Falsche Meldung zum Meeresspiegel

Durcheinander zur Studie über den steigenden Meeresspiegel

In vielen Medien konnte man von einer Studie hören oder lesen, dass der Meeresspiegel doppelt so stark ansteigen würde, als bislang vermutet. Doch die Studie wurde völlig falsch interpretiert.

"Der Meeresspiegel steigt doppelt so stark wie bisher vermutet", war die Aussage, die man lesen konnte. Dieser Meldung war eine Studie vorausgegangen, die von einem Forscherteam um Roelof Rietbroek vom Institut für Geodäsie und Geoinformation der Universität Bonn im Fachjournal 'PNAS' veröffentlicht wurde. Doch die Katastrophenmeldung ist so nicht richtig. "Die Aussage, dass der Anstieg des Meeresspiegels doppelt so hoch ist wie bislang vermutet, stimmt nicht", sagte Rietbroek dem WDR.

Schmelzende Eisberge tragen weniger zum Meeresanstieg bei als bislang gedacht

Was die Studie eigentlich aussagt ist, dass die Ausdehnung des Meerwassers aufgrund seiner Erwärmung bislang unterschätzt wurde. Die Forscher hatten die Daten verschiedener Satelliten ausgewertet um den Anstieg des Meeresspiegels zu analysieren. Der ist zum einen durch das Abschmelzen von Gletschern und Polareis wegen des weltweiten Anstiegs der Temperaturen begründet, zum andern werden auch die Ozeane selbst wärmer, was eine Ausdehnung des Wasservolumens mit sich bringt.

In der Vergangenheit war man davon ausgegangen, dass die Erwärmung des Wassers ungefähr 0,7 Millimeter zum jährlichen Meeresanstieg von 3 Millimeter beiträgt. Das Ergebnis der Studie beweist nun jedoch, dass der Anteil doppelt so hoch ist. 1,4 Millimeter, also fast die Hälfte des Meeresanstieges kommt durch das erwärmte Wasser, das mehr Platz in Anspruch nimmt. An der Gesamthöhe des Meeresspiegel-Anstiegs ändert das jedoch nichts.

Weltmeere heizen sich immer schneller auf

Die Meere auf unserem Planeten bedecken mehr als 70 Prozent der Erdoberfläche. Sie sind der größte Wärmespeicher und puffern die Klimaerwärmung enorm ab. Besonders in den letzten 20 Jahren haben sich die Ozeane bis in tiefere Wasserschichten besonders schnell aufgeheizt, so berichten Wissenschaftler in der Fachzeitschrift 'Nature Climate Change'.

Erklärung zum Video:

Diese NASA-Visualisierung zeigt insgesamt die Veränderung des Meeresspiegels zwischen 1992 und 2014 auf Basis von Satellitendaten. Blaue Bereiche zeigen, wo der Meeresspiegel gesunken ist, und die orangen Regionen, wo der Meeresspiegel gestiegen ist. Seit 1992 haben Meeren auf der ganzen Welt einen Durchschnitt von fast 8 Zentimeter gestiegen.