Eine doppelte Sauerei

Plastik-Produktion für 4,5 Prozent der weltweiten Treibhausgase verantwortlich

Unser Plastik wird woanders produziert: Energiewende muss daher weltweit funktionieren

Dass Plastik Flüsse und Weltmeere vermüllt,für den tausendfachen Tod von Seevögeln und Meeresbewohnern verantwortlich ist und schließlich auch in kleiner nahezu zersetzter Form als Mikroplastik in unseren Körpern landet, ist hinlänglich bekannt. Doch Plastik hat noch eine weitere sehr unangenehme Eigenschaft: In der Produktion benötigt es sehr viel Strom und daher war es im Jahr 2015 für 4,5 Prozent der weltweiten Treibhausgas-Emissionen verantwortlich. Wäre Plastik ein Land, es wäre nach China, den USA, Indien und Russland der fünftgrößte Verursacher von CO2. Wie bekommen wir dieses Problem in den Griff?

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Das Problem: Plastik wird in Ländern produziert, die auf Kohle setzen

13.06.2016, Ghana, Accra: Ein Mann sammelt verwertbares Material am verschmutzten Korle Gono Strand..
Ein "Strand" in Ghana. 400 Millionen Tonnen Plastik werden pro Jahr produziert, nur 12 Prozent recyclet. Der Rest landet irgendwann an solchen Stränden oder wird verbrannt und setzt dabei nochmals CO2 frei. © dpa, Christian Thompson, ct bm jol csa pil fgj ssd

Der größte Teil der Emissionen entsteht in der Produktion des Plastiks. Nun wird das meiste Plastik in der EU und den USA konsumiert, produziert wird es aber in Schwellenländern wie China, Indonesien und Südafrika. 400 Millionen Tonnen Plastik werden pro Jahr hergestellt – es ist unvorstellbar. Recyclet werden übrigens ganze 12 Prozent.

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Wie Forscher von der ETH Zürich in einer Studie, die im Fachjournal „Nature Sustainability“ erschienen ist, belegen, haben die Länder, die das Plastik produzieren, einen sehr hohen Energieverbrauch. Weil in den Schwellenländern die Energie aber hauptsächlich aus klimaschädlicher Kohle gewonnen wird, sind die Treibhausgasemissionen bei der Plastik-Produktion so hoch.

Zwei Drittel der Treibhausgase, die bei der Herstellung von in der EU genutztem Plastik entstehen, werden in anderen Teilen der Welt ausgestoßen – vor allem in China und im Nahen Osten. Damit rechnen wir in der EU unsere CO2-Bilanz schön. Unsere Schornsteine stehen also in anderen Ländern und blasen da das CO2 in die Luft. Der Erderwärmung ist es aber egal, aus welchem Land die Emission stammt. So wird es jedes Jahr ein kleines bisschen wärmer auf unserem Planeten. Was tun?

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Die Lösung: Elektrifizieren wir die Länder, die unsere Produkte fertigen

Natürlich ist es schön, wenn die reichen Länder in der westlichen Welt schnell auf erneuerbare Energien umsteigen. Viel wichtiger aber ist, die Werkbänke der Welt mit Ökostrom zu versorgen. Denn unsere Produkte werden hauptsächlich in China, Vietnam, Bangladesch und anderen Staaten Asiens gefertigt. Um den ökologischen Fußabdruck der weltweiten Plastikproduktion zu verringern, müssen vor allem erneuerbare Energien in Plastikexport-Ländern ausgebaut werden, raten die Autorinnen und Autoren der Studie.

Das ist vor allem vor dem Hintergrund wichtig, dass die Wissenschaftler davon ausgehen, dass die globale Plastikproduktion zwischen 2015 und 2030 um 40 Prozent ansteigen wird. „Die Ergebnisse der Studie verdeutlichen, wie wichtig es ist, Kunststoffabfälle stofflich, anstatt nur energetisch durch Müllverbrennung zu verwerten. Demnach verursacht die Herstellung von Kunststoffen fast doppelt so viel CO2, wie der im Plastik gebundene Kohlenstoff bei der Verbrennung freisetzt“, erklärt Dr. Andreas Köhler vom Öko-Institut e.V. in Freiburg.

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Recycling von Plastik
Beim Recycling von Plastik ist noch viel Luft nach oben. © deutsche presse agentur

Der CO2-Fußabdruck von Plastik hat sich seit 1995 verdoppelt. Es wird also weiterhin unglaublich viel Plastik produziert und gekauft. Wollen wir aus diesem Teufelskreis raus, dann gibt es drei wichtige Kernthemen zu erledigen:

  1. Der Anteil des Recyclings beim Plastik muss drastisch erhöht werden
  2. Wir müssen einfach weniger Plastik benutzen. Das Tolle an Plastik ist ja, dass es so langlebig ist. Plastik kann man also nahezu beliebig oft wiederverwenden
  3. Wir müssen die Energiewende in Ländern, die Plastik herstellen, vorantreiben
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(osc)