Neue Studie zeigt, wie die Brut leiden kann

Wie Glyphosat das Überleben der Hummeln erschwert

von Oliver Scheel

30.04.2019, Berlin: Eine Hummel sitzt auf einer Blüte eines Apfelbaums und sammelt Nektar. Foto: Wolfgang Kumm/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Viel wurde geschrieben über das Insektensterben. Dass sich unsere Landwirtschaft radikal verändern muss, weiß auch die Politik. Allerdings ist die Veränderung schwer, da die großen Pharma- und Nahrungsmittelplayer in der Politik bestens vernetzt sind. Unvergessen der Auftritt der damaligen Ministerin für Ernährung und Landwirtschaft, Julia Klöckner, die sich als eine Art Werbefigur für Nestle hergab.

Auch das Glyphosatverbot wurde immer wieder aufgeweicht, obwohl längst bekannt ist, welch verheerende Folgen es für Insekten, auch unsere Bienen, hat. Eine neue Studie hat nun die Folgen von Glyphosat für Hummeln untersucht.

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Temperatur im Nest kann nur schlecht hoch gehalten werden

Das zentrale Ergebnis: Hummeln können deutlich schlechter die Temperatur in ihrem Nest aufrechterhalten, wenn sie über ihr Futter Glyphosat aufnehmen und gleichzeitig nicht ausreichend Nahrung finden. Das Stichwort hier ist die so genannte Thermoregulation, die nicht mehr aufrecht erhalten werden. Die ist aber wichtig für das Überleben der Hummelvölker, weil ihre Brut sich nur in einem bestimmten Temperaturbereich optimal entwickeln kann. Das Team um Anja Weidenmüller von der Universität Konstanz hat für ihre Untersuchung mit der weit verbreiteten und im Tomatenanbau auch kommerziell wichtigen Dunklen Erdhummel (Bombus terrestris) gearbeitet. Die Studie erschien im Fachjournal „Science“.

Glyphosat ist das weltweit am meisten eingesetzte Pflanzenschutzmittel. Es hat großen Einfluss auf andere Lebewesen und kann daher ganze Ökosysteme verändern.

"Negativer Einfluss auf Lebensdauer von Insekten"

Eine Hummel sucht am 19.03.2015 nach Nektar in einem blühenden Krokus in Sieversdorf im Landkreis Oder-Spree (Br
Hummeln leiden, wenn ihr Nahrungsangebot begrenzt ist und sie zudem Glyphosat mit der Nahrung aufnehmen.

Da Hummeln einjährig sind – es überwintert nur die Königin – können schon kurzzeitig auftretende schlechte Bedingungen massive Auswirkungen auf die Überlebenschancen einer ganzen Kolonie haben. Die Temperatur im Nest konstant hoch zu halten, ist entscheidend für das Überleben der Hummelkolonie. Durch Kontraktion ihrer Muskulatur erzeugen die Tiere die benötigte Wärme und halten das Nest so im idealen Temperaturbereich zwischen 28 und 35 Grad Celsius. Dieser Prozess ist sehr energieintensiv, das bedeutet, die Futterversorgung muss ausreichend sein.

Für ihre Studie haben die Forschenden 15 Hummelkolonien untersucht. Es zeigte sich, dass die Hummeln aus den mit Glyphosat behandelten Gruppen generell dazu neigten, weniger Zeit in die Bebrütung zu investieren. Wurden die Völker ausreichend gefüttert, zeigte sich kein Unterschied in der durchschnittlichen Nesttemperatur zwischen den beiden Seiten des Nestes. Bei Nahrungsbeschränkung jedoch traten deutliche Unterschiede zu Tage: die mit Glyphosat-haltigem Zuckerwasser gefütterten Kolonieseiten konnten die mittlere Nesttemperatur nur in drei Viertel der Zeit über 28 Grad Celsius zu halten im Vergleich zu den anderen Kolonien.

„Hummeln legen nur geringe Vorräte an und sind daher auf ein kontinuierliches Nektar- und Pollenangebot angewiesen. Sollte eine Anwendung von Glyphosat erst zu einer verminderten Thermoregulation eines Hummelvolks – direkter Effekt von Glyphosat – und dann zu einer Reduzierung des Nahrungsangebots – indirekter Effekt von Glyphosat durch das Abtöten blühender Pflanzen – führen, wäre das Hummelvolk doppelt betroffen“, sagte Dr. Ulrich Ernst von der Landesanstalt für Bienenkunde der Universität Hohenheim.

„Diese Ergebnisse zeigen erstmals, dass ein Herbizid wie Glyphosat eine ähnlich schädliche Wirkung auf die Temperaturregulation von Hummeln hat, wie es von Insektiziden – namentlich den Neonicotinoiden – bekannt ist. Diese Ergebnisse sind ein weiterer Beleg dafür, dass nicht nur Insektizide, sondern auch Herbizide und Fungizide einen negativen Einfluss auf Vitalität, Lebensdauer und Reproduktion von Insekten haben können“, beurteilte Prof. Teja Tscharntke von der Georg-August-Universität Göttingen die Studie.

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(osc)