Eisbrecher „Polarstern“: Lehrerin aus Hannover kehrt von der Arktis-Expedition zurück

Unbenannt
Fast wie auf dem Traumschiff. Die "Polarstern" bleibt eingefroren einen ganzen Winter in der Arktis.

Was gibt es Neues bei unseren Arktis-Helden?

Für echte Abenteurer ist nur noch wenig Platz auf unserem Planeten: Die hohen Berge sind bestiegen, jede Ecke ist kartographiert und mit dem Flugzeug kann man fast immer und überall hinfliegen. Einige Menschen haben sich für einen Winter in den Eismassen um den Norpol auf der Polarstern einschließen lassen und erleben mehrere Monate arktisches Abenteuer.

In diesem Artikel finden Sie die Hintergründe der Mission und aktuelle Neuigkeiten.

05.11.2019: Lehrerin kehrt von der Arktis-Expedition zurück

Die Lehrerin Friederike Krüger unterrichtet Erdkunde in einer Schule in Hannover und hat die MOSAiC-Expedition in die Arktis 6 Wochen begleitet. Sie reiste seit dem Start der Polarstern im norwegischen Tromsö auf dem Begleitschiff „Akademik Fedorov“ mit und kehrte jetzt nach Deutschland in ihre Schule zurück. Ihre Schüler freuten sich über das Wiedersehen und schenkten der 28-Jährigen einen flauschigen Eisbär-Teddy. Die Lehrerin brachte dafür neben einer Menge an spannendem Unterrichtsmaterial für den Erdkunde-Unterricht auch diesen coolen, selbstgedrehten Film aus dem Ewigen Eis mit.

26.10.2019: Die Polarnacht beginnt

Nur am Mittag dämmert es und der Horizont färbt sich ein bisschen orange - und auch auf diese Sonnenstrahlen müssen die Forscher auf der „Polarstern“ bald verzichten. Denn die Polarnacht beginnt und hüllt den Nordpol mit seiner Umgebung in Dunkelheit.

23.10.2019: Mühsame Handarbeit

Auf der „Polarstern“ gibt es keinen Müßiggang - die Forscher müssen in ihrem Eisschollen-Vorgarten selbst für Ordnung sorgen. Ein Stromkabel, das die Polarstern und die fernbedienbare Fahrzeugstation miteinander verbindet, musste bei Eiseskälte und mit viel Fingerspitzengefühl wieder ausgegraben werden. Es hatte sich in einen aus Eis und Schnee gebildeten Schneekamm eingegraben. 

14.10.2019: Eisbärenalarm!

In den letzen Tagen besuchten zwei Eisbären die „Polarstern“ und nahmen die menschengemachten Vorrichtungen genau unter die Lupe. Für die Forscher können die Tiere allerdings lebensgefährlich sein. Auch die wissenschaftlichen Geräte könnten der Neugierde der Bären zum Opfer fallen. Deshalb hat man die Besucher mit dem Schuss aus einer Signalpistole vergrault. Verletzt wurden die Tiere nicht.

Treue Begleiter?

Es war bereits der zweite Eisbärenbesuch und es handelt sich vermutlich um dieselben Tiere: Eine Polarbärenmama mit Nachwuchs.

2.10.2019: Die Eisscholle ist gefunden

Der deutsche Eisbrecher „Polarstern“ des Bremerhavener Alfred-Wegener-Instituts (Awi) ist seit zwei Wochen unterwegs. Die erste wichtige Mission war eine passende Eisscholle zu finden, damit das Schiff festmachen und die Forschungsstation einrichten kann.

Jetzt ist die Eisscholle gefunden worden, so die AWI-Chefin Antje Boetius exklusiv im Interview mit uns.

Auch die Forscher selbst mussten aufs Eis, um die Eisdicke zu messen und so die Tauglichkeit festzustellen. Immerhin muss das Ganze für ein Jahr halten. In diesem Jahr schien diese Suche besonders schwierig zu sein, denn das Eis ist ungewöhnlich abgeschmolzen, so Antje Boetius.

Auf der gefundenen Eisscholle wollen die Forscher das Schiff einfrieren lassen und ein komplexes Forschungscamp errichten, um während der Drift des Eises entscheidende Kenntnisse zum Weltklima zu sammeln. Die Bilder, die uns vom Forschungsschiff und der Suche nach einer geeigneten Eisscholle erreichen, sind beeindruckend.

20.09.2019: Die MOSAiC-Expedition startet

Am 20. September startete die MOSAIC-Expedition in Tromsö, Norwegen. Von der skandinavischen Hafenstadt aus führt die Route direkt ins arktische Eis, um sich dort ein Jahr einfrieren zu lassen. Dafür begibt sich die Forschungscrew auf der „Polarstern“ zunächst auf die Suche nach einer geeigneten Eisscholle, an die sich das Forschungsschiff „andocken“ lässt. Dann soll sich die Polarstern mit der Eisdrift durch die Arktis schieben lassen.

Das federführende Alfred-Wegener-Institut setzt große Hoffnungen in das internationale Millionenprojekt MOSAiC ((Multidisciplinary drifting Observatory for the Study of Arctic). Das Ziel ist, neue Erkenntnisse über den Klimawandel und den bedrohten Lebensraum der Arktis gewinnen zu können.

3 Gründe, warum die Expedition keine Wellnessreise ist

  • Bereits in wenigen Tagen beginnt die Polarnacht, bei der die Sonne nicht mehr über den Horizont steigt - rund 150 Tage lang.
  • Eisbären stellen eine mögliche Gefahr dar. Daher bewachen durchgehend sechs Wachposten die Station.
  • Die Temperaturen liegen derzeit bei bis minus zehn Grad, später sogar bis minus 45 Grad. Dazu kommen mögliche Stürme.

„Noch in 2011 hätten wir uns nicht vorstellen können, wie dünn das Meereis und wie warm die Winter geworden sind“

An der Idee zu der Mammutexpedition haben die Forscher bereits seit rund acht Jahren gearbeitet. „Noch in 2011 hätten wir uns nicht vorstellen können, wie dünn das Meereis und wie warm die Winter geworden sind“, erklärte die Direktorin des Alfred-Wegener-Instituts, Antje Boetius, vor der Abfahrt der „Polarstern“. “Es ist also höchste Zeit für die Expedition aufzubrechen und Daten und Bilder einer Region zu ermitteln, die sich schneller verändert, als wir sie erforschen können.“

Expedition soll Wissenslücken schließen

Die beteiligten Wissenschaftler aus fast 20 Ländern, die während der Reise mehrfach ausgewechselt werden, nehmen all das in Kauf, um mit ihren Messungen vor allem den Einfluss der Arktis auf das Weltklima besser verstehen zu lernen. Sie erhoffen sich wichtige Erkenntnisse für die Klimaforschung. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich kaum eine Weltregion so stark erwärmt wie die Arktis. Dennoch fehlt es an ganzjährigen Beobachtungen aus dem Nordpolarmeer - eine Wissenslücke, die nun geschlossen werden soll.