Feuerquallen-Alarm an der Ostsee: Über 700 Badegäste verletzt

Feuerqualle, Gelbe Haarqualle, Cyanea capillata - McPODE
Diese Feuerqualle (Gelbe Haarqualle) findet man momentan immer wieder an deutschen Stränden. © imago/McPHOTO, imago stock&people

Quallen glibbern nicht nur - sie können uns auch verbrennen

Wie fies ist das denn? Seit Tagen treiben Feuerquallen in der Lübecker Bucht und vermiesen den Gästen den Badespaß. Über 700 Badegäste haben an den Stränden zwischen Timmendorfer Strand und Haffkrug in den vergangenen Tagen schon unliebsame Bekanntschaft mit den Nesseltieren und deren Tentakeln gemacht. Sie klagten über schmerzende, brennende und juckende Rötungen und Pusteln.

Begegnungen mit Feuerquallen können sehr unangenehm sein

Die DLRG hat an den Stränden von Lübeck-Travemünde ihre höchste Warnstufe ausgerufen - dort warnen rote Flaggen davor, ins Wasser zu gehen. Rettungsschwimmer hatten in Travemünde etwa 120 Badegästen nach Kontakt mit Feuerquallen Erste Hilfe geleistet. Zwischen Timmendorfer Strand und Scharbeutz hatten weitere 600 Badegäste über Beschwerden geklagt. Aktuell seien zwar keine Quallen zu sehen, aber abgerissene Tentakeln der Tiere mit aktiven Nesselzellen trieben noch im Wasser, sagte der Wachführer der DLRG-Hauptwache Travemünde, Jan Cramer. Die Nesselzellen, die das hautreizende Gift absondern, wirken tückischerweise auch alleine oder wenn die Qualle tot am Strand liegt. Auch gemein: Die Tentakeln, an denen die Nesselzellen sitzen, sind kaum zu sehen und können mehrere Meter lang sein.

Schon Anfang August gab es an der Ostsee Feuerquallen-Alarm:

Die Heimat der Feuerquallen: Nordsee und Atlantik

Feuerquallen leben normalerweise im Atlantik und in der Nordsee und man findet sie nur auf hoher See. Je nach Strömung kann sie aber auch mal an den Badestränden landen. Ihre Nesselkapseln sondern ein Gift ab, das auf der Haut Schmerzen, Blasen und Juckreiz verursachen kann. In der Regel ist dies aber nicht gefährlich, nur unangenehm bis schmerzhaft. 

Manchmal treibt es auch Leuchtquallen in die Ostsee

Feuerqualle oder Leuchtqualle (Pelagia noctiluca), Mallorca, Balearen, Spanien, Europa *** Fire jellyfish or light jellyfish Pelagia noctiluca Mallorca Balearic Spain Europe Copyright: imageBROKER/SeaTops ibxhco04670910.jpg Bitte beachten Sie die ges
Die "Mallequalle" ist ein typischer, allerdings nicht gerne gesehener Bewohner im Mittelmeer. © imago/imagebroker, imageBROKER/SeaTops, imago stock&people

Leuchtquallen, die wie die verwandten Haarquallen auch Feuerquallen genannt werden, treiben sich normalerweise im Mittelmeer rum. Bei Berührung durchdringen ihre Nesseln menschliche Haut. Das tut zwar sehr weh, ist aber nicht lebensgefährlich. Normalerweise leben diese Quallen mit ihren langen Tentakeln in tieferen Meeresschichten, aber sie fühlen sich auch an der Oberfläche wohl. Ein kleiner Ausflug, bedingt durch die Strömungen, in die Ost- oder Nordsee, kann jedoch auch mal vorkommen.

Gefährlich und bei uns selten: Die Portugiesische Galerere

PRT, 2008: Portugiesische Galeere (Physalia physalis) treibt an der meeresoberflaeche. [en] Portuguese Man-of-War Jellyfish (Physalia physalis) drifting on the surface of the ocean. | PRT, 2008: Portuguese Man-of-War Jellyfish (Physalia physalis) dri
Die Portugiesische Galeere ist eigentlich keine echte Qualle, sondernbesteht aus einer ganzen Kolonie voneinander abhängiger Polypen. © picture alliance / WILDLIFE, WILDLIFE/W.Poelzer

Die Portugiesische Galeere ist für Menschen gefährlich. Gerät man in ihre Tentakel, führen die Schmerzen sogar dazu, dass Menschen ertrinken können. In unseren Breitengraden kommt sie normalerweise jedoch nicht vor. Sie leben in wärmeren Gewässern, wie im Pazifik, aber auch vor den Kanaren und vor Portugal. Durch besondere Winde können sie allerdings auch ins Mittelmeer getrieben werden. In diesem Jahr sind sie zum Beispiel schon vor Ibiza, Formentera und Mallorca gesichtet worden. Im Jahr 2010 wurden an der spanischen Küste ganze Schwärme gefangen.

Ohrenquallen: Kennt jeder und ist nur eklig – nicht gefährlich

Ohrenqualle (Aurelia aurita) im Zoo Berlin. Berlin, 21.10.2015 | Verwendung weltweit
Ohrenquallen kennt jeder Ost- und Nordseebesucher - und hat sich wohl schon mal mehr oder weniger geekelt. © picture alliance / Geisler-Fotop, Samira Geisler/Geisler-Fotopress, Uwe Geisler

Ohrenquallen, man erkennt sie an den Kreisen an der Oberfläche. 2014 gab es eine Ohrenquallenblüte an der Ostsee, die es in sich hatte, allerdings war das wirklich nur ein bisschen eklig und nicht gefährlich, da diese Quallen keine giftigen Nesseln besitzen.

Ohje, und es gibt sogar Süßwasserquallen. Sie bevölkern besonders in heißen Sommern immer mehr unsere Seen. Trifft man im Badesee auf die Wabbeltiere, kann man entspannt weiterplanschen, sie sind völlig harmlos für Menschen, da ihre Nesseln die menschliche Haut nicht durchdringen können.

Weit weg und lebensgefährlich: Würfelquallen

Vor der Australischen Küste lebt die kleine gefährliche Wespenqualle, sie kann mit ihrem Gift gleich mehrere Menschen töten. Sie gehört zu den Würfelquallen, die allesamt Menschen mit ihrem Gift töten können. Bei uns gibt es diese Quallen nicht.

Das ist zu tun, wenn man mit den Nesselzellen in Berührung gekommen ist

Man muss die Tentakel schnellstmöglich loswerden, am besten funktioniert das mit Essig. Auch Salzwasser und Sand helfen. Anschließend müssen die Tentakel abgeschabt werden. Mit normalem Süßwasser wird alles nur noch schlimmer.