Giftiges PCB in Geflügel: Das sollten Sie jetzt wissen!

Giftiges PCB in Geflügel
Giftiges PCB in Geflügel Skandal in Mastbetrieben 01:22

Was steckt dahinter und welche Folgen hat das?

Fipronil im Ei, Keime im Mett – und jetzt reihenweise gesperrte Mastbetriebe in Niedersachsen, NRW und weiteren Bundesländern nach dem Fund von giftigem PCB im Geflügelfleisch. Was steckt dahinter und welche Folgen hat das? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Wie kamen die Lackreste ins Hühnerfutter?

Bereits im Oktober machten Veterinäre bei Routine-Kontrollen in einem Mastbetrieb im Kreis Paderborn einen auffälligen Fund: Bei einer Geflügelfleisch-Probe stellten sie zu hohe Werte eines giftigen PCB-Gemischs im Fettgewebe des Tieres fest. Untersuchungen der Behörden ergaben, dass das Gift aus mehreren hundert Tonnen Futtermittel des Herstellers "Agravis" stammt, der viele Höfe beliefert.

Das PCB soll von Lackabsplitterungen zweier Verladezellen des Unternehmens am Standort im ostwestfälischen Minden in das Futter gelangt sein. Polychlorierte Biphenyle, kurz PCB, sind giftige Substanzen, die nur sehr schwer abbaubar sind.

Gibt es eine Gefahr für Verbraucher?

Die Behörden versichern, dass es keine akute gesundheitliche Gefahr gab oder gibt. Die gefundenen Konzentrationen des Stoffes seien so gering, dass sie keinen Schaden anrichteten. Eine Veterinärin sprach zum Vergleich von "einem Stück Würfelzucker im Bodensee". Weshalb der Verzehr von PCB trotzdem nicht unbedenklich ist, erklärt unser Experte im Video.

Das belastete Fleisch sei vorsorglich aus dem Verkehr gezogen worden, da gesetzlich geregelte Höchstmengen gelten, wie die Behörden betonen. Das Stoffgemisch sei in der Natur, ebenso wie im Körper, sehr schwer abbaubar.

Wie viele Mastbetriebe sind betroffen?

Dutzende Höfe wurden vorsorglich gesperrt. Allein in Niedersachsen sprach das Agrarministerium von mehr als 27 betroffenen Betrieben. In NRW seien sogar 41 Geflügelbetriebe gesperrt worden, teilte das zuständige Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) mit. Per detektivischer Kleinarbeit verfolge man die Lieferwege des Futters und sei damit beschäftigt, bei betroffenen Höfen Proben zu analysieren. Auch einzelne Höfe in Ostdeutschland und Hessen seien betroffen.

Wie gehen die Behörden jetzt vor?

Durch verstärkte amtliche Kontrollen soll verhindert werden, dass Geflügelprodukte - Fleisch und Eier - in den Handel gelangen. Betroffenes Geflügel soll aus dem Verkehr gezogen werden. Dabei könnte es um große Mengen gehen: Allein in einem Betrieb im niedersächsischen Nienburg wurden bei 4.000 Puten überschrittene Höchstwerte festgestellt.

Der Futtermittelhersteller "Agravis" bedauerte den Vorfall und tauschte bereits gelieferte Ware gegen unbedenkliches Futter aus. Das belastete Futter wurde zerstört.

Immer wieder verunsichern Lebensmittelskandale die Verbraucher

Schlagzeilen gab es in ganz Europa um den Pferdefleisch-Skandal. Auch das Gift Dioxin hat in der Vergangenheit seinen Weg über gepanschtes Futtermittel in Eier gefunden. Riesige Ausmaße erreichte 2017 auch der Fipronil-Skandal. Damals war das Insektizid Fipronil über ein Reinigungsmittel in die Nahrungskette gelangt.

Millionen belastete Eier waren in mindestens 45 Ländern aufgetaucht und aus dem Verkehr gezogen waren, auch in 26 der 28 EU-Staaten.

Quelle: dpa/RTL