Der Planet ist kaputt

Erschütternde Botschaften der Wetter-Organisationen

Ein Feuerwehrmann ist beim Silverado Fire im Einsatz. Vier von fünf Naturkatastrophen sind nach einer Studie des Roten Kreuzes in den vergangenen zehn Jahren auf extremes Wetter und die Folgen der Klimakrise zurückge
Es gibt mehr Katastrophen durch den Klimawandel und Extremwetter © dpa, Jae C. Hong, JCH pat alf

Aus der Corona-Pandemie für die Klimakrise lernen

Gleich drei Klima-Berichte und UN-Generalsekretär António Guterres haben ein düsteres Bild vom Zustand der Erde in der Klimakrise gezeichnet - aber mit dem Weg aus der Corona-Pandemie auch Hoffnung auf Besserung verknüpft. Das Jahr 2020 dürfte nach vorläufigen Analysen der Weltwetterorganisation (WMO) das zweitwärmste nach 2016 seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen Mitte des 19. Jahrhunderts werden. Die Weltnaturschutzorganisation (IUCN) sieht den Klimawandel nun als größte Bedrohung der Weltnaturerbestätten.

Das UN-Umweltprogramm (Unep) mahnte unterdessen in einem weiteren veröffentlichten Klima-Bericht, dass die derzeit geplante weltweite Produktion von fossilen Brennstoffen viel zu hoch sei, um die Pariser Klimaziele bis 2030 erreichen zu können. „Unser Planet ist kaputt“, kommentierte UN-Chef Guterres an der New Yorker Columbia Universität bei einer Rede zum Zustand der Erde. Der Weg aus der Corona-Krise biete in dieser Hinsicht aber eine Chance. „Die Corona-Erholung und die Reparatur des Planeten können zwei Seiten derselben Medaille sein.“

Weltnaturerbe Fraser Island zur Hälfte niedergebrannt

Weltnaturerbe Fraser Island zur Hälfte niedergebrannt
Die australische Touristenattraktion Fraser Island: Die Hälfte der größten Sandinsel der Welt, die seit 1992 zum Weltnaturerbe der Unesco gehört, ist bereits zerstört. © QFES via REUTERS, QFES, DEG

Die Klimaerwärmung macht vor nichts und niemandem Halt. Aktuelles Beispiel: Derzeit brennt das Weltnaturerbe Fraser Island in Australien. Die Hälfte der größten Sandinsel der Welt, die seit 1992 zum Weltnaturerbe der Unesco gehört, ist den Angaben zufolge bereits zerstört.

Mit einer Länge von 122 Kilometern ist Fraser Island die größte Sandinsel der Erde. Es gibt zahlreiche Aussichtspunkte, Badestrände und Süßwasserseen, was die Insel vor allem bei Campern beliebt macht. Neben Buschland und Mangrovensümpfen wächst auf dem Sand auch ein tropischer Regenwald. Dieser ist den Behörden zufolge aber bisher nicht von dem Feuer betroffen. Der Buschbrand soll durch ein illegales Lagerfeuer am 14. Oktober ausgelöst worden sein.

Wattenmeer einer sehr hohen Bedrohung ausgesetzt

Seehundbänke im Naturschutzpark Wattenmeer
Das Wattenmeer wird verschwinden, wenn der Meeresspiegel steigt. © imago images/Hans-Günther Oed, via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Der Klimawandel ist die größte Bedrohung für die Weltnaturerbestätten weltweit geworden, teilte die Weltnaturschutzorganisation IUCN mit, das weltweit größte Netzwerk staatlicher und nichtstaatlicher Umweltorganisationen. Die globale Erwärmung sei bei einem Drittel der Gebiete eine „hohe oder sehr hohe Bedrohung“. 2014 war das erst bei einem Viertel der Fall. Auch das Weltnaturerbe Wattenmeer an der Nordsee gehört zu den betroffenen Regionen mit einer „sehr hohen Bedrohung“ durch den Klimawandel.

Der Klimawandel kennt keinen harmlosen Verlauf: Mehr Tote als Corona

Europa auf Rekordkurs mit den Temperaturen

Die Verbrennung von Kohle setzt enorm viel CO2 frei.
Braunkohlekraftwerke gehören zu den größten Verursachern der Erderwärmung. © dpa, Patrick Pleul, ppl vco

Die Weltwetterorganisation teilte mit, dass die Durchschnittstemperatur für Europa in den ersten zehn Monaten 2020 höher als je zuvor gewesen sei. Klar sei schon jetzt, dass die Jahre seit 2015 die sechs wärmsten seit Messbeginn seien. Der Temperaturrekord wurde 2016 mit plus 1,2 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Niveau erreicht.

Die jetzigen Vorhersagen beziehen sich auf Messungen von Januar bis Oktober. In diesen Monaten lag die globale Durchschnittstemperatur um 1,11 bis 1,23 Grad über dem Durchschnitt der Jahre 1850 bis 1900. Dies, obwohl sich das alle paar Jahre auftretende Wetterphänomen La Niña im September entwickelte, das eigentlich mit Temperaturabkühlungen einhergeht. Besonders drastisch waren die Messergebnisse nördlich des Polarkreises in Sibirien: Die Temperatur lag dort von Januar bis Oktober mehr als fünf Grad über dem Durchschnitt von 1981 bis 2010.

Auch der November ging viel zu warm weiter: Am Pol mit satten 16 Grad zu viel

Viele Industrieländer geben auch Anlass zur Hoffnung

WMO-Generaldirektor Petteri Taalas sieht aber auch Anlass zu Optimismus, weil immer mehr - und vor allem große Länder - auf das Ziel der CO2-Neutralität einschwenkten. Er nannte die EU, Japan, Südkorea und - in naher Zukunft - die USA.

„Auch China als Land mit dem größten CO2-Ausstoß - es ist eine gute Nachricht, dass China dem Club der CO2-neutralen Länder beitritt“, sagte Taalas. Er hoffe, dass Russland und Indien dies auch zügig täten.

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