Bomben-Zyklon wirkt bis Deutschland

Böen bis 200 km/h - Sturmserie auf dem Atlantik mit rekordverdächtigem Höhepunkt

von Björn Alexander, Christian Häckl und Oliver Hantke

Bereits seit Tagen geht ein Thema durch unsere morgendliche Wetterbesprechung, das für enorme Spannung sorgt. Die Sturmentwicklung auf dem Atlantik. Denn die Wettercomputer lassen die Meteorologen derzeit fast schon in Superlativen denken und sprechen. Eine außergewöhnliche Entwicklung zeichnet sich ab.

Oben im Video: Atlantik-Stürme geben sich die Klinke in die Hand

Bombogenese ist schon fast untertrieben

Der RTL-Meteorologe Christian Häckl beschreibt, dass der Begriff der Bombogenese - also eine extrem rasche Verstärkung eines Tiefdruckgebietes - eigentlich eine „viel zu schwache Beschreibung” für das bevorstehende Monstertief sei. Doch der Reihe nach. „Was ist eigentlich die ganze Story?“, fragen wir beherzt in die Runde des anwesenden Fachpersonals und bekommen sogleich Ausführungen in Hülle und Fülle.

Die Ausgangslage: Tiefdruckkette mit Eisgebläse

„In diesen Tagen ist reichlich was los auf dem Atlantik - ein Tief jagt das nächste. Im Zentrum der Stürme liegt wiederholt Island”, beschreibt Meteorologe Björn Alexander. Gerade liege die Insel im Einflussbereich von Tief QUEENA. Im Tagesverlauf seien Böen bis um die 100 km/h drin. Außerdem eiskalte Luft mit gefühlten Temperaturen von um die -10 bis an die -25 Grad. Das sei definitiv „extrem unlustig” sind sich Häckl und Alexander einig, die selber schon häufiger auf der Insel aus Eis und Feuer unterwegs waren und solche extremen Temperaturen dort miterlebt haben. Alexander war zuletzt im Februar 2020 auf der Nordmeer-Insel - genau als ein ebenfalls massives Orkantief blizzardartige Verhältnisse brachte.

Jet-Stream mit fabulöser Bombogenese

RTL-Meteorologe Christian Häckl erläutert die Entwicklung der kommenden Tage: „Die wettersteuernde Strömung, der sogenannte Jet-Stream in einigen Kilometern Höhe legt jetzt nochmals an Dynamik zu und erreicht bis zu 200 Knoten und mehr.” Das entspricht unfassbaren 350 bis 400 km/h. „Da das Wettergeschehen von oben nach unten gesteuert wird, ist das ein außergewöhnlich heftiger Motor”, führt Häckl aus. Als Folge sind sich die Meteorologen einig, dass es eine extrem rasante Bombogenese geben wird. Von dieser und einem sogenannten Bomben-Zyklon wird gesprochen, wenn der Druckfall innerhalb von 24 Stunden um mindestens 24 Hektopascal absinkt.

Blick ins Wetterlexikon: Luftdruck und Hektopascal – darum geht es

Gigant und Antreiber des Winters - so entwickelt sich der Polarwirbel

In der Vorhersage wird die Temperatur in einigen Kilometern Höhe dargestellt. Je gleichförmiger die blauen, also kalten Bereiche zusammenhängen, umso stärker ist der Polarwirbel. Werden hingegen große Lücken und mildere Einschübe in Richtung Nordpol berechnet, dann ist der Wirbel instabiler. Bei einem Polarwirbelsplit teilen sich die blauen Flächen in zwei Teile auf.

Rekordjagd im Tiefdruckkern ist eröffnet

Beim bevorstehenden Monster-Orkan seien aber ganz andere Dimensionen von den Wettermodell angezeigt, sieht Björn Alexander. Zwar verweist er auf die Ungenauigkeiten, die die Berechnungen über Tage im Voraus natürlich noch haben. Dennoch „sind in den Seeregionen rund um Island im Kernbereich des Orkans unter 930, vielleicht sogar unter 920 Hektopascal nicht auszuschließen“. Zum Vergleich: der tiefste, je gemessene Luftdruck auf dem Nordatlantik liegt bis 912 Hektopascal aus dem Jahr 1993. Damals verzeichnete man einen Druckabfall von über 70 Hektopascal binnen 24 Stunden.

Prognose und Vorhersage - Windspitzen

Die Graphik zeigt, dass die Orkangefahr auf dem Nordatlantik zu Beginn der nächsten Woche sehr groß ist
Orkangefahr zu Beginn der nächsten Woche

Orkanschelle - tiefer Druck gleich extreme Windböen

Noch ist den Meteorologen unklar, wie der Orkan genau ziehen wird und ob er sich womöglich in zwei Kerne aufteilt. Doch deuten die Vorhersagen natürlich ebenso auf extremste Windspitzen hin. Den Höhepunkt gibt es am Montag und Dienstag nächster Woche. Dann würden die Spitzenböen um die 200 km/h erreichen. Björn Alexander mit der Prognose: „Die heftigsten Böen liegen locker bei 200 km/h und mehr. Und auch die mittleren Windgeschwindigkeiten, die ja bei Hurrikans oder Taifunen der Massstab zur Einordnung sind, liegen eben genau im Bereich solche Tropenstürmen.” Vom Vergleich der reinen Windgeschwindigkeiten wäre somit die Größenordnung eines Kategorie 2-, vielleicht sogar eines Kategorie 3-Hurrikans (von 5 Kategorien) denkbar. Häckl ergänzt in diesem Zusammenhang noch, dass auch das Aufeinandertreffen von vergleichsweise warmem Wasser von 6 bis 9 Grad mit extrem kalter Grönlandluft (-43 Grad in 5 Kilometern Höhe) eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung dieses Megasturms spiele.

Hat der Sturm auch Auswirkungen auf das Wetter in Deutschland?

Windfahne, Sturm
Orkan-Alarm auf Island - den Höhepunkt gibt es wohl Anfang nächster Woche

Christian Häckl dazu: „Die wettersteuernde Strömung trifft vor allem am Sonntag ebenfalls die Nordhälfte Deutschlands mit Sauwetter, reichlich Regen und Wind.” Anschließend sieht der Wetterexperte den stürmischen Atlantik und somit auch die isländische Orkanschelle mit in der Verantwortung für den Vorgeschmack auf den Frühling hierzulande. Denn zum Dienstag und Mittwoch nächster Woche wehe auf der Vorderseite der atlantischen Tiefdruckgebiete ein Hauch vom Vorfrühling mit Spitzenwerten bis knapp 15 Grad übers Land.

Lese-Tipp: Frühling gibt Lebenszeichen mit an die 15 Grad

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(bal, oha)