Montagmorgen wollte sie dort eigentlich den Sonnenaufgang fotografieren, als sie und ihr Mann Christopher auf die verendeten Meeresbewohner gestoßen seien. Die 48-Jährige fotografierte das Elend und stellte die Bilder bei Facebook online. Wie „TeessideLive“ berichtet, seien ähnliche Funde auch in Seaton Carew und weiter nördlich in Seaham gemacht worden.

"So etwas habe ich noch nie zuvor gesehen“

Algen mit verendeten Meerestieren türmen sich
Algen mit verendeten Meerestieren türmen sich "hüfthoch" am Strand zwischen Marske und Saltburne. © Facebook/Sharon Bell

Die 48-Jährige und ihr Mann hätten vier Stunden damit zugebracht, noch lebende Tiere zurück ins Meer zu setzen. Sie sei „zutiefst schockiert und traurig“ gewesen. An manchen Stellen hätten sich „hüfthoch Algen getürmt, in denen „Tausende von toten und lebenden Krabben und Hummern aller Arten und Gattungen“ hingen, sagte sie dem „Mirror“.

„So etwas habe ich noch nie zuvor gesehen“. Dabei lebe Bell bereits seit 21 Jahren in der Gegend, selbst nach Hochwasser oder Stürmen habe sie nie derartige Szenarien beobachtet.

Labore untersuchen Proben, um Ursache für das Massensterben zu klären

Ein Bild des Jammers: statt des Sonnenaufgangs hatte Sharon Bell am Strand von Teesside (Großbritannien) Fotos von verendeten Meerestieren gemacht, die zu Tausenden angespült worden waren.
Ein Bild des Jammers: statt des Sonnenaufgangs hatte Sharon Bell am Strand von Teesside (Großbritannien) Fotos von verendeten Meerestieren gemacht, die zu Tausenden angespült worden waren. © Facebook/Sharon Bell

Ein Sprecher der Umweltbehörde sagte „TeessideLive“, dass Umweltverschmutzung für das massenhafte Sterben verantwortlich sein könnte. Man arbeite mit diversen Behörden und Partnern zusammen. „Es wurden Proben vom Wasser, dem Sediment, Muscheln und Krebsen gesammelt und für Analysen in unsere Labore geschickt, um herauszufinden, ob ein Verschmutzungsvorfall zu dem Tod der Tiere geführt haben könnte.“ Es werde zudem geprüft, ob möglicherweise auch eine Krankheit hinter dem Massensterben steckt.

Starben die Tiere, weil das Meer von Abwasser verseucht ist?

Auch größere Fische lagen tot am Strand.
Auch größere Fische lagen tot am Strand. © Facebook/Sharon Bell

Die Wut der Bewohner ist groß, vielen machen ihrem Ärger in den sozialen Medien Luft, fordern einen besseren Schutz des Meeres und der Küstenregion. Inzwischen hat sich auch die Politik eingeschaltet. Jacob Young, konservativer Politiker im Wahlkreis Redcar, sagte, er werde das Thema „so lange im Parlament besprechen, bis die Ursache identifiziert ist“.

Gleichzeitig wird seit Wochen hitzig darüber diskutiert, ob die Mengen an Abwasser, die Unternehmen etwa in Flüsse leiten, in der Gegend begrenzt werden sollte, um die Küstenlinien zu schützen. Das Parlament hatte nach einem Bericht von „TeessideLive“ kürzlich mehrheitlich gegen einen Gesetzesentwurf gestimmt. Der hätte die Ableitung von Abwasser in bestimmten Gegenden, etwa in Hartlepool und Redcar massiv begrenzt – unter den Gegnern war auch Young. Er und andere Abgeordnete aus dem Ballungsraum Teesside im Nordosten Englands argumentierten dem Bericht zufolge, dass es bereits Schutzmaßnahmen gebe und neue Maßnahmen Milliarden kosten würden. Ob ein Zusammenhang zwischen den Abwässern und dem aktuellen Tiersterben besteht, müssen nun die Untersuchungen zeigen. (cwa)