Das kann das Wetter im Herbst

Nur stürmisch und frisch? Von wegen!

von Valerie Dörner

Endlich wieder bunte Blätter an den Bäumen, lange Spaziergänge und es sich zu Hause gemütlich machen: Am 1. September startet aus meteorologischer Sicht der Herbst. Und der hat es wettertechnisch ganz schön in sich! Denn während er oft noch warm und sommerlich startet, kann es gegen Ende schon mal ungemütlich werden. Wir zeigen, was in den nächsten Monaten auf uns zukommen könnte.

Oben im Video: Frost-Fakten für den Winter – mit wie viel eisigen Tagen müssen wir in Deutschland durchschnittlich rechnen?

Im September ist der Sommer noch zu spüren

Der Übergang vom Sommer in den Herbst ist für viele eine Zäsur. Es wird vielerorts kälter und ungemütlicher, aus dem Feierabendgetränk auf der Terrasse wird ein heißer Tee auf der Couch. Aber keine Angst: In den letzten Jahren war der Übergang kein plötzlicher. Stattdessen streckt der Sommer seine Fühler aus – und gerade der September ist oft noch überraschend warm.

Die wärmste, seit Beginn der Aufzeichnungen im September gemessene Temperatur liegt bei sage und schreibe 36,5 Grad. Das war am 3. September 1911 in Jena. Doch auch in den letzten Jahren kletterte das Thermometer im September immer mal wieder über die 30-Grad-Marke. Zum Beispiel 2019, wo das Bundesland Brandenburg einen besonders warmen Septemberanfang erlebte – mit Temperaturen zwischen 33 und 34 Grad.

Meteorologisch und kalendarisch – warum gibt es eigentlich zwei Termine für den Herbstanfang? Wir erklären es Ihnen hier.

Badegäste genießen das ungewöhnlich warme Spätsommerwetter am Ostseestrand
Im September ist vielleicht sogar noch der ein- oder andere Strandtag drin!

Sommerhitze im September - auch das kann vorkommen

Spürbar kälter wird es überall spätesten Ende des Monats. Doch auch hier, im letzten Monatsdrittel, waren in Ausnahmefällen schon Temperaturen über 30 Grad drin.

Es gibt aber ebenso Ausschläge in die andere Richtung: In einigen Jahren hat der September auch schon für Minusgrade gesorgt. Auch damit ist aber wenn dann eher Ende des Monats zu rechnen.

Für den September gibt es übrigens einige Bauernregeln. Viele davon sollen Voraussagen für den ganzen Herbst treffen. Wir zeigen sie hier.

Der Trend geht zum trockenen Oktober

Auch der Oktober brachte in den letztem Jahren zwar keine hochsommerlichen Temperaturen mehr, dafür aber überdurchschnittlich viel Sonne – bei gleichzeitig unterdurchschnittlich viel Regen. Allgemein zählt der Oktober zu den trockeneren Monaten in Deutschland mit durchschnittlich 55,8 Litern pro Quadratmeter (1961-1990).

Allerdings: Der Oktober kann auch anders. Der Oktober 2018 beispielsweise war extrem trocken. Vielerorts fiel gerade Mal ein Zehntel der üblichen Niederschlagsmenge, zum Beispiel in Gernsheim in Baden-Württemberg, wo 2018 gerade einmal 7,4 Liter pro Quadratmeter vom Himmel kamen. 2019 und 2020 war die Niederschlagsmenge dann vergleichsweise wieder hoch.

Kürbis auf Laubbett
Halloween am letzten Oktobertag (31. Oktober) kann durchaus verregnet sein.

Im November können sich schon Minusgrade ankündigen

Der letzte Herbstmonat November ist bekannt dafür, kalt, windig und ungemütlich zu sein. Teilweise machen sich hier schon die Vorboten des Winters bemerkbar. Gerade zum letzten Monatsdrittel hin müssen wir uns auf Minustemperaturen einstellen – in Ausnahmefällen sind sogar Temperaturen unter -20 Grad drin, wie ein Blick in die Statistik zeigt. Zuletzt war das 1998 in Oberstdorf in Bayern der Fall, wo am 22. November -22,4 Grad gemessen wurden. Das sind allerdings die Ausnahmen.

