Folgen von Dürre und Hitzewelle: Den Bauern geht das Futter aus

Trockenheit
Auf den Weiden wird Grünfutter im Sommer 2019 Mangelware. © dpa, Monika Skolimowska, skm dna

Sommerbilanz: Zu heiß, zu trocken und kein Gras für die Kühe

Europa war teilweise in einem Ausnahmezustand. Regen war diesen Sommer Mangelware und im Juli gab es in Deutschland, Frankreich und in den Beneluxstaaten Rekordtemperaturen von mehr als 40 Grad. 

Der europäische Ernte-Monitoring-Dienst MARS (Monitoring Agriculture with Remote Sensing), schaute in seinem neuen Report auf die Folgen der Trockenheit und der letzten Hitzewelle. Wir haben einen Bio-Landwirt gefragt, wie sich dieses Wetter auf die Ernte ausgewirkt hat.

Interview mit Bio-Landwirt Peter Bruchhaus aus Solingen in Nordrhein-Westfalen

Biobauer Peter Bruchhaus, Solingen
Für den Biolandwirt Peter Bruchhaus sind jetzt schon große Teile der Grünfutter-Ernte verloren. © Amelie von Kruedener

Die Zahlen sprechen für sich: Aber war das Wetter spürbar anders als sonst?

Ja, auf jeden Fall. Nicht nur subjektiv. Hier sprechen die Fakten für sich: Normalerweise fahren wir vier Schnitte im Jahr ein. Schneiden also das Gras auf den Weiden als Grünfutter für unsere Tiere. In diesem Jahr war der erste Schnitt Anfang Mai gut. Dann kam die Dürre -und der zweite und dritte Schnitt sind sozusagen ein völliger Ausfall. Der vierte Schnitt zum Ende des Sommers steht noch aus.

Was war das Schlimmste an diesem Sommer – die Hitze oder die Dürre?

Die Trockenheit hat uns Landwirten am meisten zugesetzt. Die Hitze hat zwar auch ihre Schäden hinterlassen, der fehlende Regen war und ist allerdings am meisten zu spüren.

Was ist auf den Feldern passiert?

Beim Grünfutter ist nach dem ersten Schnitt einfach nichts nachgewachsen. Bei den Früchten war die Hitze ein großes Problem. Viele Früchte haben Sonnenbrand, sie sind geschädigt. Unser Hafer, den ich gerade eingefahren habe, war „taub“. Das heißt, die Mehlkörper waren durch die Trockenheit nicht aufgefüllt.

Welche Defizite sind zu erwarten?

Der größte Verlust ist für uns das Grünfutter. Zwar gab es in anderen Regionen in Deutschland genügend Regen, so dass wir zukaufen können, aber das sind Extrakosten.

Kann sich das noch ausgleichen?

Nein, aber mit etwas Glück bekommen wir noch einen ordentlichen vierten Schnitt Ende September hin.

Welches Wetter braucht die Landwirtschaft jetzt?

Regen! Ordentlich Regen!

So trocken sind unsere Böden

Unbenannt
Momentaner Zustand des Bodens im Vergleich zum langjährigen Mittel. Das Bild links zeigt den Zustand des Oberbodens bis 25 Zentimeter Tiefe. Dort kann man sehen, wie der Boden auf kurzfristige Niederschlagsereignisse reagiert. Auf dem rechten Bild sieht man, wie trocken der Boden in 1,8 Meter Tiefe noch ist. Quelle: Zentrum für Umweltforschung

In diesem Sommer gab es von Temperaturen zu viel, von Niederschlag zu wenig.

Die Temperaturen lagen in der zweiten Julihälfte in Mittel- und Nordwesteuropa 2 bis 4 Grad Celsius über dem langjährigen Durchschnitt. Hiervon waren auch große Teile Deutschlands betroffen.​

Zu wenig Regen bei uns und unseren Nachbarn

Wenn wir unseren Rasen nicht mähen müssen, weil er aufgrund von fehlendem Regen einfach nicht mehr wächst, ist das ziemlich bequem. Anders sieht es bei den Landwirten aus. Für die bedeutet das knallharter Verlust. Hohe Temperaturen und ein Regendefizit machen auch laut der MARS Mais und Grünfutter zu einer Rarität auf unseren Feldern. 

In Deutschland, Nordostfrankreich, Polen, Nordportugal, Süditalien, Nordmakedonien, Osttürkei, in einem Großteil Skandinaviens und in Teilen der iberischen Halbinsel gab es nicht mehr als 20 mm Regen. Das ist zu wenig für unsere Landwirtschaft. 

Können wir in einem Land, dass immer heißer und trockener wird, überhaupt noch so Leben, wie wir es gewohnt sind? Eine Antwort auf diese und andere drängende Fragen gibt diese neue TV-Dokumentation: Doku Wüstenstaat Deutschland

Zu spät für Mais und Soja, zu trocken für Gras

Es drohen Ernteausfälle durch Dürre und Trockenheit
Es drohen Ernteausfälle durch Dürre und Trockenheit. © imago images / Ralph Peters, via www.imago-images.de, www.imago-images.de

In Nordostitalien sieht es auf den Feldern für Mais und Soja mager aus. Die Entwicklung der Pflanze hinkt massiv hinterher und das Fenster für eine Erholung ist fast geschlossen. 

In der Mitte Deutschlands, in Mittel und Südpolen gibt es Probleme mit der Reife von Winterkulturen wie Weizen und Gerste. Unter anderem wollen Blumenkohl, Lauch und Steckrüben einfach nicht ordentlich wachsen. Und ebenso wie auf den Weiden von Peter Bruchhaus, machen sich die Probleme auch auf den Wiesen und Weiden der Nachbarländern immer mehr bemerkbarer. Besonders betroffen sind Nordostfrankreich, Ostbenelux, Mittel- und Norddeutschland, Polen, Tschechien, Litauen, Norditalien sowie Spanien und Portugal.

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