Feine Tropfen Nervengift auf den Fäden

Forscher findet heraus: Die Netze dieser Spinnenart sind giftig

Sind die Netze der heimischen Kreuzspinne giftig?
Sind die Netze der heimischen Kreuzspinne giftig? © iStockphoto

Netze kleben nicht nur, sondern lähmen auch

Gerade wer Angst vor Spinnen hat, zuckt auch zusammen, wenn er ein Spinnennetz berührt. Schließlich ist der achtbeinige Erbauer meist nicht weit weg. Doch nun hat erstmals ein Forscher nachgewiesen, dass Spinnennetze bestimmter Arten nicht nur klebrig sind, sondern auch ein Nervengift enthalten.

Forscher vermutet bereits seit 25 Jahren Nervengift auf Spinnennetzen

Bei den Spinnen, deren Netze mit Neurotoxinen, also Nervengift, gespickt sind, handelt es sich um Radnetzspinnen. Zu dieser Familie gehören zum Beispiel die auch bei uns ansässige Kreuzspinne sowie die in den USA und Südamerika lebende Goldene Seidenspinne.

Bereits vor 25 Jahren fiel dem biochemischen Ökologen Mario Palma auf, dass in den Netzen mancher Spinnen einer brasilianischen Reisplantage, in dessen Nähe er damals lebte, etwas bisher Unerforschtes vor sich ging. Dort sah Palma wiederholt, dass die frische Beute der Spinnen (wie Fliegen oder Bienen) nicht nur festklebte, sondern sich verkrampfte und die Zunge heraushängen ließ. Wenn er die Insekten aus dem Netz befreite, hatten sie Probleme beim laufen – und das, obwohl die Besitzer der Spinnennetze noch keine Gelegenheit hatten, ihnen Gift zu injizieren. 

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Faszinierende Spinnennetze

Die Goldene Seidenspinne ist in Nord- und Südamerika heimisch.
Die Goldene Seidenspinne ist in Nord- und Südamerika heimisch. © iStockphoto

Seitdem forschte Palma, der am Institut für Biologie der São Paulo State University in Rio Claro, Brasilien tätig ist, an den Netzen dieser Spinnenarten. „Meine Kollegen sagten mir ‘Du bist verrückt’“, erzählt Palma „Sciencenews.org“. Doch nun konnte der Forscher erstmals nachweisen, dass Neurotoxine in den Netzen sind.   

Gemeinsam mit seinem Team gelang es ihm, die aktiven Gene und Proteine in den Seidenfäden der Goldene Seidenspinne (Trichonephila clavipes) zu analysieren. Diese machten die Netze zu lähmenden Fallen, berichtet das Forscherteam im „Journal of Proteome Research“. Das Nervengift befindet sich in Fettsäuretropfen auf den Fäden der Netze. Die Fettsäure könnte dafür sorgen, den Schutzpanzer der Insekten zu durchdringen. Auch andere Arten der Radnetzspinnen sollen neurotoxische Netze spinnen.

Andere Wissenschaftler wie David Wilson von der James Cook University in Cairns, Australien, vermuten, dass das Gift nicht dazu dient, die Beute zu lähmen, sondern beispielsweise Ameisen fernzuhalten, die den Spinnen ihre Beute strittig machen wollen. Palma will daher nun weiter forschen.

Übrigens: So gruselig giftige Spinnennetze erscheinen, wir Menschen haben sowohl vor den hier vorkommenden Kreuzspinnen oder der amerikanischen Goldenen Seidenspinne, noch vor ihren Netzen etwas zu befürchten.

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