Schluss mit dem Pfandchaos?

Darauf zahlen wir ab 2022 Pfand: Das ist die neue Regelung

Einwegflaschen und Einwegdosen landen oft in der Natur
Pfand oder nicht Pfand - das ist die Frage, zumindest bis 2022 © iStockphoto, monticello

Ab 2022 sind auch Fruchtsaftflaschen und Energy-Drinks pfandpflichtig

Haben Sie sich immer schon gefragt, warum sie für eine kleine Sprudelwasserflasche oder Fruchtsaftschorle in der Einwegflasche Pfand zahlen, für eine große Plastik-Saftflasche jedoch nicht? Das ändert sich im Jahr 2022. Denn der Bundestag hat eine Änderung des Verpackungsgesetzes beschlossen. Damit gilt die Pfandpflicht für deutlich mehr Getränke – auch für Fruchtsäfte in Einwegflaschen. Hier sind die neuen Regelungen im Detail:

Darauf zahlen wir in Zukunft Pfand

Getränkeflaschen und Getränkedosen werden ab dem Jahr 2022 einheitlicher mit Pfand belegt
Rot-grüne Bilanz - Dosenpfand © dpa/dpaweb, Z1003 Jens Büttner

Eine Änderung des Verpackungsgesetzes sorgt dafür, dass in Deutschland bei noch mehr Getränken Pfand fällig wird. Die Gesetzesänderung wurde im Mai 2021 vom Bundestag beschlossen und vom Bundesrat gebilligt. Die Neuregelung gilt ab dem 1.1.2022, und zwar für alle Getränkedosen und Plastik-Einwegflaschen. Das bedeutet für die Verbraucher, dass sie in Zukunft auch für Getränke wie Obstsäfte Pfand entrichten müssen – anders als bisher.

  • Einwegflaschen aus Plastik bis zu drei Litern werden grundsätzlich pfandpflichtig – Ausnahme ist bislang Milch. Auf Milchgetränke wird die Pfandpflicht erst ab 2024 ausgeweitet.
  • Alle Getränkedosen werden ausnahmslos pfandpflichtig.

Es gilt eine Übergangsregelung für Flaschen und Dosen, die schon vor dem Stichtag 1.1.2022 im Laden standen. Sie dürfen bis längstens 1. Juli 2022 pfandfrei verkauft werden. Einige Hersteller wenden die neue Regelung aber schon freiwillig früher an und erheben schon 2021 Pfand. Ab Sommer 2022 sollte das Übergangs-Chaos dann vorbei sein.

Bundesumweltminiserin Svenja Schulze: "Die Ausweitung der Pfandpflicht macht das Pfand für alle Verbraucherinnen und Verbraucher besser verständlich. Denn zukünftig heißt es einfach: Auf alle Einweggetränkeflaschen aus Kunststoff und Getränkedosen sind 25 Cent Pfand zu zahlen, unabhängig vom Inhalt.“

Die Verbraucher:innen müssen also im Zweifelsfall mehr Pfand bezahlen als vorher, bekommen das Geld aber natürlich wieder, wenn sie die Flaschen oder Dosen zurückbringen. Svenja Schulze erhofft sich, dass so Flaschen oder Dosen seltener in der Natur landen. Das Pfandsystem soll zudem dafür sorgen, dass die alten Dosen oder Flaschen zu neuen Verpackungen verarbeitet werden oder zu Textilien bzw. Turnschuhen.

Bislang fällt ein Pfand von 25 Cent auf Bier-, Mineralwasser-, Erfrischungsgetränke und Mischgetränke mit Alkoholgehalt an. Milch, Wein, Spirituosen, Frucht- und Gemüsesäfte sowie Energydrinks sind bis Ende 2021 pfandfrei.

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Auch für die Gastronomie ändert sich einiges, vor allem beim Food to go

Auch für Restaurants und Cafés ändert sich einiges, wenn auch erst ab 2023. Bundesumweltministerin Svenja Schulze: "Essen zum Mitnehmen wird auch nach der Pandemie für viele zum Alltag gehören. Noch werden die allermeisten Gerichte und Getränke in Einwegverpackungen gekauft.“ Tatsächlich sind beim Essen außer Haus hauptsächlich Einwegverpackung im Einsatz. Die Folge: mehr Verpackungsmüll in den Haushalten sowie in Straßen und Natur. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat errechnet, dass die Menge an Verpackungsmüll in Deutschland während des ersten Jahres der Pandemie um 10 Prozent gestiegen ist. Plastiktüten und -flaschen, Einweg-Geschirr und Verpackungsfolien machen laut Wissenschatsmagazin „Nature“ die Hälfte des von Menschen verursachten Abfalls aus und sind die Produkte, die am häufigsten die Meere verschmutzen.

Das Ziel der Umweltministerin: „Ich will Mehrweg zum neuen Standard machen. Kundinnen und Kunden sollen ihr Take-away-Essen oder To-go-Getränk ganz einfach in umweltschonenden Mehrwegbechern oder -behältern erhalten können.“ Ihr Lösungsansatz: eine Mehrwegpflicht. Das bedeutet, dass Gastronomiebetriebe ab 2023 ihr Essen auch in Mehrwegverpackungen anbieten müssen. Dabei darf das Essen oder das Getränk in einer wiederverwendbaren Verpackung nicht teurer sein, als das gleiche Produkt in einer Einwegverpackung – und es müssen auch für To-Go-Getränke Mehrwegbecher zur Verfügung stehen, und zwar in allen angebotenen Getränkegrößen, also vom Espresso bis zum Latte XXL. Umweltschützer kritisieren allerdings, dass große Fastfood-Ketten bislang Mehrwegverpackungen boykottieren.

Ausgenommen von dieser Pflicht sind Kioske, Spätkauf-Geschäfte sowie Imbisse mit weniger als fünf Beschäftigten und weniger als 80 Quadratmeter Ladenfläche. Dafür sind diese verpflichtet, Mehrwegbehälter zu füllen, die von Kund:innen mitgebracht werden. Greenpeace moniert, dass die Mehrweg-Pflicht nicht auch für Supermärkte gilt. (dpa/afp/bmu/mzi)