Geht uns das Wasser aus?

Trinkwasserknappheit in Deutschland - die versteckte Dürre

 Durch die anhaltende Trockenheit bilden sich Risse im Ackerboden auf einem Feld in Hofheim, Hessen, Deutschland *** Due to the persistent drought, cracks form in the arable soil of a field in Hofheim, Hesse, Germany.
Trockenheit in Deutschland wird immer normaler. © imago images/Ralph Peters, Ralph Peters, via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Trockenheit sorgt für Probleme - wird uns jetzt das Wasser knapp?

Man sieht sie nicht, aber sie ist trotzdem da - die Trockenheit in den Böden. Sie ist so existent, so bedrohlich, dass Armin Schuster, der Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe zum umsichtigen Umgang mit Wasser aufgerufen hat.

Problem Trinkwasserknappheit und sinkende Grundwasserspiegel

„Ich will keinen Alarm schlagen, dazu ist es noch zu früh. Aber ein ressourcenschonender, nachhaltiger Umgang mit Wasser sowie eine erhöhte Selbstschutz- und Selbsthilfefähigkeit in der Bevölkerung bei extremen Wetterlagen ist bereits heute sehr angezeigt“, sagt Schuster.

Im vergangenen Sommer waren in einzelnen Orten die Grundwasserbrunnen zeitweise leer gelaufen, zur Überbrückung wurde eine Notversorgung eingerichtet.

„Es gibt schon die eine oder andere Gemeinde, die mit dem Problem Trinkwasserknappheit konfrontiert ist, gepaart mit einem sinkenden Grundwasserspiegel und in Konkurrenz zur Landwirtschaft“.

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Bodentrockenheit in Deutschland: Das Problem liegt in der Tiefe

Die Bodentrockenheitskarte von Deutschland ist besorgniserregend.
Dürremonitor der UFZ: Die Bodentrockenheit in 1,8 Meter Tiefe ist besorgniserregend. gelb = ungewöhnlich trocken beige = moderate Dürre orange = schwere Dürre rot= extreme Dürre dunkelrot = außergewöhnliche Dürre

Zur Erklärung: Das Grundwasser fließt in unterschiedlichen Tiefen. Je näher man am Wasser ist, desto näher ist man auch dem Grundwasser. Es gibt teils Stellen, wie beispielsweise auf der schwäbischen Alb, wo das Grundwasser zwischen zehn und 100 Meter tief fließt. Ebenso in der Tiefe liegt das Problem. Während der Oberboden und damit das Wasser, das für die landwirtschaftlichen Pflanzen verfügbar, oft ausreichend feucht ist, sieht es in der Tiefe der Böden dramatisch aus. Es fällt, trotz der derzeitigen Niederschläge, zu wenig Regen, um die Speicher im Untergrund aufzufüllen. Dieses Wasser ist notwendig, um beispielsweise Bäume zu versorgen.

Wir bräuchten zwei bis drei feuchte Jahre, um die Wasserdefizite wieder auszugleichen.

Was, wenn das Trinkwasser knapp wird?

Falls auch in diesem Jahr das Trinkwasser knapp würde, hält das Bundesamt für Katastrophenschutz Mittel für die Sanierung von Trinkwassernotbrunnen, für Verbundleitungen und die Notstromversorgung der Wasserversorger bereit. „Das Risiko Wasserknappheit ist ohne Zweifel da. Doch mindestens ebenso groß ist die Gefahr von Wald- und Vegetationsbränden und extremen Wetterwechseln, auch darauf stellen wir uns ein.“, so der Amtsleiter.

Wälder ohne Bäume

Waldsterben im Harz: Unser Wald trocknet aus.
Sind Sie in den letzten Monaten mal an kahlgeschlagenen Waldstücken vorbeigefahren? Die Bäume sind teils so trocken geworden, dass sie absterben oder dem Borkenkäfer zum Opfer fallen. © imago images/Jan Eifert, Florian Karlstedt via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Talsperren in Deutschland sind gut gefüllt

Die Talsperren-Füllstände der Harzwasserwerke sind nicht besorgniserregend, allerdings darf es ruhig noch ein bisschen mehr sein. In Sachsen braucht es ebenfalls noch etwas mehr Wasser, bis die Becken der Stauanlagen gefüllt sind. Auch in NRW ist der Füllstand erst bei 82 Prozent

Die Talsperrenbetreiber kennen das Problem der deutschen Dürrejahre seit ein paar Jahren nur zu gut und bereiten sich auf trockene Zeiten im Klimawandel vor, aber hohe Tagesverbräuche in den Sommermonaten, beispielsweise für Pools und Gartenbewässerung, könnten auch in der Zukunft punktuell ein Problem werden.

WIR müssen Wasser sparen

Die Katastrophenschutzbehörde sieht dabei nicht nur die Obrigkeit in der Pflicht: „Der Staat allein kann niemals so gut vorsorgen, wie es alle Bürgerinnen und Bürger zusammen können.“, so Armin Schuster.

Wassersparen in Haus und vor allem Garten kann laut dem Betriebsleiter der Königsteiner Stadtwerke Peter Günster oft schon reichen, um die Knappheit in den trockenen Sommern in den Griff zu bekommen. In der Kurstadt hatte man im Sommer 2020 nach dem dritten regenarmen Sommer in Folge ein echtes Trinkwasserproblem.

Reicht der Mai-Regen, um die Lage zu entschärfen?

Die Niederschlagssummen bis Sonntag in Deutschland.
Nederschlagssummen bis Sonntag: Da kommt einiges an Regen runter.

Meteorologe Christian Häckl zum momentanen Wettergeschehen: „Im Westen und auch in Vorpommern hat es im Mai bis jetzt immer noch zu wenig geregnet - es gibt aber auch einen breiten Streifen vom Schwarzwald, über Nordbayern, Sachsen bis rauf nach Schleswig Holstein wo alles schon viel zu nass ist.“

Das momentane Problem sei „Im Mai gibt es oft schon so etwas ähnliches wie Sommerluft. Durch Wärmegewitter kommen dann häufig bis zu 20 Liter Niederschlag zusammen. Das ist ein Viertel des normalen Mainiederschlages.“

In den nächsten Tagen bekommt der Westen den lang schon benötigten Regen auch flächendeckend ab. Bis Pfingstsonntag sind in den Staulagen der Gebirge um die 50 Liter pro Quadratmeter möglich. Deutlich trockener geht es im Nordosten zu.

Die kommenden 7 Tage bringen viel Regen

Das Wetter zum Pfingstwochenende

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