Ist das Arktis-Eis überhaupt noch zu retten?

Arktis-Forscher der Polarstern schlagen Alarm

 Anja Karliczek  Markus Rex  Stefanie Arndt 2021-06-15 Deutschland, Berlin - Bundespressekonferenz: Anja Karliczek CDU, Bundesministerin für Bildung und Forschung r., Prof. Dr. Markus Rex, Atmosphärenphysiker und Leiter der Expedition MOSAiC, Alfred
Anja Karliczek + Markus Rex + Stefanie Arndt 2021-06-15 Deutschland, Berlin - Bundespressekonferenz: Anja Karliczek (CD © imago images/Jürgen Heinrich, Jürgen Heinrich via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Expeditionsleiter Markus Rex hat Zweifel, ob das ganzjährige Eis am Nordpol zu retten ist

Von 2019 bis 2020 war der Eisbrecher „Polarstern“ in der Arktis unterwegs. Die gesammelten Daten zeigen, wie schlecht es um das Eis am Nordpol steht. Auf einer Pressekonferenz mit Forschungsministerin Anja Karliczek am Dienstag erklärte der Expeditionsleiter Markus Rex: Ist das ganzjährige Eis der Arktis Eis überhaupt noch zu retten? Wenn man das marode und völlig zerschmolzene Eis am Nordpol im Sommer 2020 gesehen hat, mögen einen da tatsächlich Zweifel überkommen.“

Rückkehr im Oktober 2020 - mit gigantischen Datenmengen an Bord

Das Forschungsschiff war im September 2019 von Bremerhaven aus Richtung Arktis gestartet. Zehn Monate lang driftete das Schiff angedockt an eine riesige Eisscholle durch das Nordpolarmeer. Wissenschaftler konnten so zum ersten Mal den gesamten Eiszyklus vom Gefrieren bis zur Schmelze messen und dokumentieren. Sie versprechen sich von den gewonnenen Daten wichtige Erkenntnisse über das Nordpolarmeer – und über den weltweiten Klimawandel. Im Oktober 2020 kehrte die Polarstern zurück. Die Auswertung der gesammelten Messwerte wird noch Jahre dauern.

150 Terabyte Daten und 10.000 Proben aus dem „Epizentrum des Klimawandels“

Während der einjährigen „Mosaic“-Expedition des Forschungsschiffes Polarstern in der zentralen Arktis hat sich das Eis schneller zurückgezogen als je zuvor seit Beginn der Aufzeichnungen. Die Ausdehnung des Eises sei im Sommer 2020 nur noch halb so groß wie vor Jahrzehnten gewesen, sagte der damalige Fahrtleiter Markus Rex vom Alfred-Wegener-Institut (AWI).

Zugleich sei das Eis nur noch halb so dick wie vor fast 130 Jahren gewesen. Im Herbst 2020 habe sich das Eis wiederum viel später geschlossen als je zuvor. „Durch die lange eisfreie Zeit im Sommer konnte der Ozean große Mengen an Wärme aufnehmen und speichern“, sagte Rex. Im Winter hätte die Polarstern fast durchgehend 10 Grad mehr gemessen als der Forscher Fridtjof Nansen auf seiner Expedition vor fast 130 Jahren.

Rex sagte, es seien mehr als 150 Terabyte Daten und mehrere 10.000 Proben von Eis, Schnee, Wasser und Luft mit nach Hause gebracht worden. Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) sagte, die Daten seien wichtig, um das Klimageschehen in der Arktis und damit auch in gemäßigten Breiten zu verstehen. „Mosaic hat das Epizentrum des Klimawandels umfassender erforscht, als es jemals zuvor möglich war“, so die Ministerin.

Markus Rex warnt vor dem Kipppunkt, der das sommerliche Meereis verschwinden lässt

Polarsternfoscher zeigen wir stark der Klimawandel in der Arktis ist.
Prof. Dr. Markus Rex zieht auf einer Pressekonferenz in Berlin am 15.6.2021 eine Zwischenbilanz. © imago images/Jürgen Heinrich, Jürgen Heinrich via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Die letzte Generation, die eine eisbedeckte Arktis im Sommer erlebt?

Erst die Auswertung der nächsten Jahre werde zeigen, ob das ganzjährige arktische Meereis noch zu retten sei, sagte Rex. Er warnte, sollte die sommerliche Arktis eisfrei werden, könne dies „unkontrollierte Kaskaden“ auslösen. Diese könnten die Erderwärmung immer weiter antreiben. „Das Auslösen des Kipppunktes, der zum Verschwinden des sommerlichen Meereises in der Arktis führt, steht unmittelbar bevor“, betonte Rex. „Wir werden womöglich die letzte Generation sein, die eine eisbedeckte Arktis im Sommer erlebt hat“, sagte auch Meereis-Physikerin Stefanie Arndt, eine der insgesamt 300 internationalen Forschenden an Bord der Polarstern.

Unsere Wettertrends und Themenseiten

Sollten Sie Interesse an weiteren Wetter-, Klima- und Wissenschaftsthemenhaben, sind Sie bei wetter.de bestens aufgehoben. Besonders ans Herz legen,können wir Ihnen auch den 7-Tage-Wettertrend mit der Wetterprognose für die kommende Woche. Dieser wird täglich aktualisiert. Falls Sie weiter in die Zukunft schauen möchten, ist der 42-Tage-Wettertrend eine Option. Dort schauen wir uns an, was auf uns in den kommenden Wochen zukommt. Vielleicht interessiert Sie eher wie sich das Klima in den vergangenen Monaten verhalten hat und wie die Prognose für das restliche Jahr aussieht. Dafür haben wir unseren Klimatrend für Deutschland.

Damit Sie auch unterwegs kein Wetter mehr verpassen, empfehlen wir unsere wetter.de-App für Apple- und Android-Geräte.

Wetter und Klima in der Mediathek

Mega-Hitze und große Trockenheit - und viele fragen sich: Wird Deutschland bald zum Wüstenstaat? Wie viele Dürre-Sommer hintereinander können wir eigentlich noch verkraften? Hier geht es zur DOKU - Wüstenstaat Deutschland?

(cli)