Es wird sehr, sehr teuer

Wenn der Permafrost taut: Regionale Infrastruktur und weltweites Klima kaputt

von Claudia Träger

In den kalten Klimazonen und im Hochgebirge ist es teils so kalt, dass der Boden auch im Sommer gar nicht auftaut. Oder nur die oberen Schichten. Die Erderwärmung lässt aber die dauerhaft gefrorenen Böden immer tiefer auftauen. Die Umgebung verliert an Stabilität, Häuser und Straßen sacken ab. Auch Gebiete, in denen Erdgas gefördert wird, sind betroffen. Eine dramatische und gefährliche Veränderung, weitere Umweltkatastrophen sind zu befürchten.

Im Video: Was ist Permafrost? Wo gibt es Permafrost? Was passiert, wenn er taut?

Tauende Permafrost-Böden - Schäden an Straßen, Häusern, Pipelines

Eine internationale Forschergruppe um Jan Hjort von der University of Oulu (Finnland) warnt im Fachjournal Nature Reviews Earth & Environment: „30 bis 50 Prozent der Gebäude und Infrastruktur-Einrichtungen in den Permafrost-Gebieten sind bis 2050 von Schäden verschiedener Schweregrade bedroht“. Aber was geht uns das in Deutschland an? Wohnen da nicht sowieso kaum Menschen?

Russland ist besonders vom Tauen des Eises in der Tiefe betroffen. In fast zwei Dritteln des Landes gibt es Permafrost-Böden. Betroffen von Schäden sind jetzt schon viele Gebäude, Straßen, Eisenbahnstrecken, Landepisten und Pipelines. Im Jahr 2018 berichteten die Forscher der Universität Oulu: „45 Prozent der global bedeutenden Öl- und Gasförderstätten der russischen Arktis liegen in solchen Gebieten mit hohem Risiko.“ Die Rohre könnten lecken oder sogar auseinander brechen. Das austretende Öl und Gas würde die Umwelt verseuchen. Die Versorgung vieler Länder mit Erdgas und Öl wäre in Gefahr.

Wenn der Boden nicht mehr steinhart gefroren ist

Durch den Klimawandel tauen die Permafrost-Böden immer tiefer auf.
Tauende Permafrost-Böden gefährden die Infrastruktur der eiskalten Regionen - und das Klima auf der ganzen Erde. © dpa, SBCGlobal, kd_pgu vco

Klimawandel ist unvorstellbar teuer - Menschen werden sich wohl anpassen

Riesige Summen für Reparaturen der Infrastruktur und für Ersatz von Wohnhäusern müssten in den nächsten Jahrzehnten aufgebracht werden, errechneten die Wissenschaftler. Sie berichten jedoch auch von verschiedenen technischen Maßnahmen, mit denen Schäden verringert oder sogar vermieden werden können. Die einen führen Wärme aus dem Untergrund ab, die anderen verringern die Wärmeaufnahme im Sommer. Auch hier würden immense Kosten entstehen.

Ist das Tauen denn noch zu stoppen? Vladimir Romanovsky, Permafrost-Experte an der Universität von Alaska in Fairbanks, sagte im Sommer 2021 der NZZ: „Tatsächlich können wir wenig ausrichten. Der Permafrost schwindet wegen der globalen Erwärmung, und die internationalen Maßnahmen dagegen sind viel zu langsam. Auf lange Sicht werden sich die Menschen aber an die neuen Umstände anpassen, das war schon immer so in der Evolution. Allerdings werden die Menschen, die ohnehin schon in schwierigen Umständen leben, also in den kältesten und in den heißesten Regionen der Erde, am härtesten getroffen.“

Darum sind Permafrost-Böden außerdem so wichtig


  • Sie sind riesige Kohlenstoffspeicher. Beim Auftauen wird CO2 und Methan frei. Die globale Erwärmung verstärkt sich.
  • In manchen Regionen haben giftige oder radioaktive Abfälle den Boden verseucht, was wegen des Dauerfrostes bisher unproblematisch war.
  • Uralte Bakterien, die teilweise resistent gegen Antibiotika sind, können durch das Tauen wieder zum Leben erweckt werden. Vereinzelte Vorfälle gab es schon.


Tauender Dauerfrostboden macht also nicht nur ein paar Straßen in dünn besiedelten Regionen kaputt, sondern betrifft das Klima und die Menschen weltweit. Deswegen ist Permafrost eines der Top-Themen in der Klimaforschung.

Der Permafrost taut auch in den Alpen

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(mit dpa)