Müssen wir mit höheren Preisen rechnen?

Frankreich & Kroatien: Kältewelle bedroht Obst- und Weinanbau

Zwei Winzer beobachten zahlreiche kleine kontrollierte Feuer in einem Weinberg. Die Feuer sollen die empfindlichen Rebstöcke in den Junganlagen vor Frost schützen.
Mit Frostfackeln versuchen Weinbauern die Reben vor dem Frost zu schützen. © dpa, Sebastian Kahnert, skh kno

Winzer haben den Kampf gegen den Frost verloren

Nach zuletzt frostigen Nächten fürchten Weinbauern in Frankreich und Kroatien um ihre Ernte. Mit Frostfackeln und kleineren Feuern kämpfen die Winzer um die Trauben. Auch das Obst ist in Gefahr. Obwohl in Kroatien alles unternommen wurde, um die Früchte vor der Kälte zu schützen, ging der Kampf verloren. Bauern und Winzer reden von einem Ernteausfall von bis zu 90 Prozent. Obwohl wir in Deutschland auch strenge Frostnächte haben, sind die Bauern hierzulande nicht so stark betroffen wie die Kollegen im Nachbarland. Dafür gibt es aber auch Gründe.

Fast komplette Ernteausfälle bei Winzern im Rhonetal und in Burgund

Nach den frostigen Nächten fürchten Frankreichs Winzer und Obstbauern um ihre Ernte. Das Ausmaß der Frostschäden werde derzeit ermittelt, sagte Frankreichs Premierminister Jean Castex bei einem Besuch betroffener Landwirte in Colombier-le-Cardinal im südöstlichen Département Ardèche. Die Schäden seien beträchtlich, Hunderte Farmen seien betroffen. Weinbauern etwa im Burgund oder im Rhonetal sprachen von einem fast kompletten Ernteausfall, eine Winzerin im Département Landes von mindestens 90 Prozent Ernteverlust, berichteten französische Medien.

Auch Frankreichs Präsident, Emmanuel Macron, machte sich Sorgen und hob die unermüdliche Arbeit der Bauern im Kampf gegen den Frost hervor. Außerdem versprach er Unterstützung.

Heftige Frostperiode in Frankreich

Durch die heftige Frostperiode in Frankreich und Kroatien kommt es zu Ernteausfällen.
Wein- und Obstbauern in Frankreich und Kroatien fürchten um ihre Ernte. © Thaut Images - Fotolia

Nach eher milden und frühlingshaften Temperaturen Ende März brachten die vergangenen Tage in Frankreich teils erneut heftige Minusgrade. Bauern entfachten auf ihren Feldern Feuer und entzündeten Kerzen, um ihre Stöcke vor dem Frost zu bewahren. Frankreichs Landwirtschaftsminister Julien Denormandie versprach Hilfen aus einem landwirtschaftlichen Katastrophentopf.

Laut Denormandie wurden mehrere Hunderttausend Hektar kultiviertes Land von der heftigen Frostperiode in den vergangenen Tagen beeinträchtigt. 10 der 13 Regionen auf dem französischen Festland seien betroffen.

Kroatien kurz vor der Naturkatastrophe

In Kroatien rechnen die Bauern wegen der Kälte mit einem Ernteausfall von bis zu 100 Prozent.
In Kroatien sind die Obstblüten mit einer Eisschicht bedeckt. Die Bauern gehen von einem Ernteausfall von 90 bis 100 Prozent aus. © RTL Televizija Croatia

Ähnlich schlimm sieht es in Kroatien aus. Dort geht der Obstbauverband von einem Ernteausfall von wenigstens 90 Prozent aus. So erklärte der stellvertretende Vorsitzende des Obstbauverbandes:

„Mit einigen vorläufigen Inspektionen der Obstgärten können wir sagen, dass hier in Slawonien fast das gesamte Steinobst zerstört wurde. Einige Kirsch-, Aprikosen-, Pflaumen- und Pfirsichplantagen werden wohl zu 90 Prozent oder sogar zu 100 Prozent zerstört. In anderen Teilen Kroatiens wie dem Nordwesten wurden auch Äpfel und Birnen beschädigt, ebenfalls in großen Prozentsätzen.“ Die Hoffnung der Bauern ruht nun auf Hilfen durch den Staat.

