Tief BERND: Woher kommen solche Wassermassen?

Starkregen, Überschwemmungen, Hochwasser, Hitze und Dürren - Sommerwetter wird extremer

RTL-Meteorologe über die Veränderung unseres Sommerwetters

Der Klimawandel verschärft sich inzwischen immer weiter zur Klimakrise. Und auch wenn sich einzelne Wettereignisse nicht direkt den Veränderungen zusprechen lassen, so zeigt sich über die vergangenen Jahre leider ein Trend, der seinen traurigen und unfassbaren Höhepunkt in den Unwettern und deren Folgen durch Tief BERND hatte. Wir sprechen mit dem RTL-Meteorologen Björn Alexander über die Veränderung unserer Sommermonate.

Leider lässt die nächste Gewitterlage gar nicht mehr allzu lange auf sich warten.


Oben im Video: Tief BERND – Chaos in den Fluten

Stichwort Starkregen: Wie wirkt sich die Klimawandel konkret auf unser Wetter aus?

RTL-Meteorologe Björn Alexander: „Die durch die Aktivität des Menschen beschleunigte Erwärmung der Erdatmosphäre hat in erster Linie zur Folge, dass die Luft grundsätzlich mehr Wasserdampf aufnehmen kann. Das bedeutet zuerst einmal, dass sowohl mehr Energie für intensivere Sturmereignisse vorhanden ist und dass theoretisch gesehen mehr Regen fallen kann.”

Dürren und Überschwemmungen werden häufiger

Aus den Dürrejahren 2018/2019: Ausgetrockneter und tief zerfurchter Acker in der Nähe von Blankenheim  Eifel / Kreis Euskirchen / NRW .
Ausgetrockneter und tief zerfurchter Acker in der Nähe von Blankenheim im Kreis Euskirchen. Ein Bild, das stellvertretend für die Dürresommer 2018 und 2019 steht. © imago images/Manngold, via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Warum „theoretisch”?

„Weil es ja auch die entsprechenden Wetterlagen geben muss. Und auch an dieser Stelle zeigt sich in den Sommern der letzten Jahren eine tiefgreifende Veränderung. So haben wir haben bei unseren Sommern in den letzten Jahren fast nur noch Extreme erlebt. In den Jahren von 2014 bis 2017 beispielsweise häufig Unwetterlagen mit heftigen Überflutungen wie in Münster, am Niederrhein oder in Berlin”, sagt Björn Alexander.

„Das Gegenteil erlebten wir in den Sommern 2018 und 2019: Lang anhaltende Hochdruckwetterlagen mit erheblicher Dürre. In diesem Sommer schwingt das Wetterpendel nun wieder auf die andere Seite. Kurzum: unserem Wetter geht die Dynamik abhanden. Und genau das ist auch der Grund für die Unwetterlage durch Tief BERND in der letzten Woche.”

RTL-Meteorologe Björn Alexander

Das Foto zeigt den RTL-Meteorologen Björn Alexander
RTL-Meteorologe Björn Alexander © wetter.de

Wie sah denn die Wetterlage aus?

„Tief BERND zog sehr langsam über Deutschland hinweg und hat dabei feucht-warme Luft mit riesigen Wassermassen über Deutschland gedreht. Insbesondere im Umfeld der westlichen Mittelgebirge mit Rekordregenmengen. Punktuell wäre das weniger problematisch gewesen. Aber in der Fläche vom Sauerland und dem südlichen Ruhrgebiet über das Bergische Land, das Rheinland bis in die Eifel und den Aachener Raum waren die Wassermassen so extrem wie noch nie seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.”

Was ist der Jet-Stream?

Die Graphik zeigt den Jet-Stream über Nordamerika.
Die wettersteuernde Strömung, der Jet-Stream ist hier rötlich dargestellt. © NASA's Goddard Space Flight Center

Wie beeinflusst der Klimawandel solche außergewöhnlichen Wettersituationen?

„Sehr problematisch ist, dass sich die Polregionen durch den Klimawandel schneller erwärmen als der Rest der Welt.“, so RTL-Meteorologe Alexander. Das verändere nämlich die Dynamik des Wettergeschehens weltweit.

„Die wettersteuernde Strömung, der Jetstream, verläuft wellenförmig über die Nordhalbkugel. Dabei hat sich dieses Muster in den letzten Jahren verändert”, meint Alexander. Das Fatale: „Der Jet wird tendenziell schwächer und die Wellen liegen oft ungewöhnlich stabil, was wiederum zu länger anhaltenden Großwetterlagen oder beispielsweise zu langsam ziehenden Tiefdruckgebieten führt, wie es bei Tief BERND gewesen ist.”

Tief BERND erreicht Deutschland

Die Graphik zeigt ein Satelliten-Bild mit Tief BERND über Benelux und dem Westen Deutschlands.
Tief BERND erreicht Deutschland von Westen her. © wetter.de

Faktencheck: So verändert der Klimawandel unsere Wetterlage

Hier noch einmal der Überblick

  • höhere Temperaturen sorgen für eine Intensivierung der Wetterereignisse
  • stärkere Stürme und heftigere Starkregen sind die Folgen
  • gleichzeitig erwärmt der Klimawandel die Polregionen schneller als den Rest der Welt
  • hierdurch werden die Temperaturunterschiede zwischen Pol und Äquator geringer
  • das bremst schlussendlich die wettersteuernde Strömung, den sogenannten Jet-Stream aus
Mehr zum Thema Jet-Stream in unserem Wetterlexikon.

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(bal/kfb)