"Zum Abfackeln freigegeben"

Gießen: Klima-Aktivisten sollen 150 Autos mit roten Kreuzen markiert haben

Das Foto zeigt die Markierungen der Autos in Gießen
150 Fahrzeuge wurden in Gießen mit einem Kreuz markiert. © Polizeipräsidium Mittelhessen

Streit um die Rodung des Dannenröder Forstes: Angebliche Klima-Aktivisten bedrohen Autobesitzer

Der Streit um die Rodung des Dannenröder Forstes scheint eine neue Eskalations-Stufe erreicht zu haben. In Gießen wurden rund 150 hochwertige Autos mit einem „X“ in roter Farbe markiert. Bekenner gaben in einem Schreiben an, dass es sich bei den Markierungen um „Freigabemarkierungen zum Abfackeln“ handele, sofern die Räumung im Dannenröder Forst beginne.

Mehrere Medien erhalten Bekennerschreiben

Polizei-Foto zeigt die Markierungen auf den Gießener Autos
Die Kreuze sollen als Metapher für die markierten Bäume im Dannenröder Forst stehen. © Polizeipräsidium Mittelhessen

Nach Angaben der Polizei ging bei verschiedenen Medien am Morgen eine Mail ein, in der sich eine „solidarische autonome Kleingruppe“ zu den Sachbeschädigungen bekannte. Aus diesem Schreiben geht hervor, dass sich die Unbekannten die Nummernschilder der 150 mit Lack markierten Fahrzeuge notiert hätten. Im Schreiben ist die Rede von "großspurigen Karren“ oder von „Dreckschleudern“. Die Autos sollen symbolisch als Metapher für die markierten Bäume im Dannenröder Forst stehen und „abgefackelt werden“, sofern die Rodung des Forstes beginnt.

Die Rodung des Dannenröder Forstes ist nach aktuellen Erkenntnissen für Oktober geplant. Die A49 soll nach der Fertigstellung Kassel und Gießen verbinden.

Polizei in Gießen sucht Zeugen

In diesem Zusammenhang ist die Gießener Polizei auf der Suche nach Zeugen. Wer in der Nacht von Montag auf Dienstag im Gießener Stadtgebiet Beobachtungen im Zusammenhang der Markierungen mit den Autos machen konnte, wird gebeten, sich bei der Gießener Polizei unter der Nummer 0641/7006-3755 melden.

Stimmung im Dannenröder Forst kocht hoch

Erst zu Beginn der Woche gab es im Dannenröder Forst eine Auseinandersetzung zwischen Polizeibeamten und Klimaaktivisten. Drei Aktivisten hatten am Montagvormittag eine Planierraupe besetzt. Unklarheiten gibt es jetzt darüber, wer und wie viele durch die Auseinandersetzungen verletzt wurden. Sowohl Aktivisten als auch Polizisten ziehen jeweils eine eigene Bilanz.

Nach Angaben der Polizei wurden in Zuge der Maßnahmen am Montag fünf Personen vorläufig festgenommen. Zu Schaden soll niemand gekommen sein, lediglich ein Beamter „verletzte sich leicht am Finger“, wie die Polizei in Gießen mitteilt. Diese Verletzungen seien allerdings nicht im Zug der ergriffenen Maßnahmen entstanden. Bis zum Abschluss des Einsatzes sollen keine gesicherten Erkenntnisse zu verletzten A49-Gegnern vorliegen.

Die Aktivisten im Dannenröder Forst hingegen haben eine eigene Bilanz des Polizeieinsatzes aufgestellt. Auf Twitter schreiben sie: „Nach der erfolgreichen Blockade des Baggers über den Tag eskaliert die Polizei und schlägt auf Aktivist_Innen ein. Bisheriger Stand: - 1 blutige Nase - 1 Ellenbogen - 1 geprellte Hüfte - 1 Kopfverletzung - 1 Ohnmacht.“