Raureif überzieht Blätter in der Eifel bei Kempenich
Der November sorgt für die ein- oder andere frostige Nacht - mit wunderschönem Rauhreif am nächsten Morgen.

Extremwetterereignisse im Herbst

Allgemein zeigt sich: Gerade in den letzten Jahren war der Herbst eher trocken und mild, statt nass und eisig. Ideales Wetter für den ein- oder anderen ausgedehnten Spaziergang also.

In einigen Fällen kann es im Herbst allerdings zu Extremwetterereignissen wie Starkregen oder Stürmen kommen. Unvergessen bei vielen ist zum Beispiel das Sturmtief Xavier, das im Oktober 2017 über Mitteleuropa zog und ordentliche Schäden hinterließ.

Erster Schnee im Oktober - ja, das ist möglich!

Der Herbst kann nicht nur stürmisch sein, sondern auch weiß. Und das nicht nur auf der Zugspitze, wo ohnehin fast immer Schnee liegt – sondern auch in tieferen Lagen. Bereits Anfang Oktober kann in Mittelgebirgen durchaus schon mal Schnee fallen. In ganz seltenen Fällen sogar im September.

Wann und wo in Ihrer Region normalerweise der erste Schnee fällt, zeigen wir hier.

Mit Schnee bedecktes Auto
Goldenes Oktoberwetter Fehlanzeige - es kann durchaus schon schneien.

Tag-Nacht-Gleiche - was ist das?

Der Herbst birgt neben dem Wetter allerdings auch andere spannende Phänomene. Zum Beispiel die Tag-Nacht-Gleiche Ende September. Dieses Ereignis wird auch „Äquinoktium“ genannt, von lateinisch aequus ‚gleich‘ und nox ‚Nacht‘.

Im Herbst findet die Tag-und-Nacht-Gleiche immer am 22., 23. oder 24. September statt. 2022 werden am 23. September der Tag und die Nacht genau gleich lang sein. Der Tag markiert den Wendepunkt von lauen und langen Sommernächten hin zu vermehrter Dunkelheit. Danach werden die Nächte nämlich wieder länger als die Tage.

Das bringt der herbstliche Sternenhimmel

Auch der Sternenhimmel im Herbst weiß mit spannenden Ereignissen zu begeistern. Das dominierende Sternbild am Herbsthimmel ist Pegasus. Auf Seite der Planeten können vor allem gegen Ende des Herbstes Merkur und Jupiter gut beobachtet werden.

Ende Oktober stehen die Orioniden an, ein Meteorschauer mit hohen Geschwindigkeiten. Mit rund 66 Kilometern pro Sekunde treten die Meteore in die Erdatmosphäre ein und hinterlassen den typischen Schweif einer Sternschnuppe am Himmel.

Später im Herbst können Sternschnuppen-Liebhaber dann noch die Leoniden beobachten. Mit unglaublicher Geschwindigkeit kreuzen die Leoniden Mitte November die Bahn der Erde und stellen mit ihren Feuerbällen den Höhepunkt des Sternenhimmels im November dar.

Leoniden am Nachthimmel im November
Wer auf Sternschnuppen-Jagd ist, könnte im Oktober oder November Glück haben - zum Beispiel bei den Leoniden.

Im Herbst steht der Wechsel auf Winterreifen an

Nun zu einem ganz praktischen Ereignis: Im Herbst steht der Wechsel von Sommer- auf Winterreifen an. Zwar gibt es keinen gesetzlich verpflichtenden Termin, sprichwörtlich heißt es jedoch: Sommerreifen von „O“ bis „O“, also Ostern bis Oktober. Der Herbst ist also die ideale Zeit, um auf Winterreifen umzurüsten – und daran sollte man sich auch halten. Denn wer später im Winter bei Glatteis, Schneeglätte oder Schneematschen Verkehr mit falscher Bereifung erwischt wird, dem droht ein Bußgeld von 60 Euro – bei Behinderung anderer Verkehrsteilnehmer sogar 80 Euro.

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(vdö)