Grönlands Klimawandel in Flaschen: Schwachsinn oder sinnvoll?

ARCHIV - 15.08.2019, Grönland, Kulusuk: Ein kleines Boot schwimmt inmitten eines Eisbergfeldes. Das besonders vom Klimawandel betroffene Grönland will sein Schmelzwasser einem Medienbericht zufolge zu einem Exportprodukt machen und an kommerzielle Un
Grönland will mit exportiertem Schmelzwasser Geld machen. © dpa, Felipe Dana, FD WM hen wst fgj

Schmelzwasser gegen die Wasserknappheit

Die unerwartet schnell schmelzenden Eisschilde in Grönland haben dessen Energieminister Jess Svane auf eine eher ungewöhnliche Idee gebracht. Dieser plant mit dem Schmelzwasser die Finanzen von Grönland aufzubessern und gleichzeitig die Wasserknappheit in der Welt zu verringern.

Von 16 ausgeschriebenen Lizenzen zur Wassergewinnung, seien sogar schon neun an kommerzielle Unternehmen vergeben. ​Diese sollen damit einen Weg finden, wie sie das Wasser fördern und vertreiben. Wo das Wasser vertrieben werden soll, ließ Svane in einem Interview mit dem Tagesspiegel offen. Es sei „ihre Sache, welche Märkte sie mit dem Wasser anstreben“.

Alles nur eine Schnapsidee?

ARCHIV - Ein riesiger, tropfender Eisberg in der Disko-Bucht in Grönland im Licht der Abendsonne (Archivfoto vom 13.08.2006). Am Freitag (02.02.2007) wird in Paris der neue Bericht des UN-Klimarats (IPCC) vorgestellt. Foto: Hinrich Bäsemann  +++(c) d
Ein Eisberg an Grönlands Küste im Abendlicht: Öl-Probebohrungen im Westen des Landes waren nicht sehr erfolgreich. © dpa, C3066 Hinrich Bäsemann

Das klingt ein wenig nach einer Schnapsidee. Das Vorhaben gehört jedoch zu einer ganzen Reihe fragwürdiger Entscheidungen, die die grönländische Regierung beim Umgang mit dem Klimawandel zuletzt getroffen hat.

Eines dieser Vorhaben war es, Ölfirmen zu Probebohrungen einzuladen. Das hat sich allerdings wohl wieder zerschlagen, denn nur wenige Ölunternehmen übernahmen eine der Suchlizenzen. Das schottische Unternehmen Cairn gab seine nach einer erfolglosen Probebohrung in der Baffin-Bucht im Westen zwischen Grönland und Kanada wieder zurück — sie waren nicht die einzigen Gesellschaften, die das taten.

Das schmelzende Eis spielt den Grönländern in die Karten, bei ihrem Versuch sich unabhängiger vom Mutterland Dänemark zu machen. Es legt Bodenschätze frei. Neben Mineralien auch seltene Erden und Uran. Letzteres spaltete allerdings die Bevölkerung und rief neben der dänischen Regierung auch etliche Umweltverbände auf den Plan. Da ist das letzte Wort wohl noch nicht gefallen.

Klimaunfreundlicher Transport

ARCHIV - 13.07.2018, Grönland, Innaarsuit: Ein Eisberg schwimmt vor der grönländischen Küste am Dorf Innaarsuit vorbei. Politiker in Dänemark haben mit Verwunderung und Kritik auf das angebliche Interesse von US-Präsident Donald Trump an einem Kauf G
US-Präsident Trump hat Interesse an einem Kauf Grönlands geäußert © dpa, Karl Petersen, mje@ritzau.dk tli lof jai

Die neueste Geschäftsidee, die Energieminister Jess Svane präsentiert, ist nun also der Verkauf von Schmelzwasser. Doch wenn man die Idee weiterdenkt, müssten die beauftragten Firmen das Wasser ja auch irgendwie gewinnen und sammeln. Es ist zwar eine witzige Vorstellung, sich ein paar Menschen mit leeren Flaschen vor einem schmelzenden Gletscher vorzustellen, die tropfenweise das begehrte Nass einfangen, doch auch sehr unwahrscheinlich. 

Es werden wohl Maschinen gebraucht, und auch die lassen sich nicht von Luft und Liebe antreiben. Selbst wenn das noch relativ nachhaltig betrieben werden könnte, so bliebe noch die Frage nach dem Transport zu klären. Per Hundeschlitten werden die abgefüllten Flaschen wohl kaum in die von Wasserknappheit betroffenen Gebiete gelangen. Eher wahrscheinlich ist der Transport per Flugzeug oder Schiff. Beides nicht gerade dafür bekannt, sehr klimafreundlich zu sein. 

Reichtum nicht in Sicht

Ob sich mit dem Geld ein wenig mehr Unabhängigkeit von Dänemark erkaufen ließe? Wohl eher nicht, denn das Wasser müsste zu einem hohen Preis verkauft werden. Allerdings sind die Menschen, die sich diese Preise leisten könnten nicht von Wasserknappheit bedroht. Zumindest nicht mittelfristig. Reich wird das Land davon also eher nicht. Ein Verkauf des Grönlands an die USA, wie dessen Präsidenten Donald Trump vorschwebte, wäre da wohl sinnvoller. Doch auch der ist eher durch Schnapsideen aufgefallen.