Rhein kurz vor der Sperrung

Dürre in Deutschland: Die Folgen des Wassermangels und des Niedrigwassers

von Björn Alexander und Zarah Reinders

Der Pegel in den Flüssen Deutschlands, wie dem Rhein und der Oder, sinkt jeden Tag ein Stückchen mehr. Schon länger können Binnenschiffe nur mit weniger Ladung fahren. Und die Situation scheint sich weiter zu verschärfen.

Knotenpunkt bei Kaub könnte unpassierbar werden

 Niedrigwasser in Köln Deutz bei Rheinpegel 93cm Pegel Köln Aufgrund der akuten Hitze und Regenmangel werden am Ufer großflächiger Sand-und Kiesflächen freigelegt. Die Schifffahrt ist stark eingeschränkt. 10.08.2022 Köln Deutz NRW Deutschland *** Low
Normalerweise sind die Uferzonen des Rheins bei Köln Deutz unter Wasser.

An den Flüssen sind die Folgen der Dürre deutlich sichtbar. Uferzonen fallen trocken, neue Kiesbänke werden sichtbar. In Kaub bei Koblenz kann das in den nächsten Tagen zu deutlichen Einschränkungen der Schifffahrt führen – nämlich zu einer Sperrung!.

Die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bunds erwartet am Morgen des 12. August die kritische Tiefe von 40 Zentimetern. Bei so einem niedrigen Pegelstand können nur noch spezielle Schiffe, die für flache Gewässer ausgelegt sind, die Stelle passieren. Das ändert sich, wenn der Pegel auf 30 Zentimeter sinkt.„Wir gehen den Vorhersagen zufolge Richtung 30 Zentimeter bis Anfang nächster Woche am Pegel Kaub. Tendenziell kommt die Rheinschifffahrt in diesem Bereich dann zum Erliegen“, so Bastian Klein, Experte der Bundesanstalt für Gewässerkunde.

Früher Niedrigwasser als in Vorherigen Dürre-Jahren

Dass die Pegel der Flüsse fallen, ist eigentlich nichts ungewöhnliches. Zu Bedenken gibt aber nicht nur die Tiefe, sondern auch der Zeitpunkt. wetter.de-Meteorologe Björn Alexander ordnet ein: „Wir bewegen uns bei den Pegelständen auf negativem Rekordniveau - und das ist eigentlich noch viel zu früh im Jahr und dürfte für weitere Einschränkungen bei der Schifffahrt sorgen. Für gewöhnlich haben wir die niedrigsten Wasserstände erst im Spätsommer oder im Herbst. Es könnte also wirklich dramatisch werden.“

Die Pegelstand in Kaub war 2018 erst am 22. Oktober auf seinen Rekordwert von 25 Zentimetern gesunken. Jetzt werden knapp zwei Monate früher bereits Pegelstände von etwas über 30 Zentimetern erwartet.

Lese-Tipp: Kein Regen, viel zu trocken – der Bodensee hat Niedrigwasser

Schiffskonvoi bei "Rhein in Flammen" abgesagt

Veranstaltung "Rhein in Flammen" in Koblenz, 11. August 2018.
"Rhein in Flammen" fand 2018 noch wie gewohnt statt.

Die Veranstaltung „Rhein in Flammen“ sollte nach zwei Jahren Corona-Pause nun wie gewohnt in Koblenz und im Mittelrheintal stattfinden. Jetzt macht das Niedrigwasser dem ursprünglichen Plan aber einen Strich durch die Rechnung. Das Spektakel muss dieses Jahr ohne Schiffskonvoi stattfinden. Es werde nun besprochen, wie die Feuerwerke stattdessen stattfinden könnten.

Nach Angaben der Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH werden sie wegen der Trockenheit in einigen Orten vermutlich vorsorglich ans Rheinufer verlegt und am Wasser abgeschossen: beispielsweise in Spay, Rhens und Stolzenfels.

Einschränkungen im Fährbetrieb

In Folge des Niedrigwassers müssen auch immer mehr Fähren ihren Betrieb einstellen. Zum Teil liegen ihre Anleger frei.

So kann unter anderem die Fähre zwischen Niederheimbach und dem hessischen Lorch nicht mehr fahren. Am Mittwoch habe sie mehrfach auf dem Grund aufgesetzt. Stattdessen soll sie vorübergehend in Ingelheim zum Einsatz kommen. Die Hitdorfer Fähre muss Ende der Woche vermutlich ihren Betrieb einstellen. Auch die Fähre in Bad Honnef hat aufgrund des Niedrigwassers erste Maßnahmen ergriffen. Zunächst soll die Anlege-Rampe verlegt werden.

Zwischen Linz und Remagen-Kripp läuft der Fährbetrieb derzeit noch ohne Anpassungen.

Nicht alle Flüsse gleich stark betroffen

Während wegen das Niedrigwasser in einigen Flüssen, wie dem Rhein, keine Maßnahmen ergriffen werden können, sieht das beispielsweise an der Mosel und an der Weser anders aus. Hier ist der geringe Pegelstand weniger ein Problem, weil sich dieser mit Staustufen etwas regulieren lässt. Die Weser beispielsweise wird über Wasser aus dem Edersee versorgt. Erst wenn dieser trocken fällt, droht Niedrigwasser.

Uferbereiche des Edersees liegen wegen Niedrigwasser frei, Foto: 19.07.2022
Der Edersee wurde vor mehr als hundert Jahren gebaut, um die Weser mit Wasser zu versorgen.

Kurzfristige Besserung nicht in Sicht

Um die Flüsse wieder aufzufüllen ist flächendeckender Landregen nötig. Der ist zumindest bis kommende Woche nicht in Sicht. Stattdessen kann es im Erzgebirge und im Bayerischen Wald vereinzelt Gewittern.

Mehr dazu lesen Sie im 7-Tage-Wettertrend.

Unsere Wettertrends und Themenseiten

Sollten Sie Interesse an weiteren Wetter-, Klima- und Wissenschaftsthemen haben, sind Sie bei wetter.de bestens aufgehoben. Besonders ans Herz legenkönnen wir Ihnen auch den 7-Tage-Wettertrend mit der Wetterprognose für die kommende Woche. Dieser wird täglich aktualisiert. Falls Sie weiter in die Zukunft schauen möchten, ist der 42-Tage-Wettertrend eine Option. Dort schauen wir uns an, was auf uns in den kommenden Wochen zukommt. Vielleicht interessiert Sie eher wie sich das Klima in den vergangenen Monaten verhalten hat und wie die Prognose für das restliche Jahr aussieht. Dafür haben wir unseren Klimatrend für Deutschland.

Damit Sie auch unterwegs kein Wetter mehr verpassen, empfehlen wir unsere wetter.de-App für Apple- und Android-Geräte.

Wüstenstaat Deutschland - Die Doku im Online Stream auf RTL+

(bal, zre mit dpa)