Und wie sieht es bei den den Winzern in Deutschland aus?

Bisher lässt sich noch nicht sagen, wie hoch die Ernteausfälle der Winzer in Deutschland sein werden.
Noch ist es nicht soweit: Die Knospen der Weinreben haben im Rheingau noch nicht ausgetrieben. © dpa, Frank Rumpenhorst, fru fdt wst

Obwohl wir in Deutschland auch heftige Frostnächte haben, sieht es in Deutschland bei der Weinernte besser aus. Das liegt zum einen daran, dass die Temperaturen nicht so stark gesunken sind und zum anderen, dass die Früchte noch nicht ausgetrieben haben. Der Frühling kommt auch nur langsam in Fahrt.

So berichtet der Versuchsbetriebsleiter der Hochschule Geisenheim Weinbau, Florian Müller: „Der Rheingau ist bisher nicht so stark betroffen, da die Pflanzen erst kurz vor dem Austrieb sind. In den letzten Jahren gab es die Frostschäden aber auch erst Ende April/Anfang Mai."

Bisher lässt es sich also noch nicht mit großer Sicherheit sagen, wie hoch der Ausfall ist, aber der Hessische Landesverband für Erwerbsobstbau geht bei Beeren von wenigstens 20 bis 25 Prozent Ernteverlust aus. Ob der Wein und Obst teurer werden hängt davon ab, ob die Nächte weiterhin so kalt bleiben und klar ist, wie groß Frostschäden sind und wie viele Blüten nachwachsen.

Die Weinreben in Deutschland sind noch nicht soweit

Mit einer Frostschutzbereinigung versuchen die Bauern ihre Ernte zu retten.
Eine Apfelblüte ist nach einer Frostschutzberegnung mit Eis bedeckt. © deutsche presse agentur

Mehr Klarheit konnte auch Holger Klein vom Badischen Weinbauernverband nicht geben. Zwar gebe es frostgefährdete Gebiete – vor allem im den kühleren Senkungen, wie Markt Sesselland und Ortenau, aber ob dadurch der Weinpreis steige, könne noch nicht gesagt werden. Es müsse abgewartet werden, ob die Reben noch Knospen austreiben.

Der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd sieht für den Weinanbau weniger Probleme. Pressesprecher Andreas Köhr rechnet nicht oder nur mit minimalen Schäden für den Weinanbau, da die Austriebe der Weinreben noch nicht ansatzweise so weit sind wie in Frankreich. „Das ist wohl auf die Temperatur und Lage der Weinanbauregionen zurückzuführen.“

Im Obstanbau gebe es da eher Schäden und auch im Frühkartoffelanbau gebe es ein paar kleine Probleme. Letztere halten Temperaturen um die 0 Grad locker aus. Temperaturen lassen die Kartoffeln aber schwarz werden.

Viele Bauern nutzen deshalb eine Frostschutzberegnungsanlage, die bei einer Temperatur von -1 Grad einsetzt und eine Eisschicht auf die über den Pflanzen liegende Plane verteilt. Diese Eisschicht hält dann den Frost von dem darunter liegenden Boden ab und schützt so die Kartoffeln im Boden. So eine Frostschutzberegnungsanlage ist allerdings eine teure Angelegenheit und nicht jeder Bauer besitzt eine.

Es bleibt kalt in Deutschland: Frostige Nächte halten noch etwas an

Wie es in den kommenden Tagen mit den Frostnächten weitergeht, erklärt RTL-Meteorologe Carlo Pfaff: „Die kommende Nacht wird landesweit frostig kalt, die Tiefstwerte liegen zwischen -1 und -5 Grad, im Bergland bei Schnee um -6 Grad. Auch in den Obst- und Weinbau-Regionen an der Mosel sowie am Oberrhein und am Bodensee muss mit Frost zwischen -2 und -4 Grad gerechnet werden. Auch die Nacht auf Donnerstag bringt gerade im Süden und Westen leichten Frost zwischen -1 und -4 Grad, die Nacht auf Freitag zwischen 0 und -3 Grad. Am Samstag geht es auch im Süden kaum noch unter 0 Grad, ab Sonntag dürfte die Frostgefahr vorerst vorbei sein.“

Wein und Obst müssen also auch hierzulande noch ein wenig durchhalten bis der Frühling durchsticht.

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