Eindrucksvolle Bilder zeigen schmelzende Gletscher

Klimawandel live: Ein Gletscherleben auf Sekunden verdichtet

Es ist ein gewaltiges Naturschauspiel: Mit lautem Krachen und Knirschen brechen riesige Eisbrocken vom Ilulissat Gletscher in Westgrönland ab. Mehr als eine Stunde lang bröckelt der Eisriese - und einem Filmteam gelingt die bisher längste Videoaufnahme eines kalbenden Gletschers. Ausschnitte daraus sind im Dokumentarfilm „Chasing Ice“ zu sehen, der vom Kampf des US-Naturfotografen James Balog um mehr öffentliche Aufmerksamkeit für den weltweiten Klimawandel erzählt.

Ein Gletscher bei Ilulissat, aufgenommen am Freitag (17.08.2007) in Grönland. Foto: Ulrich Scharlack +++(c) dpa - Report+++
Dänemark - Gletscher in Grönland

Der Rückzug vieler uralter Gletscher zählt zu den eindrücklichsten Symbolen des Klimawandels. Balogs Team hat das Sterben solcher Giganten in Island, Grönland, Alaska und im Bundesstaat Montana über Jahre festgehalten. Auch die Arbeit des Teams wurde bei diesem «Extreme Ice Survey» dokumentiert - und lässt den Zuschauer mit „Chasing Ice“ nah an dem kräftezehrenden Projekt teilhaben.

Der Film in der Regie von Jeff Orlowski zeigt monumentale Bilder schwindender Gletscher. Sie wechseln sich ab mit Szenen aus TV-Beiträgen zu Klimawandel und Naturkatastrophen sowie Aufnahmen Balogs, seiner Familie und seines Teams.

Von 2007 an installiert Balogs Team mehr als 20 speziell entwickelte Zeitrafferkameras entlang schwindender Gletscher - und hat immer wieder mit Rückschlägen zu kämpfen: Felsbrocken zertrümmern Gehäuse, Batterien explodieren, Timer lösen nicht aus, Füchse zerbeißen Kabel, Plexiglasfenster werden sandgestrahlt. Sehr nah ist die Kamera dann bei Balog, der Frust und Trauer freien Lauf lässt.

Vor dem Solheim Gletscher in Island erzählt der Fotograf, dass dieser auf ihn wie ein alter Mann wirke, der zu Boden geht. Einen Gletscher zu fotografieren, sei wie einen Menschen zu porträtieren, seine Kraft, seine Verletzlichkeit. In einem Labor lässt sich Balog erklären, wie sich aus Eisbohrkernen auf den Kohlendioxidgehalt und die Temperatur der Atmosphäre längst vergangener Zeiten schließen lässt. Kurze Aufnahmen zeigen ihn bei Vorträgen, bei denen er seine Bilder präsentiert - die so manchen Zuhörer sichtlich schocken. Forscher kommen zu Wort, die vor immer heftigeren Naturkatastrophen und einem Massensterben von Pflanzen und Tieren warnen.

Uralte Gletscher, die im Zeitraffer wie Eiswürfel in der Sonne schmelzen: An Eindrücklichkeit mangelt es dem Film nicht - vor allem nicht auf einer Großleinwand im Kino.