Dürre- und Waldbrandalarm!

Pünktlich zur Feriensaison: Der Juli wird nicht nur sonnig, sondern auch trocken

von Silvia Soyter

Weizen wächst auf einem trockenen Feld in der Region Hannover. Die anhaltende Trockenheit macht vor allem den Bauern im Osten Niedersachsens zu schaffen.
Kaum Niederschlag und viel Hitze im Juli: Gefährdet die Dürre auch unsere Ernten?

Als Urlaubswetter perfekt, doch für die Natur der Horror: Neue Berechnungen prophezeien einen trockenen, warmen Juli – ab ins Freibad oder den Strand denkt man sich da. Allerdings zeigt sich in unseren Lieblingsurlaubsländern Italien, Spanien und Portugal gerade welche Folgen es haben kann, wenn es so lange trocken bleibt. Müssen auch wir in Deutschland bald Trinkwasser rationieren?

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Dürre in Deutschland 2022 – Wird der Juli zu trocken?

Während erste Prognosen im vergangenen Monat noch einige Regentage für den Juli vorhergesagt haben, sieht es jetzt schon ganz anders aus. In weiten Teilen Deutschlands bleibt es trocken - staubtrocken. Modelle gehen von 20 bis 30 Litern Regen bis Mitte des Monats aus. Viel zu wenig! Normal seien um die 75 Liter. Und auch wenn wir es genießen, wenn wir möglichst viele Sonnenstunden haben, unsere Böden danken es uns nicht. Und auch die Temperaturen fördern die Dürre: Unsere Thermometer werden in Teilen des Landes mit der 40 Grad Marke liebäugeln.

Die Defizite der Dürre-Jahre 2018 und 2020 konnten im vergangenen Jahr nicht ausgeglichen werden und auch das erste Halbjahr 2022 ist im Schnitt zu trocken gewesen. Während es im Februar noch gut aussah, wurde es ab März zunehmend trockener. Wer sich jetzt wundert und an die Schauer vor der eigenen Haustür zurückdenkt: Die Lage ist regional unterschiedlich stark ausgeprägt.

Mancherorts war es trockener als in anderen Teilen Deutschlands. Vom Nordosten des Landes bis nach Nürnberg in Bayern gibt es Gebiete, die in den vergangenen 30 Tagen nur zwischen 5 und 30 Millimeter Niederschlag verzeichnen konnten. Wenn man die gesamte erste Jahreshälfte betrachtet, sieht es in Berlin, Brandenburg und Sachsen-Anhalt besonders trocken aus, dort ist am wenigsten Niederschlag vom Himmel gekommen.

Kommunen verbieten Wasserentnahme

Droht uns, so wie es gerade in Italien der Fall ist, bald der „Wasser-Notstand“? Laut Experten gebe es in Deutschland noch keinen „Wasserstress“. Das bedeutet, theoretisch ist das Wasserangebot ausreichend, aber auch da gibt es regionale Unterschiede.

Bereits im Juni haben einige Gemeinden auf die Trockenheit und niedrigen Pegelstände reagiert und die Wasserentnahme aus Bächen, Flüssen und Seen untersagt. So darf in Teilen Hessens, dem südlichen Brandenburg, Teilen von Sachsen und anderen Bundesländern ohne Erlaubnis niemand öffentlichen Gewässern Wasser entnehmen. Im Landkreis Kassel geht man sogar soweit und verbietet explizit auch das „Schöpfen von Hand“.

Mit den Verboten soll vor allem den Tieren und Pflanzen in den Gewässern geholfen werden, die sehr darunter leiden, wenn die Pegel sinken. Wer illegal Wasser abpumpt, um zum Beispiel den heimischen Garten zu wässern, kann mit einer Geldstrafe von bis zu 100.000 Euro rechnen.

Der 42-Tage Wettertrend in Frankfurt zeigt nur wenige Regentage mit geringen Niederschlagsmengen auf. Dafür kann es bis zu 41 Grad warm werden.
Der Juli in Frankfurt wird trocken und heiß. Hessen verbietet aufgrund der anhaltenden Dürre die Wasserentnahme aus Bächen, Flüssen und Seen.

Trockene Böden - Unsere Pflanzen sind durstig!

Trocken, trockener, Deutschland: Die Karte zeigt das für Pflanzen verfügbare Wasser in bis zu 25 Zentimetern Tiefe. In weiten Teilen des Landes ist die Karte rot, was bedeutet, dass 0 Prozent Wasser an diesen Stellen verfügbar ist.
Trocken, trockener, Deutschland: Die Karte zeigt das für Pflanzen verfügbare Wasser in bis zu 25 Zentimetern Tiefe. In weiten Teilen des Landes ist die Karte rot, was bedeutet, dass 0 Prozent Wasser an diesen Stellen verfügbar ist. Nur in den Alpen, im Bayerischen Wald, in Teilen des Schwarzwalds, der Schwäbischen Alb und in Teilen Schleswig-Holsteins sind die Böden ausreichend feucht (UFZ).

Die Dürre der vergangenen Jahre steckt auch den Böden noch „in den Knochen“. Normalerweise nutzen sie die Wintermonate um sich wieder zu regenerieren, doch im diesen Jahr reichte die feuchte Periode nicht aus. Ein Blick auf die Deutschlandkarte verrät: Die Böden sind in fast allen Teilen des Landes zu trocken. Sogar in 25 Zentimetern Tiefe steht den Pflanzen kaum Wasser zur Verfügung.

Waldbrandgefahr steigt in Deutschland enorm an

Wenn es trocken und warm bleibt, steigt auch das Waldbrandrisiko wieder an. Regen wäre dringend notwendig – vor allem in Gebieten wie Brandenburg, die schon viel zu früh Jahr die ersten Waldbrände verzeichnen mussten. Neben Brandenburg sind auch Niedersachsen, Teile von Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern gefährdet. Nicht nur die anhaltende Trockenheit, sondern auch die Sandböden, die kaum Wasser speichern, führen zu häufigen Waldbränden. Auslöser der Feuer sind aber in der Regel Menschen.

Geht uns bald das (Trink-)Wasser aus?

Jein - Die Lage in Deutschland ist aktuell noch stabil. Aber auch hier gibt es wieder regionale Abweichungen. Bei den letzten Dürrejahren 2018 und 2020 kam es an manchen Orten dazu, dass Grundwasserbrunnen trockenfielen und auch Wasserversorger kamen teilweise an ihre Grenzen.

Doch Wasserknappheit hat viele Facetten: Fehlt der Landwirtschaft das Wasser, können weniger Lebensmittel produziert werden, Ernten fallen aus. Wasser wird aber auch dazu benötigt, um Kernkraftwerke zu kühlen, die unseren Strom produzieren. Aber auch Flusspegel leiden unter anhaltender Hitze und Dürre. Wenn Pegel sinken, können Güter auch nicht mehr über unsere Flüsse transportiert werden.

Auch wenn die Lage derzeit in Deutschland nicht so dramatisch ist wie in Italien – es betrifft uns alle. Und so kann auch jeder etwas dazu beitragen, dass auch weiterhin das wertvolle kühle Nass aus unseren Wasserhähnen sprudeln kann.

Mit welchen einfachen Tricks man jeder zu Hause Wasser sparen kann, zeigt uns Wetter- und Klimaexperte Bernd Fuchs.

Im Kölner Stadionbad genießen Badegäste den Beginn der Freibad-Saison.
Der Juli bringt perfektes Badewetter: Es bleibt heißt und trocken, da hilft nur der Sprung ins kühle Nasse. Trotzdem sollte man sich überlegen wie man auch im privaten Rahmen Wasser sparen könnte.

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(sso)