Elbflut wird zur Katastrophe – Evakuierungen in Magdeburg

Die Elbfluten bahnen sich in Magdeburg ihren Weg.
Die Elbfluten bahnen sich in Magdeburg ihren Weg. © dpa, Jens Büttner

"Die nächsten Tage werden extrem und schwierig"

Für Zehntausende Helfer und Bewohner in den Hochwassergebieten geht in der zweiten Woche der Flut das große Bangen weiter. An der Elbe sind viele Dämme durchweicht und drohen zu brechen. Besonders dramatisch ist die Lage in Sachsen-Anhalt. In Magdeburg steht der Pegel mit 7,40 Metern rund 70 Zentimeter höher als bei der Jahrhundertflut 2002, ein ganzer Stadtteil drohte vollzulaufen. Die Katastrophe bringt die Menschen vielerorts an ihre Grenzen, Tausende mussten ihre Häuser verlassen und sich in Sicherheit bringen.

In Magdeburg drohte der Stadtteil Rothensee voll Wasser zu laufen und wurde evakuiert. "Die nächsten Tage werden extrem und schwierig", sagte Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD). In Wittenberge wurde mit 7,34 Metern der Rekordwert der Jahrhundertflut von 2002 erreicht, am Dienstag wird ein Höchststand von 8,10 Meter erwartet, normal sind 2,77 Meter. Den Einsatzkräften an den Deichen stehe ein tagelanger Kampf gegen das Hochwasser bevor, sagte ein Sprecher des Koordinierungszentrums Krisenmanagement.

Auch in Norddeutschland könnte sich die Lage stärker zuspitzen als zunächst vorhergesagt. Experten korrigierten Prognosen für Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein deutlich nach oben. An diesem Sonntag wird Bundespräsident Joachim Gauck im Katastrophengebiet erwartet. In Halle ist ein Besuch in einer von der Flut beschädigten Kindertagesstätte geplant, in Meißen will er mit Flutopfern und Helfern sprechen.

Mehr finanzielle Hilfe für Flutopfer?

Wo das Wasser schon wieder abfließt, bleiben stinkender Schlamm und Sperrmüllberge zurück. Viele Anwohner sind fassungslos und schockiert. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) versprach den Flutopfern, man werde beim Wiederaufbau alles tun, was menschenmöglich sei. "Deutschland steht in bewundernswerter Weise zusammen in diesen Tagen - und das soll auch so bleiben." Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) deutete in der 'Passauer Neuen Presse' an, dass die Hilfen für Flutopfer aufgestockt werden könnte. Bisher hat der Bund 100 Millionen Euro Soforthilfe zugesagt.

Politiker forderten außerdem, Hochwasserschutzbauten schneller zu genehmigen und Veto-Möglichkeiten von Bürgern und Umweltschützern zu begrenzen. "Wir brauchen deutlich kürzere Planungszeiten", sagte Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) der 'Welt am Sonntag'. FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle warf Bürgerinitiativen und Umweltverbänden im 'Focus' vor, in den vergangenen Jahren dringend nötige Hochwasserschutzbauten verhindert zu haben.

Bundesweit stemmen sich weiterhin rund 70.000 Feuerwehrleute und 11 000 Bundeswehrsoldaten gegen die Flut. Mindestens sieben Menschen starben, mehrere werden vermisst. Und in den kommenden Tagen melden Meteorologen schon wieder örtlich Starkregen in der Mitte und im Süden Deutschlands sowie in den Elbe-Einzugsgebiet in Tschechien und Polen.