Diese Karte zeigt die bedrohliche Entwicklung

Trinkwasserknappheit in Deutschland

Der Dürrezustand des Gesamtbodens
Die Trockenheit in unseren Böden: Der Dürrezustand des Gesamtbodens. Datenquelle: https://www.ufz.de © wetter-ressort

Das Wasser wird knapper

Mit dem Wasser verhielt es sich bei uns in Deutschland ähnlich wie mit der Luft zum Atmen: Es war immer in Hülle und Fülle vorhanden. Auch wenn es natürlich immer mal wieder beispielsweise an unseren Flüssen und Strömen niedrige Pegelstände gab. Doch die letzten Jahre haben viele von uns schon das Fürchten gelernt. Immer mehr Hiobsbotschaften rund ums Thema Wasser machten die Runde. Die Dürre des Trockenjahres 2018 begleitet und beschäftigt uns bis heute. Und das leider auch zurecht.

29.05.2018, Niedersachsen, Lehrte: Ein Feld wird bei strahlendem Sonnenschein und Temperaturen um 30 Grad beregnet. Die anhaltende Trockenheit in Niedersachsen wirkt sich auch auf die Landwirtschaft aus. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa +++ dpa-Bil
Die Bewässerung der Felder wird inzwischen von vielen Menschen sehr kritisch gesehen. Unabhängig davon brauchen wir aber die  Feldfrüchte für unsere Ernährung. © dpa, Hauke-Christian Dittrich, hcd fdt

Eine solche Dürre gab es in 250 Jahren nicht

Natürlich gab es im Laufe der mitteleuropäische Geschichte schon einige trockene Phasen. Allen voran kann man den Chroniken das Dürrejahr 1540 als eines der Schlimmsten entnehmen. Mehr als zehn Monate Trockenheit, Wasser war kostbarer als Wein und Tiere mussten zuhauf notgeschlachtet werden. Davon sind wir weit entfernt. Allerdings ist die Dürre, die uns beschäftigt, so schlimm wie seit mindestens 250 Jahren nicht mehr. 

11.08.2020, Niedersachsen, Verden: Die Silhouette eines toten Baumes zeichnet sich vor der Sonne ab. Foto: Sina Schuldt/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Hitze und Trockenheit haben uns in den letzten Jahren das Fürchten gelehrt: Eine solche Dürre gab es zuletzt vor mindestens 250 Jahren. © dpa, Sina Schuldt, ssd

Das Drama um die Trockenheit begann im Jahr 2018

Den Grundstein hierfür legte das Jahr 2018, das nur rund 75Prozent der normalen Regenmenge brachte. Und auch wenn es seitdem einige, zu nasse Monate gab, so gibt es doch ein enormes Problem: Gerade im Frühjahr bis in den Sommer hinein setzte uns die Trockenheit auch in 2019 und 2020 wiederholt zu. Also jeweils in einer Phase, in der die Natur viel Wasser benötigt und außerdem viel Wasser verdunstet. Davon haben sich unsere Böden und das darunter liegende Grundwasser noch nicht annähernd erholt. Das zeigen uns die neuesten Untersuchungen leider sehr eindrucksvoll.

Ohne Wasser im Boden geht nichts  - Auch nicht fürs Grundwasser

Die Böden reagieren zuerst auf den Regen. Hier liegt die Grundlage für unsere Ernährung mit der Landwirtschaft. Auch die Bäume und die Wälder sind auf genügend Wasser in den oberen Bodenschichten bis auf eine Tiefe von rund ein bis zwei Metern angewiesen. Eine regenreiche Phase wirkt sich relativ rasch auf den Boden aus und so kann - im günstigsten Fall - auch eine längere Dürrephase rasch aufgearbeitet werden. 

Anders sieht es hingegen im Grundwasser aus. Erst wenn nämlich die Böden dauerhaft nass und die Bodenporen mit Wasser gefüllt sind, fließt das Wasser auch bis ins Grundwasser. Hier geht es dem Boden wie einem Haushaltsschwamm. Erst wenn er durchnässt ist, lässt er das Wasser freiwillig ablaufen.

Unser Grundwasser: Langfrist-Speicher und Lebensgrundlage

Weit unter dem Oberboden schließen sich unsere Trinkwasserspeicher an. Hier fließt das Grundwasser, mit dem wir rund 80 Prozent unserer Wasserversorgung abdecken. Meist in verschiedenen Schichten zwischen 10 unter 100 Metern Tiefe. 

