Extremer Frost oder 35 Grad? Alles kein Problem

Frühling 2020: Von Frost bis Sommerhitze – das ist im Frühjahr möglich

Tempelhofer Feld im Sonnenuntergang
Endlich mal abends mal wieder länger raus. Street-Surfer in Berlin Tempelhof im Sonnenuntergang. © dpa, SONJA WURTSCHEID, swd sab

So variabel ist der Frühling

Der Frühling ist für viele von uns die schönste Jahreszeit. Wenn die Natur erwacht und das Wetter einfach mal so vor sich hin lenzt. Die ersten sommerlichen Luftmassen ziehen gepaart mit Sonne übers Land und lassen uns die Dunkelheit und Tristesse der düsteren Zeiten zuvor schnell vergessen.

Jedoch kann der Frühling auch ein ganz anderes Gesicht zeigen. Denken wir zurück an den Mai 2019, der mitten im Frühling mit Schnee bis in die tieferen Lagen überraschte. Oder den April 2017: Damals sorgte Polarluft mit Nachtfrösten für massive Schäden an der Obstblüte. Wie sind die aktuellen Vorhersagen für den Frühling 2020 und worauf können wir uns einstellen? Hier erfahren Sie alles, was zum Frühlingstrend wissen müssen.

Frühling 2020: Wie sind die Startbedingungen?

Entscheidend für einen guten Frühlingsverlauf sind auf jeden Fall die Startbedingungen, die uns der Winter vorgibt. Denn eines ist sicher: Die Natur hat, wenn sie aus dem Winter erwacht, mächtig viel Durst. Um den zu stillen, braucht sie gut gefüllte Wasserspeicher und Böden, was wiederum reichlich Regen voraussetzt.

Den gab es im zweitnassesten Februar seit Beginn der Wetteraufzeichnungen glücklicherweise reichlich. Im Januar sowie im Dezember 2019 sah es beim Regen dagegen deutlich schlechter aus. Insofern hat der Februar-Regen eine meist ganz gute Grundlage fürs Wachstum gelegt. Auch wenn wir hierfür leider die ein oder andere Hochwasserlage über uns ergehen lassen mussten.

10.02.2020, Niedersachsen, Seeburg: Regenwolken ziehen über ein Feld bei Seeburg im Landkreis Göttingen. Auswirkungen vom Sturmtief
Regenwolken gab es im Februar reichlich. Ein Glück für die Vegetation, die nun immer mehr Durst bekommt. © dpa, Swen Pförtner, spf cul

Dürre-Frühling? Nur regional sind unsere Böden in der Tiefe noch zu trocken

Damit ist die Lage im Oberboden, wo sich das für die Pflanzen verfügbare Wasser hauptsächlich befindet, derzeit deutschlandweit entspannt. Wer tiefer gräbt, nämlich auf etwa ein bis zwei Meter Bodentiefe, der wird in manchen Regionen aber dann doch noch auf Trockenheit treffen.

Nämlich besonders im Osten. Gerade in Teilen von Sachsen-Anhalt und Sachsen sowie in Brandenburg könnten die tieferen Bodenschichten noch etliche Liter Regenwasser gebrauchen, um die andauernde Trockenheit der letzten Monate beziehungsweise Jahre zu kompensieren.

Bodentrockenheit
Die Trockenheit der Böden in einer Tiefe von ein bis zwei Metern. Besonders im Osten ist es zum Teil noch viel zu trocken. © wetter-ressort

Von Hammerhitze bis Gesäßkalt - Die Temperaturspanne im Frühling ist riesig

Im Frühling erleben wir Jahr für Jahr den Kampf der Luftmassen zwischen Winter und Sommer. Dabei erwärmt sich das Land durch den zunehmenden Sonnenstand relativ rasch, was wiederum den Wassermassen von Nord- und Ostsee weniger gut gelingt. Je wärmer es aber generell über Mittel- und Nordeuropa wird, umso leichter fällt es auch, dass die entsprechend warme Luft aus den südlichen Breiten Richtung Norden vorankommt.

Allerdings hält gerade anfangs auch der Winter aus dem hohen Norden noch dagegen. Das erlebten wir beispielsweise im April 2017. Damals war der März fast 4 Grad zu warm. Das brachte die Vegetation in den vollen Frühlingsmodus. Interessanterweise nennt man ihn dann auch Vollfrühling. Und der hat begonnen, wenn eben die Apfelblüte oder generell die Obstblüte losgeht. Eine fatale Situation, wenn nochmals Polarluft mit nennenswert frostigen Nächten folgt. Denn dann geht es der Blüte an den Kragen.

