Fischsterben wegen zu warmer Gewässer hat eingesetzt

Tote Fische treiben am Westufer des Dümmer Sees bei Diepholz in einem Blaualgenteppich. Foto: Carmen Jaspersen/Archiv
Tote Fische treiben am Westufer des Dümmer Sees bei Diepholz in einem Blaualgenteppich. Die Aufnahme entstand im Jahr 2016. In diesem Jahr haben die Gewässer sehr früh kritische Temperaturen erreicht. © DPA

Je wärmer das Wasser, desto weniger Sauerstoff ist darin enthalten

So früh wie selten haben sich Seen und Flüsse in diesem Jahr erwärmt. Badefans freut das. Viele Fische allerdings verenden - zu wenig Sauerstoff ist in der warmen Brühe noch gelöst. Folgt auf Hitze Starkregen, kann sich das Problem noch verschärfen. 

Sieben Kubikmeter tote Fische

Die anhaltend hohen Temperaturen der letzten Wochen haben in vielen Gewässern bundesweit den Fischen zu schaffen gemacht. "Je wärmer die Gewässer sind, desto weniger Sauerstoff können sie aufnehmen", erklärte Uwe Bergdolt von der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW). Im Neckar seien vorbeugende Belüftungsmaßnahmen nötig gewesen, um dem Flusswasser mehr Sauerstoff zuzuführen. Eine akute Gefahr für Fischbestände bestehe im Südwesten derzeit nicht.

Weiter östlich sieht die Lage kritischer aus: In Berlin wurden binnen etwa zwei Wochen fast sieben Kubikmeter tote Fische abgefischt und entsorgt, wie Wildtierexperte Derk Ehlert aus der Umweltverwaltung sagte. Damit sei eine Menge erreicht, die dem Durchschnittswert heißer Sommer entspreche. Hauptsächlich betroffen seien Kanäle und Teiche. Der Sauerstoffgehalt fiel dort in diesem Jahr vergleichsweise früh, wie Ehlert erklärte. Um dem Problem entgegenzuwirken, ist in den Sommermonaten seit Jahren nachts ein Belüftungsschiff in der Hauptstadt im Einsatz.

Landwirtschaft trägt ihr Übriges zum Sauerstoffmangel bei

Auch in Sachsen gibt es Probleme. Bei der Teichwirtschaft Wermsdorf, einem Aufzuchtbetrieb für Karpfen, waren erste Verluste zu beklagen. "Bislang sind es etwa acht bis zehn Tonnen", sagte Angela Strähler von der Teichwirtschaft, die etwa 900 Hektar Fläche bewirtschaftet. 

Zu einem Fischsterben kam es im Zuge der Hitzewelle auch an der Elbe im Norden: Im Hamburger Hafengebiet und angrenzenden Bereichen des Flusses, aber auch in anderen Gewässern im Stadtgebiet, wurden vermehrt tote Fische gefunden und abgesammelt. An einigen Stellen sorgte die Feuerwehr für eine Berieselung, um mehr Sauerstoff ins Wasser zu bringen.

Starkregen übrigens verschlechtert die Lage oft zunächst: "Wenn es nach langen heißen Phasen hohe Niederschläge gibt, werden von den landwirtschaftlichen Flächen Nährstoffe in Gewässer gespült", erklärte Olaf Niepagenkemper vom Landesfischereiverband Westfalen und Lippe. Deren Umsetzung durch Mikroben und Algen zehrt am Sauerstoff. 

Ein Beispiel für häufige Probleme mit Algenwachstum und Sauerstoffmangel sei der Dümmer See in Niedersachsen an der Grenze zu Nordrhein-Westfalen (NRW), sagte Paul Kröfges, Gewässerschutzexperte vom BUND NRW. Generell gelten flache Gewässer und solche mit wenig Bewegung als besonders gefährdet, einen für Wasserorganismen wie Fische lebensbedrohlichen Sauerstoffmangel zu entwickeln. 

Auch Atomkraftwerke erwärmen die Gewässer

Naturschützer warnen schon lange vor den fürchterlichen Folgen, die zu warme Gewässer mit sich bringen. So war laut BUND der Rhein im Hochsommer vor 50 Jahren 25 Grad warm. Heute könnten die Temperaturen schon auf 28 Grad steigen. Der Jakobslachs stellt bei 25 Grad aber seine Wanderung ein, das ist für den Fisch eine thermische Barriere. 

Im Hitzesommer 2003 musste das Atomkraftwerk Obrigheim wegen zu hoher Erwärmung des Kühlwassers abgeschaltet werden. Auch Atomkraftwerke haben also ihren Beitrag zum Klimawandel. Die Kühlwasserentnahme und das immer wärmer werdende Klima verschlimmern die Situation für die Fische, die auf kühleres Wasser angewiesen sind.