Frühling ist einen Monat zu früh dran

Woher wissen die Pflanzen Bescheid, dass der Frühling jetzt schon will?

Pflanzen können rechnen, oder so ähnlich. Es gibt eine Formel, die den Pflanzen sagt, wann der Frühling beginnt und wann es sich lohnt, die Knospen sprießen zu lassen. Bei Summe 200 explodiert die Natur – der Vegetationsbeginn steht an. Welche Pflanzen auch deswegen in diesem mega-frühen Frühling schon auf den Balkon und in den Garten können, sehen Sie im Video.

Pflanzen können rechnen

Also eigentlich kann man sich das so vorstellen: Die Pflanzen haben eine Art inneren Wärmezähler. Sie summieren die warmen Tage und wissen, wann es passt, mit dem Austreiben zu starten. Das verhindert auch, dass schon ein paar ungewöhnlich warme Tage im Winter eine Blüte auslösen können.

05.02.2020, Hessen, Kassel: Ein Radfahrer fährt an den gelben Blüten der Haselnuss vorbei. Foto: Uwe Zucchi/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Fun Fact für Allergiker: Die Haselnuss macht beim Wärme-Tage-Zählen nicht mit. Daher können schon mitten im Winter bei milden Temperaturen die Haselpollen fliegen. © dpa, Uwe Zucchi, cch lop

Die Grünlandtemperatursumme macht den Unterschied

In Mitteleuropa haben sich die Bauern diese eine Formel hinter die Ohren geschrieben – oder auf jeden Fall in ihr Pflanztagebuch. Es geht um die Grünlandtemperatursumme (GTS), die man ganz einfach ausrechnen kann. Summiert werden ab Jahresbeginn die Temperaturmittelwerte. Für den Monat Januar werden die Temperaturen halbiert, für den Februar mit 0,75 multipliziert und ab März geht dann der „volle“ Tageswert in die Rechnung ein.  

Sobald die Summe 200 erreicht ist, startet der Erstfrühling -  und der Boden und die Pflanzen sind bereit für’s Wachsen.

Wie warm bei uns die nächste Woche sein wird, können Sie im 7-Tage-Wettertrend nachlesen.

Grünlandtemperatursumme
Dieser Frühling kommt einen Monat zu früh. Die Grünlandtemperatursumme zeigt klar: In Deutschland ist der Frühling durcheinandergeraten. Blau: Vorfrühling Grün: Vorfrühling bis Erstfrühling Blau: Erstfrühling © RTL Interactive

Wann blüht was?

Die GTS macht den Frühling. Wir kennen es alle – Schneeglöckchen sind die ersten Frühlingsboten (Die Phänologie beschäftigt sich mit dem Zusammenhang von Pflanzen und Jahreszeiten). Und dann, je nachdem wie schnell das Wetter loslegt, kommen Krokusse, Osterglocken und Weidenkätzchen hinterher. 

  • Schneeglöckchen ab 35 – 70 °C
  • Krokus- und Haselblüte ab 65 - 120 °C
  • kleine Osterglocken und Forsythien ab 175 – 230 °C
  • Weidenkätzchen ab 175 – 230 °C
Schneeglöckchen und Winterlinge blühen am 12.02.2014 im strahlenden Sonnenschein in Potsdam. Foto: Ralf Hirschberger/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
Schneeglöckchen und Winterlinge machen Lust auf mehr! © dpa, Ralf Hirschberger

In diesem Jahr kommt der Frühling im Westen und Norden einen Monat zu früh

Normalerweise startet der Frühling in Deutschland im Südwesten und arbeitet sich langsam in den Nordosten vor. In diesem Jahr sind ganz andere Regionen schon im Frühlingsmodus und das auch noch viel früher. Hamburg, Berlin und auch Köln fangen gewöhnlich im März oder erst April an, den Modus auf Frühling umzulegen. Und dieses Jahr? - ist der Westen und Norden schon gleichauf mit dem Südwesten. 

Im Februar sind Werte wie diese ungewöhnlich

  • Köln 177 (02.März im Jahr 2019, 13. März im Jahr 2018)
  • Hamburg 144  (10. März im Jahr 2019, 08. April im Jahr 2018)
  • Berlin 142 (10. März im Jahr 2019)
  • Straubing bei München 68 

Was der frühe Frühling für die Wildtiere bedeutet? Stress!

Warum ist die Temperatur so wichtig?

Der Boden braucht Stickstoff, damit sich Planzen entwickeln können. Und erst ab einer konstant milderen Temperatur ist eine ausreichende Stickstoffaufnahme und -verarbeitung des Bodens garantiert. Das ist auch für Gartenbesitzer interessant: Ein Düngemittel, das vor Erreichen der Summe von 200 ausgebracht wird, wird von den Pflanzen nicht aufgenommen.

Ob uns ein später Wintereinbruch noch ins Haus steht, können Sie im 30-Tage-Trend lesen.

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