Da reicht auch leichter Frost schon aus. Doch zeigt der Blick in den Klimastatistik, dass im Frühling selbst mäßiger Frost (unter minus 5) oder strenger Frost (unter minus 10 Grad) möglich sind. Auf der anderen Seite zeigt der Blick in die Statistik eben auch, dass spätestens im Laufe des Aprils die Sommer- und Hitzemarken reihenweise fallen können. Das sind also Temperaturen jenseits von 25 beziehungsweise 30 Grad. Die höchsten Aprilrekorde liegen übrigens bei knapp 33 Grad. Im Mai liegen die Rekorde dann sogar schon bei über 35 Grad.

Pollenflug: Blühen und Sprießen gleich Schnupfen und Niesen

Des einen Freud ist bekanntlich des anderen Leid. Denn gut 20 Prozent unserer Bevölkerung ist allergisch und merkt das besonders, wenn viele von uns einfach nur das schöne Wetter genießen können. Vor allem die Birkenpollen spielen bei vielen Allergikern eine große Rolle. Zwar hat die Birke unter der Trockenheit der letzten Jahre in ihrem Bestand zum Teil arg gelitten.

Dennoch dürften auch in diesem Frühling die Pollen den Allergikern die Tränen in die Augen treiben. Aber nicht nur die Birke macht uns laufende Nasen oder Probleme mit der Lunge. Direkt zu Beginn sind gerne noch Hasel und Erle pollentechnisch sehr aktiv. Spätestens im April kommen Birkenpollen hinzu. Abgerundet wird der bunte Allergiker-Mix durch Roggen und Gräser, die sich für gewöhnlich im Mai in größeren Konzentrationen hinzugesellen. Die aktuellen Polleninformationen finden Sie übrigens auch hier bei wetter.de.

Haseln in Berlin
Erlen- und Haselpollen sind auch im frühen Frühling unterwegs. © dpa, Wolfram Steinberg, wst fpt wst

Schutz vor UV-Strahlung: Damit das Sonnenbad nicht zum Sonnenbrand wird

Gerade ausgangs des Winters ist unsere Haut noch nicht auf lange Sonnenbäder vorbereitet. Das gilt insbesondere, wenn man auf den Bergen und womöglich noch im Schnee unterwegs ist. Denn mit der Höhe nimmt die UV-Belastung generell zu (pro 1.000 Höhenmeter etwa um 20%) und gleichzeitig reflektiert der Schnee die UV-Strahlung in einem erheblichen Ausmaß. Nämlich rund 80 Prozent. Im Vergleich: Wasser- oder Wiesenfläche spiegeln nur etwa 10 Prozent der UV-Strahlung wider. Gleichzeitig bewegen wir uns im Frühling natürlich auf den Sonnenhöchststand zu. Den gibt es, wenn die Sonne senkrecht über dem nördlichen Wendekreis steht. Und dann erleben wir nicht nur den längsten Tag und die kürzeste Nacht, sondern auch den kalendarischen Sommerbeginn. 

Anders herum können wir die Sonnenaktivität um dieses Datum des Sommerbeginns (in diesem Jahr der 20.06.) herum spiegeln, um in etwa zu wissen, wie stark die Sonne jetzt schon ist. Am Frühlingsbeginn wäre das also gleich dem Sommerende und im April ähnlich wie im August. Der Mai entspräche demnach dem Juli. Wer also sich und seinen Kindern rät, sich im August einzucremen, der müsste das spätestens auch Ende April machen. Für die UV-Belastung, den sogenannten UV-Index, spielt es keine Rolle, ob wir uns im Frühling oder im Sommer befinden.

Ein Kind bekommt am Freitag (29.04.2011) in Berlin das Gesicht mit Sonnencreme eingecremt. Foto: Stephanie Pilick dpa/lbn
Schutz vor Sonnenbrand - Eincremen ist auch im Frühling schon wichtig. Besonders bei Kindern und empfindlichen Hauttypen. © picture alliance / dpa, Stephanie Pilick

Der krasseste Frühling aller Zeiten und was er für uns bedeutet könnte?

Aufgrund der riesigen Spannbreite, die der Frühling uns bieten kann, ist es sicherlich schwierig, einen extremen Ausreißer zu finden. Der wärmste Frühling seit Beginn der Wetteraufzeichnungen ist aber auf jeden Fall der Frühling 2007. Der brachte einen Temperaturüberschuss von 3,1 Grad und folgte übrigens dem wärmsten Winter aller Zeiten. Das war der Winter 2006/2007 mit einer Abweichung von rund 4,1 Grad überm langjährigen Mittelwert. Bleibt die Frage, was das für uns bedeuten könnte

Der Winter 2019/2020 war mit einer Abweichung von 3,9 Grad überm Durchschnitt der zweitwärmste Winter seit Aufzeichungsbeginn. Und wir dürfen nach dieser Vorlage aus dem Jahr 2007 gespannt sein, ob auch der Frühling 2020 am Ende auch unter den Spitzenreitern oder sogar auf Platz 2 landet. 

Den Trend hierzu finden Sie natürlich wie gehabt in unserem 30-Tage-Wetter.

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