Entspannung für das Hochwasser in Venedig in Sicht

Bürgermeister: „Die Venezianer gehen nur zum Beten in die Knie“

Venedig ist zum dritten Mal innerhalb einer Woche überflutet worden. Am Sonntag sei das Wasser auf 150 Zentimenter über den normalen Meeresspiegel gestiegen, erklärte Bürgermeister Luigi Brugnaro. Damit waren rund 70 Prozent der Unesco-Welterbestadt unter Wasser. Der Markusplatz als tiefster Punkt der Stadt wurde erneut geflutet und aus Sicherheitsgründen gesperrt. Städtische Museen waren geschlossen. Der öffentliche Verkehr war stark eingeschränkt.  Brugnaro hatte zur „maximalen Vorsicht“ aufgerufen. Die Lage sei aber unter Kontrolle. Die Menschen würden sich nicht entmutigen lassen. „Die Venezianer gehen nur zum Beten in die Knie“, erklärte er.

Nach dem tagelangen Hochwasseralarm in Venedig ist nun etwas Entspannung in Sicht. Für die kommenden Tage werden niedrigere Wasserstände erwartet, teilte die Kommune am Sonntagabend mit. Die Schulen sollten am Montag wieder öffnen.

Rekord-Hochwasser überschwemmt 90 Prozent von Venedig

In der Nacht zu Mittwoch hatte das Wasser allerdings noch deutlich höher gestanden. Es war ein Rekordwert von 187 Zentimetern registriert worden. Das war der höchste Wert seit mehr als 50 Jahren. Mehr als 90 Prozent der historischen Stadt standen unter Wasser. Fast jede zweite Kirche wurde beschädigt.

Am Freitag fluteten Wassermassen dann erneut einen Großteil der Unesco-Welterbestadt.

Das Hochwasser hält an

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Der Pegel-Verlauf mit dem Hochstand von Freitag.

Heftiger Südostwind peitschte und drückt noch immer das Wasser aus der Adria in die Lagune, wo es seine zerstörerische Kraft ausbreitete. "Bis zum Wochenanfang wird das Hochwasser noch anhalten"so RTL-Meteorologin Constance Ahlers.

Wasser, Salz, Schmutz: Gift für Venedigs Kulturdenkmäler

12.11.2019, Italien, Venedig: Der Eingangsbereich zum Markusdom ist überflutet. Schlechtwetter in Italien - und Teile von Venedig stehen wieder unter Wasser. Touristen und Einheimische wateten in Gummistiefeln über den Markusplatz. Im Markusdom sei d
Überschwemmungen in Venedig: Der Eingangsbereich zum Markusdom ist überflutet. © dpa, Luca Bruno, LB fdt

Weltberühmte Kulturdenkmäler wie der Markusdom sind durch salziges und schmutziges Wasser in Mitleidenschaft gezogen worden. Kunstwerke in Sammlungen oder Material in Archiven und Bibliotheken seien aber nach ersten Erkenntnissen nicht beschädigt worden, sagte Italiens Kulturminister Dario Franceschini.

„Venedig ist ein Traum, der nicht verloren gehen darf“

„Venedig ist im Herzen der ganzen Welt. Und die ganze Welt ist alarmiert. Denn auch nur einen Teil davon zu verlieren, bedeutet nicht nur, die Schönheit auszulöschen, die bis in die Ewigkeit dauern sollte, sondern auch das Gedächtnis und die Geschichte der Menschheit“, schreibt die italiensiche Zeitung La Repubblica.

„Wir haben alle um Notre-Dame geweint, und die Großzügigkeit war groß. Eine Großzügigkeit, die sich auch nach dieser neuen Tragödie wiederholen sollte. Venedig ist ein Traum, der nicht verloren gehen darf.“

Notstand beschlossen - und Selfie-Tourismus läuft

Die italienische Regierung hat inzwischen den Notstand für die Lagunenstadt beschlossen. Damit werden 20 Millionen Euro an Soforthilfen freigegeben. Ministerpräsident Giuseppe Conte sagte, dass Privatleute mit Soforthilfen von 5.000 und Geschäftsleute von 20.000 Euro rechnen könnten. Und während die Bewohner Venedigs immer noch schockiert sind und sich um die Zukunft sorgen, machen Touristen Selfies mit den Wassermassen.