Es gibt aber auch niedrigeres Grundwasser. Je nachdem, wie die Gesteins- und Sperrschichten verlaufen. Ein riesiges Meer an kostbarem Nass, das einen wesentlich längeren Lebenszyklus hat als das Wasser im Boden. Denn es fließt langsam, sehr langsam. Es kann Jahre dauern bis gefallenes Regenwasser durch die Böden und die Gesteinsschichten bis ins tiefere Grundwasser gesickert ist und beispielsweise in unsere Brunnen und Wasserhähnen wieder auftaucht. 

Es dauert eben auch Monate oder Jahre bis sich das Grundwasser nach einer Dürrephase komplett regenerieren kann. Ein Problem, das nun immer augenscheinlicher zutage tritt.

Der Rückgang des Grundwasserpegels anhand von Satellitendaten

Niedrige Grundwasserpegel in Europa.
Niedrige Grundwasserpegel in Europa anhand von Daten der GRACE-FO-Satelliten. Hier rot dargestellt. Quelle: Lauren Dauphin/ NASA Earth Observatory. © wetter-ressort

Stationäre Wetterlagen sind das Hauptproblem

Der Klimawandel macht sich derzeit bei uns in Mitteleuropa vor allem durch stationäre, also relativ lang anhaltende Wetterlagen bemerkbar. Das hatte zum Teil auch mal zum Teil sehr nasse Sommer zur Folge. Zum Beispiel in den Jahren 2014 oder 2017. 

Gerade in den letzten Jahren waren es aber auch immer häufiger lange und trocken Hochdruckphasen. Trockene Sommer alleine sind dabei gar nicht so sehr im Fokus. 

Das Probleme liegt eher im Frühjahr. bis in den Frühsommer hinein. So ist zum Beispiel der April der Monat, der am meisten im Klimawandel gelitten hat. Wechselhaftes und kühles Aprilwetter findet kaum noch statt. Stattdessen bescherte uns der Namenspate des „Aprilwetters“ vermehrt sonnige und trockene Aussichten. Die Folgen sind einerseits eine stetig wiederkehrende Trockenheit bis Dürre in den Böden sowie ein anhaltender Rückgang des Grundwasserspiegels, wie ihn die die Daten des GRACE-F0-Satelliten inzwischen zeigen.

 Regenarmut iin der Landwirtschaft:.
So sieht es aus, wenn im Frühjahr das Wasser fehlt. Leider allzu häufig in den letzten Jahren. Denn der Sommer kommt immer früher. © imago images/Ralph Peters, imago stock&people via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Versiegelte Flächen schaden außerdem

Rund fünf bis acht Prozent der Fläche Deutschlands ist versiegelt. Diese Versiegelung der Böden hat damit einen nennenswerten Einfluss auf den Wasserhaushalt. Einerseits steigt bei Starkregen die Wahrscheinlichkeit für Überflutungen, da die Kanalisation viel Wasser in kurzer Zeit nicht abtransportieren kann. Andererseits versickert das Regenwasser in diesen Bereich nicht mehr. Auch das hat negative Auswirkungen auf das Grundwasser und die Grundwasser-Neubildung.

Ein Umdenken und Zurückhaltung im Sommer sind erforderlich

Bisher war unser Umgang mit der Ressource Wasser oft bedenkenlos. Das ist angesichts der Tatsache, dass es allzeit genügend gab, durchaus nachvollziehbar. Jedoch zeigen die jüngsten Messungen beim Grundwasser und die ständig wiederkehrende Trockenheitsproblematik in den Böden an, dass sich etwas beim Wassermanagement ändern muss. 

Wenn wir dauerhaft mehr Grundwasser entnehmen als nachkommt, dann laufen wir irgendwann zwangsläufig trocken. Das gilt insbesondere im Sommer. Denn - und das ist hingegen eine Chance - die Wintermonate waren in den letzten Jahren häufig zu nass. 

Es gibt sie also, die Chancen aus der Wassermisere: Umdenken, anders planen und ein bisschen mehr Zurückhaltung bei der Wassernutzung im Sommer. Dann kriegen wir die Kuh auch in sehr trockenen Phasen vom Eis.

Wie sich das Wetter weiter entwickelt

Das lesen Sie in unserem 7-Tage-Trend. Oder mit den längerfristigen Aussichten im 14 Tage-Wetter oder in unserem 42 Tage-Wetter.

Das Wetter immer dabei

Laden Sie die Wetter.de-App für Apple- und Android-Geräte herunter, um Ihre lokale Vorhersage für unterwegs zu erhalten. 

Wetter und Klima in der Mediathek

Mega-Hitze und große Trockenheit - und viele fragen sich: Wird Deutschland bald zum Wüstenstaat? Wie viele Dürre-Sommer hintereinander können wir eigentlich noch verkraften? Hier geht es zur DOKU - Wüstenstaat Deutschland?