Einige Organisationen rechnen übel mit dem Klimagipfel in Kattowitz ab: "Das ist Mord"

13.12.2018, Polen, Kattowitz: Hans Joachim Schellnhuber, Klimaforscher und Gründer des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), spricht auf einer Veranstaltung zum Thema Kohleausstieg beim Weltklimagipfel mit Christiane Averbeck, Geschäftsfü
Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber hält es für möglich, dass die Zivilisation an der Klimafrage scheitert. © dpa, Monika Skolimowska, skm kno

Vom UN-Klimagipfel in Kattowitz berichtet Oliver Scheel

Wohin man auch geht, welche Pressekonferenz man beim Klimagipfel in Kattowitz auch besucht, noch vor dem offiziellen Ende der Konferenz ist die Botschaft immer klar: Die Politik tut zu wenig gegen den Klimawandel, die Industriestaaten schieben ihre Verantwortung von sich weg und es gibt kaum Hoffnung auf einen schnellen Wandel. Oder, wie es der deutsche Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber formulierte: "Wir fahren den Planeten an die Wand - drücken dabei noch aufs Gaspedal."

"Eure Zukunft wird euch gerade gestohlen"

Schellnhuber gilt als anerkannter Wissenschaftler, er ist Gründer des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), Teil der Kohlekommission und Berater von Angela Merkel. Und er ist sich sicher, dass fast kein Staat auf der Welt genügend tut, um den Klimawandel im Zaum zu halten. "Wenn ich junge Leute treffe, sage ich ihnen, hej, eure Zukunft wird euch gerade gestohlen. Seid ihr nicht wütend? Ich will niemanden zur Revolution anstiften, aber wir brauchen junge Leute, die für das Klima kämpfen. Wir haben damals als junge Leute den Faschismus vertrieben, jetzt muss das Kohlezeitalter vertrieben werden", sagte er auf einer Veranstaltung in Kattowitz.

Auch der berühmte Intellektuelle Noam Chomsky war nach Kattowitz gereist. Der Amerikaner, Kritiker der US-Regierung, unterstützt einen Zusammenschluss von Wissenschaftlern, die vor den katastrophalen Folgen des Klimawandels warnen. "Die Auseinandersetzung mit dem Klimawandel kann nicht verschoben werden. Es ist nicht mehr und nicht weniger als die wichtigste Entscheidung in der Geschichte der Menschheit", sagte er. 

"Erst die Ernte kaputt, dann die Häuser: Die Industrieländer töten die Menschen"

Foto: Scheel
Umweltschützer Ricardo Navarro (re) von der Organisation "Friends of the Earth" sprach bei der Untätigkeit im Kampf gegen den Klimawandel von "Mord"

Vertreter der Nichtregierungsorganisation "Friends of the Earth" nannten die Industrieländer "kriminelle Clans" und sprachen von "Mord". "Wenn wir so weitermachen, haben wir Ende der nächsten Dekade die 1,5 Grad Erwärmung erreicht. Das ist für mein Volk in El Salvador eine Fragen von Leben und Tod", sagte Umweltschützer Ricardo Navarro. "Wie war 2018? Die erste Hälfte fürchterlich trocken, in der zweiten Hälfte kamen die Hurrikans. Erst war die Ernte kaputt, dann die Häuser. Die Industrieländer töten die Menschen. Und die Menschen, die hier leiden, sind nicht die, die das Problem verursachen. Das muss sofort aufhören", rief Navarro. 

UN-Klimaverhandlungen in Kattowitz ziehen sich weiter

Zähes Ringen um den Klimaschutz: Die Unterhändler auf der UN-Klimakonferenz sollen nach dem Willen von Konferenzpräsident Michal Kurtyka erst am frühen Samstagmorgen im Plenum zusammenkommen. 

Eigentlich war vorgesehen, dass die Vertreter aus fast 200 Staaten schon am Freitag einen Kompromiss finden sollten. Bei dem zweiwöchigen Treffen geht es um die Regeln für die praktische Umsetzung des Pariser Klimaabkommens und damit die Begrenzung der Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad.